Belgien: Staatliche Lotterie und Sportwetten werden getrennt

Veröffentlicht am: 13. Juni 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. Juni 2021, 01:08 Uhr.

Der staatliche Lotteriebetreiber Belgiens, Loterie Nationale, bietet seine Sportwetten-Produkte ab sofort auf einer gesonderten Webseite an. Wie die Zeitung L’Echo am Donnerstag berichtete [Seite auf Französisch], greife die Lottogesellschaft damit einer anstehenden Verschärfung des Glücksspielgesetzes voraus.

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Belgiens staatliche Online-Sportwetten ab sofort vom Lotto getrennt (Bild: Scooore.be)

Die Sportwetten-Kunden der Lotterie hätten ihre Tipps bisher auf der Haupt-Lotto-Webseite e-lotto.be abgeben können. In der einstigen Sportwetten-Sparte der Webseite befindet sich nun ein Link zum neuen staatlichen Sportwetten-Portal scooore.be.

Die Abspaltung der Produktsparte sei beschlossen worden, weil die belgische Regierung eine maßgebliche Änderung des Online-Glücksspielgesetzes vorbereite. So sollen Anbieter künftig nur noch eine Glücksspiel-Art pro Webseite und Domain-Name anbieten dürfen.

In Belgien sind die meisten Arten des Online-Glücksspiels grundsätzlich legal. Zum einen dürfen die neun konzessionierten Spielbanken des Landes je auf einer Webseite ein entsprechendes Online-Casino betreiben. Darüber hinaus erteilt die belgische Glücksspielaufsicht, Commission des Jeux de Hasard, auch Konzessionen für Online-Spielhallen. Die derzeit 30 Lizenznehmer dürfen auf ihren Webseiten ebenfalls Spielautomaten, Tischspiele und Poker anbieten. Online-Sportwetten hingegen sind neben der Webseite der staatlichen Lotterie auch auf den Seiten von 24 privaten Anbietern möglich.

Die Maßnahme solle den Spielerschutz erhöhen, indem Spieler nicht mehr per Mausklick zwischen Casinospielen, Sportwetten und Co. hin und her wechseln können. Stattdessen würden sie bald für jedes Produkt ein gesondertes Kundenkonto benötigen.

Das Online-Glücksspiel solle so allgemein mehr an das landbasierte Glücksspiel angeglichen werden. Schließlich seien auch Casinos, Spielhallen, Wettbüros und Lottostellen physisch voneinander getrennt, heißt es in der Argumentation.

Auf alle Eventualitäten vorbereitet

Obwohl die Regierung die Gesetzesänderung noch nicht beschlossen habe, sei die Lotterie sicher, dass dies nur eine Frage der Zeit sei. Schließlich habe die Mehrheit der Parlamentarier dem Entwurf zuletzt ihre Zustimmung signalisiert.

Es sei daher einfacher, eine Produkte-Trennung schon jetzt und in Ruhe vorzunehmen, als bei Inkrafttreten eines neuen Gesetzes plötzlich zum Handeln gezwungen zu sein. Auf diese Weise wolle die Lotterie auch als gutes Beispiel vorangehen. In einem Statement heißt es:

Wir müssen uns gegenüber dem Privatsektor als Vorbild präsentieren und das tun wir, indem wir die Aktivitäten, die Adressen und die Marken jetzt voneinander trennen.

In Bezug auf die Lizenzierung scheint es bei der Neuerung keine Hindernisse gegeben zu haben. So führt die belgische Glücksspielaufsicht aktuell bereits beide Webseiten der Lotterie mit unterschiedlicher Lizenznummer in der Liste ihrer aktuellen Lizenznehmer auf.

Sollte die Änderung am Glücksspielgesetz tatsächlich verabschiedet werden, müssten auch einige der anderen Lizenznehmer ihre Produkte neu ordnen. So verfügen beispielsweise derzeit die Markten bwin und Unibet über Konzessionen für mehrere Arten von Glücksspiel, die jedoch von derselben Hauptseite aus zugänglich sind.