Coronavirus schickt Glücksspiel-Aktien auf Talfahrt

Veröffentlicht am: 17. März 2020, 09:45 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. März 2020, 10:44 Uhr.

Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Aktien der börsennotierten Glücksspielanbieter zum Wochenanfang auf Talfahrt gegangen. Neben der Absage zahlreicher Sportveranstaltungen hat vor allem die Schließung von Casinos, Wettbüros und Spielhallen für Kurseinbrüche gesorgt.

Die US-Börse Wallstreet in New York
An den internationalen Börsen fielen die Wertpapiere großer Glücksspielanbieter. (Quelle: Pixabay)

Glücksspielkonzerne wie William Hill und GVC Holdings korrigierten gestern sogar ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr herunter. Die Aktienwerte der Unternehmen fielen daraufhin um jeweils mehr als 30 %.

William Hill-Aktie im freien Fall

Einer der größten Börsenverlierer im Glücksspielsektor war zum Wochenauftakt William Hill. Der britische Buchmacher hatte im Jahre 2019 seine Umsatzziele übertroffen, prognostizierte nun aber einen Umsatzrückgang zwischen 100 und 110 Millionen GBP (ca. 109 bis 120 Millionen Euro).

Hat sich Glücksspiel-Investor Fred Done verkalkuliert?

Der britische Glücksspielunternehmer Fred Done (CEO des Sportwettenanbieters Betfred) kaufte zu Beginn des Monats 874.189.537 William Hill-Aktien. Laut Done seien die Aktien stark unterbewertet gewesen. Vor allem William Hills USA-Expansion habe die Zeichen auf Wachstum gestellt. In der Corona-Krise könnte sich das Investment nun als Fehltritt erweisen.

Der Umsatzschwund sei vor allem Resultat gestrichener Sportwetten. Sie stehen mit den Spielabsagen in den meisten europäischen und nordamerikanischen Profisportligen in Zusammenhang. Allein im letzten Jahr generierte William Hill mit den Sportwetten 53 % seines Gesamtumsatzes.

Laut CEO Ulrik Bengtsson müsse William Hill den Blick jetzt in die Zukunft richten und Stabilisierungsmaßnahmen treffen:

„Wir ergreifen Vorkehrungen, um unsere operativen Fähigkeiten aufrechtzuerhalten, unsere Liquidität zu sichern und zu verbessern, und um sicherzustellen, dass wir in einer starken Position sind, um den vollen Betrieb wieder aufzunehmen, wenn der Sportkalender wieder normal ist.“

GVC Holdings sieht sich vor großen Herausforderungen

Mit hohen Umsatzeinbußen rechnet derzeit auch GVC Holdings, der Mutterkonzern des Sportwettenbetreibers bwin.

Durch den Ausfall von internationalen Sportereignissen rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von bis zu 150 Millionen GBP (ca. 163 Millionen Euro).

Sollten alle Wettbüros in Großbritannien schließen müssen, könnte dies GVC Holdings und seine Sportwetten-Ableger bis zu 50 Millionen GBP (ca. 54 Millionen Euro) monatlich kosten. GVC befinde sich allerdings in einer robusten Position und könne die Auswirkungen des Coronavirus managen, sagte GVC-CEO Kenny Alexander.

Das Heil im Online-Glücksspiel suchen?

Ob die Online-Glücksspiel-Angebote der Unternehmen die Verluste aus dem landbasierten Glücksspiel auffangen werden, ist ungewiss. Schließlich treffen die Spielabsagen nicht nur landbasierte Wettbüros.

Inwiefern Sparten wie Online-Poker und Online-Casino-Spiele die Lücken füllen können, dürfte sich in den nächsten Monaten zeigen.