Gaming-Limits in Japan: Jugendlicher will Regierung verklagen

Veröffentlicht am: 13. Juni 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. Juni 2020, 01:50 Uhr.

Ein Jugendlicher aus der Kagawa-Präfektur auf der japanischen Insel Shikoku, Wataru (17), plant, die Regierung zu verklagen. Wie die New York Times gestern berichtet hat [Seite auf Englisch], habe die Präfektur zuvor als erste in Japan die Beschränkung von Videospielen für Minderjährige angeordnet.

junger Mann Videospiele
Junge Japaner unter 20 Jahren sind von der Gaming-Anordnung betroffen. (Flickr: „the gamer” by greentleaf, licensed under CC BY 2.0)

Gemäß der Anordnung vom April dieses Jahres sollen Eltern das Videospiel ihrer Kinder an Schultagen auf eine Stunde und am Wochenende auf 1,5 Stunden pro Tag begrenzen. Auch für die Nutzung des Smartphones und des Internets gelten Beschränkungen.

Während die Zahl der Glücksspielsüchtigen in Japan gering bleibt, bereitet das Videospiel-Verhalten junger Japaner hingegen Sorge. Laut einer Studie des Kurihama Medical and Addiction Centers zu problematischem Spielverhalten von 10- bis 29-Jährigen vom Dezember 2019 zockten 18,3 % der Befragten drei oder mehr Stunden pro Tag.

34,7 % dieser Gruppe habe zudem Schwierigkeiten, sich vom Spielen zu lösen, wenn es an der Zeit sei, andere Dinge zu tun. Dieser Anteil steige für die Gruppe, die 4 bis 5 Stunden pro Tag spiele, auf 43,3 %.

Der Erlass gelte für alle unter 20 Jahren und diene der Verbeugung von Spielsucht. Strafen für Verstöße gebe es nicht. Dennoch sei der gesellschaftliche Druck enorm, den Anordnungen Folge zu leisten.

Mit einem Top-Anwalt gegen die Regierung

Wataru wolle sich nicht damit abfinden und habe sich die Unterstützung von Tomoshi Sakka, einem der erfolgreichsten Anwälte des Landes, zugesichert:

Ich dachte, wenn ich etwas für mich selbst unternehmen würde, anstatt darauf zu warten, dass jemand in meinem Namen etwas unternimmt, könnte dies einen starken Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Wataru argumentiert, dass es andere Wege gebe, Spielsucht vorzubeugen. Der bestehende Ansatz schränke das Selbstbestimmungsrecht ein und stelle einen unerlaubten Eingriff des Staates in das Privatleben dar.

Watarus Mission, die er durch eine Petition vorantreiben und durch Crowdfunding finanzieren will, habe schon jetzt ein großes Medieninteresse geweckt. Dies liege nicht zuletzt an der Bekanntheit seines Anwalts, der bereits einen Fall vor dem Verfassungsgericht gewonnen hat.

Sakka erwarte, dass das Verfahren einige Jahre in Anspruch nehmen werde. Er sei jedoch zuversichtlich, dass man den Fall gewinnen könne. Die Klage soll noch diesen Sommer eingereicht werden.