BVB-Chef: Morddrohungen gegen Schiri nach Spiel­manipulations-Vorwurf „ekelhaft“

Veröffentlicht am: 19. January 2022, 12:02 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. January 2022, 12:02 Uhr.

Vor einigen Wochen sorgte BVB-Fußballer Jude Bellingham mit Match-Fixing-Äußerungen in Bezug auf einen Offiziellen für Schlagzeilen. Nach für seine Mannschaft unerfreulichen Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer hatte der Engländer diesem vorgeworfen, in der Vergangenheit in Spielmanipulationen verwickelt gewesen zu sein. In einem Format des Senders Sky spricht Zwayer nun über die Vorwürfe und ihre Folgen. So sei es im Internet zu Ausfälligkeiten bis hin zu Morddrohungen gekommen. BVB-Chef Michael Zorc verurteilte die Anfeindungen scharf.

Mensch zielt mit Pistole auf Betrachter
Unbekannte drohten online, Zwayer und seine Familie zu erschießen (Quelle:unsplash.com/Max Kleinen)

Schiedsrichter Zwayer gibt Einblicke in Privatleben

Im Gesprächs-Format „Meine Geschichte“ lässt Sky Sport regelmäßig deutsche Sportprominenz zu Wort kommen. Nach Größen wie NBA-Star Dennis Schröder, Fleischproduzenten und Ex-Schalke-Boss Claus Tönnies oder Nationalspieler Marco Reus gewährt nun auch der derzeit nicht mehr aktive Schiedsrichter Felix Zwayer intimen Einblick in Karriere und Privatleben.

Die „Meine Geschichte“-Folge mit Zwayer soll ab dem kommenden Freitag in voller Länge abrufbar sein. Bereits jetzt veröffentlichte Sky Ausschnitte der Sendung, in denen sich der 40-Jährige zu dem neu entfachten Rummel um seine Person äußert.

Offenbar im heimischen Wohnzimmer erklärt ein sichtlich erschütterter Zwayer, wie es ihm und seiner Familie nach den schlagzeilenträchtigen Äußerungen von BVB-Spieler Bellingham ergangen ist:

Auf meinem dienstlichen E-Mail-Account sind zahlreiche Nachrichten eingegangen, die unglaublich sind, mit denen es sehr, sehr schwer ist, umzugehen, sie auch zu ignorieren. Ich wurde angeschrieben von der Berliner Polizei, dass eine Morddrohung existiert gegen mich im Internet.

Sky-Moderator Riccardo Basile zitiert sinngemäß aus besagtem Schreiben, in dem die Polizei den Schiri auf massive Beleidigungen aufmerksam mache. Darüber hinaus werde dem Schiedsrichter damit gedroht, ihn und seine Familie “zu erschießen”.

Diese Ereignisse seien ihm sehr nah gegangen, so der emotional sichtbar angefasste Zwayer. Die Situation sei auch mit Blick auf die Sorge, die sich seine Frau gemacht habe, oft nur sehr schwer auszuhalten gewesen.

Zorc zeigt sich entsetzt über Morddrohungen

BVB-Sportdirektor Michael Zorc äußerte sich gestern vor dem für seine Mannschaft verheerenden DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC St. Pauli zu den Ausführungen des Schiedsrichters. Im Sky-Interview am Millerntor fand Dortmund-Chef Zorc klare Worte für das Gebaren der Verantwortlichen im Internet. Dieses sei „ekelhaft und in keiner Weise zu tolerieren oder zu rechtfertigen“.

Die teils massiven Anfeindungen gegen Felix Zwayer hatten nach dem Bundesliga-Spitzenspiel Dortmund gegen Bayern am 4. Dezember 2021 Fahrt aufgenommen. Nach aus Sicht des BVB falschen Entscheidungen des Berliner Unparteiischen endete das Spiel für die Borussen mit einer Niederlage von 2:3.

In einem anschließenden Interview mit einem norwegischen Sender hatte BVB-Stürmer Jude Bellingham die rhetorische Frage gestellt, was schon zu erwarten sei, wenn die wichtigste Begegnung im deutschen Fußball von einem Schiedsrichter geleitet werde, der bereits zuvor Spiele manipuliert habe.

Im Jahr 2014 hatten Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit hervorgebracht, dass auch die Rolle Zwayers im Spielmanipulationsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer Mitte der 2000er Fragen aufgeworfen habe. So habe der DFB im Jahr 2006 geurteilt, dass sich Zwayer in diesem Rahmen „grob sportwidrig“ verhalten habe und ihn mit einer sechsmonatigen Sperre belegt. Hinweise, dass er tatsächlich an Spielmanipulationen beteiligt gewesen sei, habe es laut dem Verband nicht gegeben.

Auf die Frage, ob es in Anbetracht der Ereignisse nun seitens Dortmund an der Zeit sei, Zwayer gegenüber versöhnliche Töne anzuschlagen, entgegnete Zorc, dass die Sache für den BVB „erledigt“ sei. Seinen Ausführungen zufolge bestehe nach den ersten Reaktionen Zwayers kein gesteigertes Interesse daran, mit ihm in den persönlichen Dialog zu treten.

Auch was der 18-jährige Bellingham zu einem solchen beitragen könne, erschließe sich ihm nicht. Ungeachtet dessen und in Anbetracht der aktuellen Situation, so Zorc letztlich auf erneute Nachfrage des Reportes, stehe Borussia Dortmund als Verein natürlich immer für ein Gespräch bereit.