Marktstudie: Glücksspiel in Spanien weitgehend akzeptiert

Veröffentlicht am: 22. Juni 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. Juni 2019, 05:46 Uhr.

Am Donnerstag erschien „Gambling and Society 2019“, die neuste Marktstudie von CeJuego, dem Branchenverband für private Glücksspielanbieter in Spanien.

Spanische Flagge
Glücksspiel wird in Spanien weitgehend akzeptiert. (Bild: pixabay.com)

Aus dem Bericht geht hervor, dass 2018 rund 29 Millionen Spanier, das entspricht etwa 85 % der Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren, in irgendeiner Form Glücksspiel betrieben hätten. Während der Wirtschaftskrise im Jahre 2014 belief sich der Anteil nur um 80,3 %. 2010 waren es noch 92,5 %.

Wer ist CeJuego?

Die Organisation CeJuego [Seite auf Spanisch] setzt sich für die Interessen des Glücksspielsektors ein. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Entwicklung des Glücksspiels in Spanien zu begleiten. Gleichzeitig soll sicheres und verantwortungsbewusstes Spiel gefördert werden.

Lotto ist das beliebteste Glücksspiel in Spanien

Lotterielos El Gordo
Die meisten Spanier kaufen an Weihnachten ein Lotterielos. (Bild: flickr.com)

Die beliebteste Form des Glücksspiels in der spanischen Gesellschaft sind nach der Erhebung die staatlichen Lotterieprodukte SELAE und ONCE. Etwa 25,5 Millionen Spanier sollen sich im vergangenen Jahr ein Los für die Weihnachtslotterie „El Gordo“ gekauft haben.

Die Weihnachtslotterie, die auch unter der Bezeichnung „Sorteo de Navidad“ bekannt ist, hat eine lange Tradition. Die meisten Spanier erwerben vor den Weihnachtsfeiertagen ein Los. Die erste Ziehung wurde vor über 100 Jahren im Jahre 1912 durchgeführt.

Rund 3 Millionen Erwachsene nahmen dem Bericht zufolge im Jahre 2018 einmal an einer Sofortlotterie teil. Allerdings scheint diese Kategorie des Glücksspiels ein großes Wachstum erfahren zu haben.

19,4 % der erwachsenen Spanier, also etwa 6,6 Millionen, waren 2018 an irgendeiner Form des landbasierten Glücksspiels beteiligt. Davon besuchten 3 Millionen Bingo-Hallen, 2 Millionen gingen in ein Casino, 1,8 Millionen spielten mit Spielautomaten in einer Bar und 1,5 Millionen platzierten in einem Wettbüro eine Sportwette.

Anteil der Online-Spieler Spieler eher niedrig  

Spielautomaten, Casino
Lotto ist in Spanien viel beliebter als das Automatenspiel. (Bild: casino.org)

Der Anteil der Spieler, die 2018 die Online Glücksspielangebote nutzten, war vergleichsweise niedrig.

Rund 1,5 Millionen Erwachsene spielten in irgendeiner Form online. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von nur 0,9 %.

Doch 55,7 % dieser Spieler nutzten dies dreimal oder seltener.

Nur rund 22,7 % galten mit 4 bis 8 Sitzungen im Online Casino als fortgeschrittene Nutzer. 21,5 % besuchten regelmäßig die Online Webseiten.

Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass der Anteil der Menschen mit problematischem Spielverhalten um 0,3 % liegt. Diese Zahl blieb in den letzten Jahren relativ konstant. Spanien gehört neben Frankreich, Deutschland, Norwegen und Schweden zu den fünf Nationen mit dem niedrigsten Anteil in dieser Kategorie.

Ein Sprecher von CEJUEGO sagte:

„Hinsichtlich der Spiele, die von private Anbietern betrieben werden, kommt die Analyse zu dem Schluss, dass sie ein engeres Publikum unterschiedlicher Generationen anziehen. Kunden gehören entweder zu der Gruppe, die aus Neugier spielt, oder zu der Gruppe, deren Hobby das Glücksspiel ist oder die sich zum Spiel mit Freunden und Bekannten treffen.“

Der Sprecher fügte hinzu, dass das Verhalten der Nutzer darauf hinweise, dass diese gelernt hätten, ihr Online Spiel zu rationalisieren, indem sie kürzere Sitzungen abhielten und die Ausgaben sich in moderatem Rahmen bewegten.

Wie sehen die Spanier das Glücksspiel?

500 Personen wurden zu ihrer Einstellung dem Glücksspiel gegenüber befragt. Davon gaben 92 % an, dass sie es als Freizeitbeschäftigung sähen und dass es sich nicht um ein Laster handele, das sozial unverträglich sei.

Das eingesetzte Geld werde nach Angaben der Befragten analog zum Preis angesehen, der beispielsweise für die Eintrittskarte zum Kino- oder Theaterbesuch bezahlt werden müsse. Rund ein Drittel der Spieler gab an, dass sie sich mit den Verlusten nicht weiter befassen. Nur 6 % der Spieler sagten aus, dass sie versuchten, verlorenes Geld zurückzugewinnen.

Bei Betrachtung der Studienergebnisse scheint es unverständlich, dass der spanische Bürgerbeauftragte Francisco Fernández Marugán von der Regierung verlangt haben soll, Werbung für Glücksspiele vollständig zu verbieten.