Entain-Chefin beklagt schlechten Ruf von Glücksspiel-Anbietern

Veröffentlicht am: 10. Januar 2022, 12:25 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. Januar 2022, 01:05 Uhr.

Jette Nygaard-Andersen, CEO des Glücksspielkonzerns Entain, hat in einem Interview mit der Sunday Times den schlechten Ruf der Branche in der Öffentlichkeit beklagt. Sie rief die Allgemeinheit dazu auf, die „unfaire“ Betrachtungsweise abzulegen.

Ladbrokes Wettbüro
Die Entain-Tochter Ladbrokes steht wegen staatlicher Zahlungen in der Kritik (Bild: Flickr/Lucy Fisher, CC BY 2.0)

Die Anbieter sollten stattdessen als normaler, verantwortungsbewusster Teil der Unterhaltungsbranche angesehen werden, betonte Nygaard-Andersen. In dem Interview erklärte die Entain-Chefin:

Es ist für mich sehr wichtig, dass unsere Kunden verstehen, dass uns ihre Sicherheit am Herzen liegt und dass sie uns als vertrauenswürdigen Unterhaltungsanbieter sehen.

Zugleich appellierte sie an die Politiker, bei der anstehenden Glücksspielreform keine zu harten Maßstäbe anzusetzen. Ansonsten bestünde die Gefahr, nicht lizenzierten Anbietern das Feld zu überlassen, warnte Nygaard-Andersen.

Im Dezember hatte der britische Glücksspielverband Betting and Gaming Council eine Studie [Seite auf Englisch] präsentiert, der zufolge die Zahl der Kunden von illegalen Anbietern in den letzten Jahren massiv zugenommen habe. Demnach seien die Nutzerzahlen der Schwarzmarkt-Betreiber von 210.000 im Jahr 2019 auf zuletzt 460.000 gestiegen.

Noch keine Entscheidung zu Coronahilfen

In einem weiteren Interview äußerste sich Nygaard-Andersen zu den Coronahilfen, die das Unternehmen in Anspruch genommen hat. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Entain-Marke Ladbrokes in den Jahren 2020 und 2021 staatliche Unterstützung in Höhe von 102 Mio. GBP (122 Mio. Euro) erhielt.

In Anbetracht der sprudelnden Einnahmen und Gewinne stößt dies in Großbritannien allerdings zunehmend auf Kritik. In einem Gespräch mit der Zeitung Telegraph äußerte sich die Entain-Vorsitzende in puncto Rückzahlung zurückhaltend:

Der Vorstand behält die Situation im Auge und wird dies auch weiterhin tun, aber es ist einfach noch zu früh.

Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern hat Entain in Bezug auf die Coronahilfen jedoch einen schweren Stand. So hat der im vergangenen Jahr vom US-Glücksspielkonzern Caesars Entertainment übernommene Rivale William Hill diese bereits zurückgezahlt. Konkurrent Flutter, der unter anderem die Buchmacher Paddy Power und Betfair betreibt, hatte vom Staat erst gar keine entsprechenden Hilfen beansprucht.

Somit dürfte in der Öffentlichkeit und vonseiten der Politik der Druck auf Entain weiter zunehmen, die dreistellige Millionensumme zurückzuzahlen. Noch ist nicht klar, ob und wann sich der Vorstand des Glücksspielriesen zu diesem Schritt durchringt.