Nach Aussage zu Spiel­manipulation: BVB-Fußballer Bellingham zieht Bilanz

Veröffentlicht am: 5. June 2022, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. June 2022, 04:18 Uhr.

Im vergangenen Dezember sorgte der BVB-Mittelfeldmann Jude Bellingham für Furore. Er hatte Schiedsrichter Felix Zwayer nach dem 2:3 gegen die Bayern öffentlich mit dem Spielmanipulations-Skandal von 2005 in Verbindung gebracht. Nun sprach der 18-jährige englische Nationalspieler mit dem US-Sender CNN darüber, wie er die Zeit danach erlebte.

Jude Bellingham auf Fußballplatz
Jude Bellingham gab CNN in dieser Woche ein ausführliches Interview. (Quelle: shutterstock)

Außerdem thematisierte Bellingham das hohe Maß an Rassismus, mit dem er als nicht-weißer Sportler konfrontiert ist.

„Emotionen besser kontrollieren“

Mit seiner rhetorischen Frage, was von einem Spiel zu erwarten sei, bei dem ein bereits durch Spielmanipulation aufgefallen Schiedsrichter eingesetzt werde, entzündete Jude Bellingham im vergangenen Winter einen medialen Flächenbrand.

Der DFB rügte die Aussage als unsportlich und verhängte eine Geldstrafe von 40.000 EUR gegen den Borussia-Spieler.

Heute sagt der 18-Jährige, dass ihm die Geschehnisse eine Lehre gewesen seien. So erklärte er in dieser Woche zur Entscheidung der Verantwortlichen dem CNN gegenüber:

Sie waren sehr schnell zur Stelle, um mir meine Strafe aufzuerlegen und in den Medien ein großes Drama daraus zu machen. Daraus habe ich gelernt. Ich weiß, was ich sagen kann und was nicht. Ich weiß, dass ich meine Emotionen manchmal besser kontrollieren muss.

Dennoch, so der 18-Jährige, sei schwer zu verstehen, warum sein Fall mit dieser enormen Energie verfolgt worden sei, wenn zugleich er und viele weitere Spieler in einer anhaltend schweren Situation gefangen seien.

Rassismus-Problem nicht ausreichend adressiert

Es sei nicht klar, ob den Verantwortlichen der Rassismus, mit dem die Spieler konfrontiert seien, egal sei. Vielleicht, so der Sportler CNN gegenüber [Seite auf Englisch], sei es an den Betroffenen selbst, ihre Botschaft nach außen zu tragen:

Rassismus … Ich habe das Gefühl, dass das eine dieser Sachen ist, die nie verschwinden werden. Ich denke, es gibt Leute an der Macht, die mehr Verantwortung in diesem Kampf übernehmen könnten. Und ich glaube nicht, dass sie es tun.

Der Ignoranz-Vorwurf treffe natürlich jeden. So bringe beispielsweise England-Nationaltrainer Gareth Southgate das Thema immer wieder auf die Tagesordnung und positioniere sich öffentlich gegen Rassismus. Bellingham selbst finde derweil nach fast jedem Spiel rassistische Nachrichten in seinen Postfächern.

Im vergangenen Herbst war der ungarische Fußballverband MLSZ mit einer Geldstrafe von 200.00 EUR belegt worden, nachdem Bellingham und sein Mannschaftskamerad Raheem Sterling beim WM-Qualifikationsspiel Ungarn gegen England in Budapest mit Affenlauten bedacht worden waren.

Die Erfahrungen des Kickers decken sich mit einer ebenfalls in dieser Woche veröffentlichten Studie [Seite auf Englisch] zum Umgang mit Fußball- und Basketball-Profis auf Social-Media-Plattformen.

Die Forscher hatten Analyse Hunderte von Nachrichten analysiert, die die Adressaten auf rassistische, homo- und/oder frauenfeindliche Art bedrohten und beleidigten. Besonders betroffen hiervon seien Frauen und nicht-weiße Personen. Aber auch wer öffentlich Solidarität zeige und progressive Ansichten vertrete, werde schnell zum Ziel der Online-Attacken.