Glücksspiel­staatsvertrag 2021: Aus für Sportwetten-Werbung und Sport-Sponsoring?

Veröffentlicht am: 29. Dezember 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. Dezember 2020, 10:15 Uhr.

Der Sportwetten-Markt in Deutschland boomt. Mittlerweile verfügen diverse Anbieter erstmals über offizielle Lizenzen, ihre Wettplattformen in Deutschland zu betreiben. Doch mit der neuen Freiheit kommen auch neue Herausforderungen.

Fussballrasen Nahaufnahme
Wie groß ist die Zäsur, die die neuen Richtlinien für die Sportwetten-Werbung bedeutet? (Quelle:unsplash.com/Sandro Schuh)

So verbietet der Entwurf zum Glücksspielvertrag (GlüStV) 2021, der im kommenden Sommer in Kraft treten soll, den Buchmachern, mit Sportprominenz zu werben. Spielerschützern reicht das nicht: Sie fordern ein Komplettverbot von Sportwetten-Werbung und das Ende des Spitzensport-Sponsorings durch Glücksspiel-Anbieter.

Partnerschaften gekündigt

Zahlen des Bundesfinanzministeriums zufolge sollen Spieler in Deutschland allein im Jahr 2019 rund 9,3 Mrd. Euro bei Sportwetten eingesetzt haben. Um auf dem hart umkämpften Milliardenmarkt bestehen zu können, müssen Buchmacher für die Sichtbarkeit ihrer Angebote sorgen, die sich inhaltlich nur wenig voneinander unterscheiden. Bislang setzten die Anbieter dabei insbesondere auf sogenannte Markenbotschafter.

Besonders beliebt sind hierbei aus dem Spitzensport bekannte Prominente. Sie gelten nicht nur als Experten in Sachen Sport, sondern oft auch als besonders authentisch und besitzen nicht selten einen Vorbildcharakter.

Die Liste der vornehmlich nicht mehr im aktiven Sport beheimateten Werbegesichter ist lang. So ließen sich unter anderem die Ex-Fußballer Bastian Schweinsteiger, Oliver Kahn, Thomas Häßler, Stefan Effenberg und Ansgar Brinkmann von unterschiedlichen Sportwettenanbietern verpflichten. Auch Ex-Bundesliga-Profi Lukas Podolski und Schwimm-Olympiasiegerin Franziska van Almsick gaben Sportwetten-Kampagnen bereits ihr Gesicht.

Doch damit soll nun Schluss sein. Zu den Bedingungen der erstmals im September vergebenen Lizenzen für Sportwettenanbieter gelten die Regeln des geplanten GlüStV 2021. Dieser besagt unter anderem, dass „Werbung für Sportwetten mit aktiven Sportlern und Funktionären […] unzulässig“ ist.

Erste langjährige Werbepartnerschaften, wie die zwischen Bayern-Vorstand Kahn und Lizenznehmer Tipico oder Wettanbieter XTiP und Ex-Nationalspieler Podolski, wurden bereits öffentlich für beendet erklärt.

„Unmoralisch und heuchlerisch“?

Für viele Suchtexperten reicht das nicht. Sie sehen vor allem die Vereine und Verbände in der Verantwortung. Diese seien es, die den Glücksspiel-Anbietern weiterhin massive Werbemöglichkeiten zur Verfügung stellten. So erklärt der Glücksspielforscher Dr. Tobias Hayer dem Kölner Express gegenüber:

Ich verstehe nach wie vor nicht, dass die Bundesligisten mit einem Trikotsponsor rumlaufen können, der aus dem Sportwetten-Bereich stammt. Das passt nicht zum Zeitgeist. Alkohol, Nikotin, da ist die Werbung auf ein Minimum beschränkt, nur im Glücksspielbereich nicht (…) Es ist unmoralisch, heuchlerisch. Denn diese Partner passen nicht zu den Werten, die die Vereine verkörpern wollen.

Tatsächlich vergeben beispielsweise im Fußball nicht nur Vereine Werbeflächen auf Trikots und im Stadion an ihre Sponsoren aus der Glücksspielbranche. Auch DFL und DFB setzen auf die Zusammenarbeit mit den Wettanbietern. Letzterer soll Medienberichten zufolge pro Saison 50 Mio. Euro von Buchmacher Tipico erhalten.

Ilona Füchtenschneider vom Fachverband Glücksspielsucht findet, dass die sportlichen Akteure sich „gehörig schämen“ sollten. Sie geht davon aus, dass die Industrie jegliche Schlupflöcher, die der GlüStV 2021 bieten könnte, ausnutzen und ihre Werbemaßnahmen weiter ausbauen werde. Deshalb, so die Suchtexpertin, fordere ihr Verband ein absolutes Werbeverbot für Spotwetten.

Ob die veränderten Rahmenbedingungen des GlüStV 2021 breite gesellschaftliche Verbots-Diskussionen, wie es sie bereits seit langem in Ländern wie Großbritannien und Spanien gibt, auch in Deutschland anstoßen werden, wird das kommende Jahr zeigen.