Australisches Casino verklagt High Roller auf 43 Millionen Dollar

Veröffentlicht am: 30. März 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. März 2019, 07:14 Uhr.

Das Star Gold Coast Casino im australischen Queensland verklagt einen Geschäftsmann (55) aus Singapur auf 43,2 Millionen Australische Dollar. Der High Roller hatte sich den Betrag bei einem Besuch auf Einladung der Spielbank von der Bank des Casinos geliehen. Zurückzahlen möchte er das am Baccarat-Tisch verlorene Geld nicht: Der Dealer sei schuld an den Verlusten gewesen.

Gold Coast Australien
Der Mann aus Singapur hatte an der australischen Gold Coast Millionen verloren (Quelle:pxhere, licensed under CC0)

Die Betreiberfirma des Star Gold Coast hat in Singapur Klage gegen einen ehemals hochwillkommenen Gast des Hauses eingereicht. Umgerechnet rund 27,3 Millionen Euro (43,2 Millionen Australische Dollar) soll der High Roller dem Casino schulden. Den Scheck, den er zur Sicherheit hinterlegte, habe der Geschäftsmann platzen lassen.

„Glücksgeld“ als Willkommensgeschenk

Der Mann aus Singapur wird von seiner Verteidigung als hochrespektierter und gern gesehener Casinogast beschrieben. Er komme oft in den Genuss von Einladungen aus der ganzen Welt und großzügigen Zugeständnissen seitens der Casinobetreiber, so sein Anwalt. Die geforderte Summe werde er definitiv nicht zahlen:

Herr W. wird den Singapur-Fall aus Prinzip anfechten und plant, seine Entscheidung, die Zahlung zu verweigern, voll und ganz zu verteidigen.

Auch das Star Gold Coast Casino machte im Werben um den Spieler im Juli 2018 keine Ausnahme: Um dem für seine schwindelerregenden Einsätze bekannten Singapurer den Trip an die australische Ostküste so angenehm wie möglich zu gestalten, wurde ihm die Anreise im Privatjet angeboten.

Neben dem Aufenthalt in einer Suite umfasste das VIP-Programm für den betuchten Gast auch die Übergabe von 200.000 Australischen Dollar. „Glücksgeld“, wie der Geschäftsmann in seinem Statement angab.

Ein Blankoscheck als Sicherheit

Kurz nach seiner Ankunft an der Gold Coast ließ sich der Spieler vom Casino Chips im Wert von 40 Millionen Australischen Dollar (umgerechnet ca. 25,3 Millionen Euro) auszahlen. Geld brauchte er auch hierfür nicht:

Zur Sicherheit diente ein unterschriebener und auf Deckung geprüfter Blankoscheck, ausgestellt auf das Star Gold Coast Casino. Wenige Tage später wurde der Kreditrahmen um weitere 10 Millionen Australische Dollar erweitert.

Der Begriff High Roller bezeichnet Personen, die beim Glücksspiel besonders hohe Einsätze platzieren. Wörtlich übersetzt bezieht sich der „hohe Roller“ auf jemanden, der die Würfel beim Glücksspiel im kraftvollen hohen Bogen wirft.

Waren bis hierher alle mit dem Verlauf des Besuchs zufrieden, herrscht über die Geschehnisse ab dem 26. Juli 2018 offenkundig eine so große Uneinigkeit, dass sie nun vor Gericht geklärt werden muss:

Laut Angabe des Beklagten habe der Dealer am Baccarat-Tisch Fehler begangen, als der High Roller gespielt habe. Aufgrund dieser Unannehmlichkeiten habe er sich eigentlich entschieden, sein Spiel bis zum 29. Juli auszusetzen, so der 55-Jährige.

Am folgenden Tag sei es der Casinoleitung aber gelungen, ihn davon zu überzeugen, erneut Einsätze beim Baccarat zu platzieren.

Keine Haftung für Spielverluste?

Im Zuge dieser Vereinbarung habe er klargemacht, nur weiterzuspielen, sollten solche Probleme künftig nicht mehr auftreten. Bei Verlusten aufgrund von Fehlern der Angestellten sei er nicht bereit, für diese aufzukommen, gab der Geschäftsmann zu Protokoll.

Baccarat Set
Der Fehler habe beim Baccarat-Dealer gelegen, so der High Roller (Quelle:Roland Scheicher, public domain)

In einer schriftlichen Erklärung habe das Casino sowohl die begangenen Fehler eingeräumt als ähnliche Vorkommnisse unter Garantie ausgeschlossen.

Bei seiner Rückkehr an den Baccarat-Tisch, habe er allerdings feststellen müssen, dass der Dealer nach wie vor den bemängelten Fehler machte. Daraufhin habe er das Spiel endgültig eingestellt.

Nach seiner Rückkehr nach Singapur habe er dann seine Bank kontaktiert und den Scheck sperren lassen, schließlich habe er dem Casino laut zuvor getroffener Vereinbarung nichts geschuldet.

Ein schlechter Verlierer?

Ganz offensichtlich wich die Einschätzung der Situation des Casinos von der des Gastes ab: Die Spielbank füllte die Leerstelle auf dem hinterlegten Blankoscheck mit dem vermeintlich ausstehenden Betrag von 43,2 Millionen Australischen Dollar und reichte ihn ein. Vergebens, der Scheck war nicht mehr einzulösen.

Details dazu, welche Fehler am Baccarat-Tisch des Star Gold Coast genau begangen worden sein sollen, sind nicht bekannt. Auch die Antwort auf die Frage, ob es sich bei dem High Roller aus Singapur wohl eher um einen Kämpfer für Gerechtigkeit oder einen schlechten Verlierer handeln könnte, ist bislang offen.

Feststeht hingegen schon jetzt, dass die Frage nach den über 40 Millionen Dollar sowohl den Spieler als auch das Casino imagetechnisch teuer zu stehen kommen dürfte.