Nicht ausgezahlter Gewinn: Britische Lotto­spielerin verklagt Camelot

Veröffentlicht am: 4. April 2022, 10:09 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. April 2022, 10:47 Uhr.

In Großbritannien bahnt sich für den Glücksspiel-Anbieter Camelot rechtlicher Ärger an. Die Spielerin Joan Parker-Grennan hat angekündigt, den Lotto-Veranstalter auf Auszahlung eines Millionengewinns verklagen zu wollen.

Rubbellos
Das Camelot-Rubbellos kaufte die Spielerin online (Bild: Flickr/ABPMedia, CC BY-ND 2.0)

Die 53-Jährige hatte im Jahr 2015 online ein Rubbellos bei Camelot erworben und auf diesem einen Gewinn von 1 Mio. GBP angezeigt bekommen. Kurze Zeit später erklärte der Lotto-Betreiber jedoch, dass die Anzeige fehlerhaft gewesen sei und verweigerte deshalb die Auszahlung.

Camelot gibt einen Softwarefehler als Grund für die falsche Vergabe der Zahlen an. Dieser sei bei einer „sehr kleinen Anzahl von Spielern der National Lottery“ aufgetreten. Das Problem sei daraufhin schnell behoben worden, rechtfertigt sich das Unternehmen:

Das Spiel war weniger als 12 Stunden im Handel, als wir von dem Problem erfuhren und es sofort deaktivierten.

In seinem Statement verwies der Anbieter auf eine Anhörung im kommenden Juni. Bei dieser solle der Fall von der Glücksspielbehörde geprüft werden.

Joan Parker-Grennan gab sich derweil kompromissbereit. Ihr Anwalt habe dem Unternehmen Ausgleichszahlungen in mittlerer sechsstelliger Höhe angeboten.

In Bezug auf eine mögliche außergerichtliche Einigung äußerste sich Camelot nicht. Ob und wann der Fall von Parker-Grennan vor Gericht verhandelt wird, ist noch nicht bekannt.

Die vielen Probleme von Camelot

Der jetzige Rechtsstreit kommt für Camelot zur Unzeit, da dem Lottobetreiber eine weitere juristische Auseinandersetzung bevorsteht. Vergangene Woche kündigte das Unternehmen an, die britische Glücksspielkommission UKGC verklagen zu wollen.

Als Grund für die Klage gab Camelot die aus seiner Sicht unrechtmäßige Nichtberücksichtigung bei der Vergabe der kommenden Lotto-Lizenz in Großbritannien an. Die UKGC habe die Gewinnprognosen des überlegenen Bewerbers Allwyn nicht genau genug geprüft.

Die UKGC hatte Camelot zudem vor zwei Wochen wegen mehrerer Verstöße mit einer millionenschweren Geldbuße belegt. Zum einen warf sie dem Anbieter vor, Werbung an über 65.000 vom Glücksspiel ausgeschlossene Spieler versendet zu haben. Darüber hinaus hatte das Unternehmen bei Spielern, die online im Lotto gewonnen hatten, die Lose aufgrund eines technischen Fehlers nicht als Gewinne anerkannt. Dieses Problem wurde ebenso erst im Nachhinein festgestellt wie die irrtümlich doppelte Berechnung beim Kauf von rund 22.000 Losen. Die UKGC verurteilte Camelot zur Zahlung einer Geldstrafe von 3,15 Mio. GBP (3,75 Mio. Euro).

Zudem habe die UKGC das Konzept Camelots im Verlauf des Prüfungsprozesses herabgestuft, ohne eine ausreichende Begründung dafür zu geben. Die Konzession für den Betrieb der National Lottery sei deshalb zu Unrecht an Allwyn vergeben worden.

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob Camelot in den beiden juristischen Auseinandersetzungen die Oberhand behält oder weitere Niederschlagen einstecken muss.