Versicherungen um 134 Millionen USD betrogen: Apotheker verpulvert Gelder beim Glücksspiel

Veröffentlicht am: 11. März 2021, 01:52 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. März 2021, 04:14 Uhr.

Ein Apothekenbetreiber aus Houston, Texas, soll Krankenversicherungen um über 100 Mio. USD betrogen haben. Dies gab die zuständige Staatsanwaltschaft in dieser Woche bekannt. Mit den ergaunerten Geldern habe sich Mohammed M. einen luxuriösen Lebenstil geleistet, den er gern auch via Social Media geteilt habe. Ein großer Teil des Geldes sei ins Glücksspiel geflossen.

Medikamente
Von 134 ergaunerten Millionen soll der Apotheker 15 im Casino verspielt haben (Quelle:unsplash.com/National Cancer Institute).

134 Millionen in 7 Jahren

Am Dienstag hatte ein Großaufgebot des FBI die Villa von Mohammed M. gestürmt und den Apothekenunternehmer abgeführt. Wie die Bundesanwaltschaft des Southern District of Texas mitteilt [Link auf Englisch], werden dem 56-Jährigen unter anderem Versicherungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen. Gemeinsam mit einem ebenfalls festgenommenen Komplizen soll er Krankenversicherungen um schwindelerregende Beträge gebracht haben.

So sei es dem Beschuldigten zwischen Dezember 2013 und März 2020 gelungen, das öffentliche Gesundheitssystem und private Versicherungen mithilfe falscher Angaben insgesamt um 134 Mio. USD zu erleichtern.

Im Zentrum des Betrugs habe das Unternehmen des Mannes gestanden, das mehrere Apotheken in Texas und Florida betreibt. Per eigenem Callcenter seien US-weit betagte Versicherungsnehmer kontaktiert worden, um ihnen laut Anklageschrift „unnötige medizinische Versorgung“ zu vermitteln.

In den USA ist die sogenannte kalte Akquise am Telefon, also Werbeanrufe ohne vorherige Zustimmung des Adressaten, im Gegensatz zu Deutschland nicht per se verboten, jedoch nur innerhalb bestimmter Grenzen erlaubt. Unter anderem dürfen Firmen „Cold Calls“ nur zwischen 8 und 21 Uhr tätigen und müssen den Angerufenen die Möglichkeit geben, sich auf eine verbindliche interne Sperrliste setzen zu lassen. Weiterhin sind sie gesetzlich verpflichtet, am Telefon die Wahrheit zu sagen.

Obwohl die Anfragen meist abgelehnt worden seien, habe die Firma den Versicherungen die Kosten in Rechnung gestellt. Auch Ärzten seien per Fax Rezeptanträge zugesandt worden, die nie von Patienten autorisiert worden seien. Teils seien derart gewonnene Rezepte sogar nach dem Tod von Versicherungsnehmern in den Apotheken scheinbar eingelöst worden.

Privatjets und wilde Partys

Medienberichten zufolge soll der Geschäftsmann vor seiner Festnahme durch einen dekadenten Lebensstil aufgefallen sein. Auf einem mittlerweile nicht mehr erreichbaren Instagram-Account habe er mit Luxuswagen und Privatjets posiert. In seiner wohlhabenden Gated Community habe er wiederholt mit ausufernden Partys für Unmut gesorgt. So erklärte ein Nachbar dem Nachrichtenportal abc13 gegenüber:

Ich habe mich rund zwei Jahre lang mehrfach über diese Leute beschwert. Wir haben unzählige Male wegen ihnen die Polizei gerufen.

Den Hang zum Luxus beschreibt explizit auch die Mitteilung der Bundesstaatsanwaltschaft. So habe Mohammed M. mit den ergaunerten Geldern unter anderem Hypotheken in Höhe von 1,5 Mio. Euro bedient und rund 200.000 Euro in einen Bentley und einen Ferrari investiert. Den Löwenanteil der Gelder habe er jedoch ins Glücksspiel und Aufenthalte in Casinos gesteckt. 15 Mio. USD, so die Schätzung, sollen so in den sieben Jahren verpulvert worden sein.

Am heutigen Donnerstag soll die erste Anhörung in dem Fall vor Gericht stattfinden. Bei einer späteren Verurteilung drohen Mohammed M. bis zu 20 Jahre Haft.