Lotterie ohne Gewinner? Hausverlosungen in Großbritannien

Veröffentlicht am: 23. August 2019, 12:59 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. August 2019, 12:59 Uhr.

Eine Hausverlosung soll Interessenten mit ein bisschen Glück für kleines Geld zum Eigenheim verhelfen. Gleichzeitig hofft der bisherige Eigentümer, durch den Verkauf möglichst vieler Lose auf ein gutes Geschäft. Nun beleuchtet ein Bericht der britischen Tageszeitung The Mirror das Prinzip Hausverlosung und zeigt: Die Idee mag gut sein, die Umsetzung scheint jedoch ausbaufähig zu sein.

Steinhaus auf dem Land
Wer seine Immobilie nicht verkauft bekommt, kann es in Großbritannien mit einer Hausverlosung versuchen (Quelle:pixabay.com)

Traumanwesen für 40 GBP

Dass eine Hausverlosung funktionieren kann, zeigt die Geschichte der Britin Maie Segar. Im Jahr 2017 nahm die Finanzangestellte an einer Lotterie teil. Die Lose, die sie über eine Webseite erstand, kosteten sie nur 2 GBP pro Stück. Segar kaufte 20 Tickets.

Kurze Zeit später war sie stolze Besitzerin eines Anwesens im Wert von 800.000 GBP und durfte sich „Lady of Melling Manor“ nennen. Die eingesetzten 40 GBP hatten sich mehr als nur rentiert.

In Großbritannien erlaubt die Glücksspielbehörde eine Hausverlosung unter strengen Auflagen. In Deutschland hingegen sind die Lotterien nicht legal. Da das Glücksspielmonopol beim Staat liegt, ist es Privatanbietern generell verboten, ohne spezielle Genehmigung Lotterien zu veranstalten, bei denen Geld eingesetzt wird. Wer gewerbsmäßig illegales Glücksspiel veranstaltet, kann nach § 284 StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Und auch Hausverkäufer Dustan Low (37) konnte sich glücklich schätzen. Nachdem er das Anwesen aufwendig renoviert hatte, fand sich zunächst kein Käufer. Durch die Hausverlosung gelang es ihm nicht nur, die investierten 500.000 GBP auszugleichen. Insgesamt wurden Lose im Wert von rund 900.000 GBP verkauft und entließen ihn mit einem guten Gewinn aus seinem Immobilienprojekt.

Geldgewinn statt Eigenheim

Leider bildet dieser glückliche Ausgang einer Hausverlosung die Ausnahme. Dies zeigt ein Bericht des britischen Mirror. Den Journalisten zufolge sind erfolgreiche Hausverlosungen mittlerweile eine Seltenheit. Obwohl immer mehr Briten auf diesen ungewöhnlichen Weg des Immobiliengeschäfts setzen, wechseln immer weniger Häuser nach Lotterien den Besitzer.

Stattdessen erhalten die Lotteriegewinner am Ende immer öfter Geldpreise anstelle des erhofften Eigenheims. Manchmal ist es sogar unklar, wohin die Erlöse aus den Loseinnahmen fließen.

Das Hauptproblem, so erklärt es Tim Jones, der 2018 versuchte, seine Immobilie per Hausverlosung zu monetarisieren, liege in der Anzahl der verkauften Lose. Er selbst sei daran gescheitert:

Es ist einfach ein Zahlenspiel. Man muss eine Riesenmenge von Losen verkaufen. Das Ziel war, rund 200.000 Lose zu verkaufen. Ich könnte es wahrscheinlich immer noch schaffen, wenn wir 130.000 verkaufen würden, aber wir haben bisher nur ca. 15.000 verkauft.

Letztendlich habe er von den Einnahmen jeweils 24.000 GBP gespendet und als Lotteriegewinn vergeben. Der Rest habe die angefallenen Kosten gedeckt. Das Haus habe nicht den Besitzer gewechselt.

Kein Non-Profit-Geschäft

Tatsächlich hat sich das Konzept der Hausverlosung als Geschäftsmodell auf dem britischen Markt etabliert. Im Internet finden sich diverse Webseiten, die die Lotterien anbieten. Meist sind Lose für zwei GBP zu erstehen. Oft aber bleiben die Geschäfte undurchsichtig.

Bunte Papierlose
Diverse Anbieter bieten die Teilnahme an einer Hausverlosung übers Internet an (Quelle:pixabay.com)

Weil die Anbieter profitorientiert arbeiten, müssen mehr Lose verkauft werden, um sowohl den Eigentümer zufrieden zu stellen als auch die anfallenden Provisionen für den Organisator der Lotterie zu generieren.

Wie hoch diese sind, bleibt meist im Dunkeln. Diverse Lotteriebetreiber stellten ihre Tätigkeit nach erfolglosen Hausverlosungen wieder ein. Darunter, so der Mirror, „Win Barns Farm Life“ und „Win a Yorkshire Home“. Beide Anbieter sollen entweder Bargeldpreise zur Verfügung gestellt oder die Loskosten erstattet haben.

Der Anbieter „House to Win“ soll seine gesamten Profile im Internet gelöscht haben und nicht mehr aufzufinden sein. Der Verbleib der eingenommenen Gelder sei nicht nachvollziehbar.

Mangelnde Transparenz und schwarze Schafe

Insgesamt, so das Fazit der Journalisten, stelle mangelnde Transparenz das größte Problem bei den Hausverlosungen dar. Zwar gebe es klare Vorgaben der britischen Glücksspielbehörde, die Anbieter erfüllen müssten, dennoch tummelten sich diverse unseriöse Betreiber auf dem Markt.

Bei diesen könne es im Nachhinein schwer sein, rechtliche Schritte einzuleiten, wenn die Verlosung nicht erwartungsgemäß ablaufe.

Wichtig sei es, sich im Vorfeld genau über den Anbieter und dessen bisherige Tätigkeiten zu informieren. Lotteriebetreiber, die keine Auskunft über die Anzahl der verkauften Lose oder die Höhe der möglichen alternativen Geldpreise zur Verfügung stellten, sollten gemieden werden.

Letzten Endes bleibt festzustellen, dass bei der Teilnahme an einer Hausverlosung, wie überall, wo es um Glück und Geld geht, Vorsicht geboten ist. Die Aussicht, für einen Einsatz von nur zwei GBP pro Los ein Eigenheim zu gewinnen, mag verlockend sein. Wird das Traumhaus aber nie ausgespielt, ist selbst dieser Betrag zu hoch.