In Großbritannien wurde gestern eine TV-Werbung des Pokergiganten PokerStars verboten. Dies hat die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA (Advertising Standards Authority) entschieden. Der Werbespot darf nicht weiter im Fernsehen gezeigt werden. Als Grund nennt die ASA fehlende Sozialverantwortung seitens PokerStars.

Pokerspieler mit Karten und Chips beim Spielen

Ein Werbespot von PokerStars darf nicht weiter gezeigt werden. (Bild: youtube.com)

PokerStars darf nicht länger mit Bluffen werben

In dem 57-sekündigen Clip erzählt PokerStars die Geschichte eines jungen Mannes, der zu Hause mit seinen Freunden eine Runde Poker spielt. Er wirft zunächst einen Blick auf seine Hand, die mit einer 8 und einer 3 sehr schlecht ausgefallen ist. Dann überlegt er, was er tun soll und eine Stimme aus dem Off sagt:

„Das ist sie, die Situation, in der ein Bluff deine einzige Möglichkeit ist, zu gewinnen. Du bist nervös, Kleiner, aber das ist völlig normal. Denk mal nach. Denk an all die Lügen, die du dir selbst erzählt hast und mit denen du gut leben kannst. An deine Klimmzugstange, die immer noch darauf wartet, dich in Form zu bringen, denk an den Schreibtisch, den du seit drei Jahren am kommenden Sonntag aufbauen willst, denk an das Buch, das dreimal mit dir um die Welt gereist ist, ohne jemals deinen Koffer verlassen zu haben. Fühlst du dich schon besser, Kleiner? Los geht’s, Meister des Bluffens!“

Die Stimme zählt weitere Situationen auf, in denen der Spieler sich selbst belogen hat. Sein Gesicht hellt sich immer weiter auf und mit einem Lächeln schiebt er schließlich seine gesamten Chips in die Mitte. Seine Freunde schauen ihn verdutzt an, während der junge Mann verschmitzt und wissend in die Runde lächelt. Der Spot endet mit dem Satz: „PokerStars. Du bist schon jetzt ein erstklassiger Pokerspieler.“

Behörde kritisiert Leichtsinnigkeit und fehlende Sozialverantwortung

Die oben beschriebene Darstellung des Bluffens beim Pokerspielen fiel bei der zuständigen Aufsichtsbehörde ASA jedoch durch. Nachdem sie zwei Beschwerden erhalten hatte, leitete sie eine genauere Untersuchung des Spots ein. In der Folge äußerte die Werbeaufsicht Kritik an dem fehlenden Bewusstsein für Sozialverantwortung seitens PokerStars. So werde durch den Spot nahegelegt, dass unerfahrene Spieler beim Poker allein durch Bluffen eine große Summe Geld gewinnen könnten. Wenn sie im echten Leben gut bluffen könnten, so würde ihnen dies auch beim Spielen zum großen Gewinn verhelfen.

Zwar erkenne man Bluffen als wichtigen Bestandteil des Pokerspiels an, so die ASA, doch der Werbespot stelle das Bluffen in einer Art und Weise dar, die Spielern „finanzielle Probleme“ zufügen könne.

PokerStars verteidigt sich

PokerStars hat bereits auf das Urteil der ASA reagiert. So verweist das Unternehmen unter anderem darauf, dass ganz bewusst kein Geld und kein Gewinn im Spot gezeigt würden:

„Die Werbung sollte eine private, entspannte Runde zeigen. Es gab keinen Hinweis und keine Andeutung auf einen finanziellen Anreiz zum Spiel und im gesamten Clip wurde kein Geld gezeigt. Als die Stimme gesagt hat, dass ein Bluff der einzige Weg zum Sieg sei, dann hat sich dies lediglich auf die Hand des Protagonisten bezogen und nicht auf eine beliebige Hand im Spiel.“

Auch sei im Spot klar eine humoristische Herangehensweise erkennbar. Der Spieler stehe im Mittelpunkt und seine speziellen Fähigkeiten im Alltagsleben könnten ihm beim Pokern helfen. Trotz der Stellungnahme von PokerStars blieb die ASA bei ihrem Urteil. Der Spot darf nicht weiter im TV gezeigt werden.