Amoklauf im EA-Turnier-Livestream: 24-jähriger Gamer erschießt zwei Menschen und tötet sich selbst

Veröffentlicht am: 27. August 2018, 01:33 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. September 2018, 05:58 Uhr.

Bei einem Turnier des Gamingriesen EA-Sports kam es am Sonntag in den USA zu einem Amoklauf mit drei Toten und elf Verletzen. Der 24-jährige Täter hat sich das Leben genommen. Die Tat wurde in einem Livestream im Internet übertragen.

Schock in Jacksonville: Schießerei im Einkaufszentrum (Quelle:t-online.de)

Die Stadt Jacksonville im US-Bundesstaat Florida steht unter Schock: Nur drei Tage nach einem ähnlichen Vorfall während eines High School Football-Spiels kam es am Sonntag während eines eSports-Turniers zu einem schweren Attentat.

Der Täter tötete zwei Menschen mit einer Schusswaffe und verletzte neun weitere zum Teil schwer. Im Anschluss richtete der Mann die Waffe gegen sich selbst und starb noch am Tatort.

Jacksonville: Idylle für Sportler

Eigentlich steht das im Nordosten Floridas gelegene Jacksonville für Spaß und Entspannung. Neben einer Vielzahl von Kulturinstitutionen laden der Atlantik und die vorgelagerten Inseln zum Baden und Surfen ein.

In der Umgebung locken etliche Golfplätze Einheimische und Touristen. Der TPC Sawgrass am Ponte Vedra Beach liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist der Hauptsitz der PGA Tour, der wichtigsten Golftour der Vereinigten Staaten.

Neben den konventionellen Sportarten hat auch der eSport seinen festen Platz in Jacksonville gefunden.

Im Einkaufs- und Freizeitzentrum „The Jacksonville Landing“ lud die GLHF (Get Lucky – Have Fun) Sportsbar seit Samstag zu den ersten zweitägigen Vorausscheidungen der EA Madden 19 Playoffs ein.

Neben einem Preisgeld von 5.000 Dollar spielten die Teilnehmer um den Einzug in die Madden NFL Championship Series. Die Endausscheidungen finden vom 11.-13. Oktober in Las Vegas statt, dem Sieger winkt dort eine Prämie von 165.000 Dollar.

EA Sports hatte das nach dem Hall of Fame Ausnahmefootballer John Madden benannte Game 1988 auf den Markt gebracht. Seit 1990 werden jährlich aktuelle Versionen des Football-Bestsellers vorgestellt.

Unsichere Lage nach Notrufen

Nachdem erste Notrufe aufgrund einer Schießerei im „The Landing“-Einkaufszentrum eingegangen waren, gab das Jacksonville Sheriff`s Office am Sonntagnachmittag (Ortszeit) eine Warnung für die gesamte Innenstadt heraus.

Das Gebäude war weiträumig abgeriegelt worden, ein SWAT-Team kam zum Einsatz.

Die Polizei wandte sich über Twitter direkt an die im Gebäude befindlichen Menschen: Man solle in Deckung bleiben, schrieb das Sheriff`s Departement. Die Einsatzkräfte würden die Versteckten rausholen und in Sicherheit bringen.

Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich um einen oder zwei Attentäter gehandelt hatte. Man zog die Möglichkeit in Betracht, dass ein zweiter bewaffneter Attentäter auf der Flucht sein könnte.

Gegen 01:45 Uhr deutscher Zeit kam dann die Entwarnung auf der offiziellen Pressekonferenz: Die Gefahr war gebannt, der 24-jährige Einzeltäter hatte sich selbst erschossen.

Täter war erfolgreicher eSportler

Mittlerweile ist offiziell bestätigt, dass es sich bei dem Attentäter um David Katz handelte, einen 24-Jährigen, der für das Turnier extra aus Baltimore im Bundesstaat Maryland angereist sei.

Attentäter Katz
David Katz 2017 als Sieger eines Madden-Turniers (Quelle:Twitter)

Katz, der sich als Madden NFL- Spieler bereits einen Namen gemacht hatte, war u.a. unter den Nicknames Bread, mrslicedbread, ravenschamp und ravens2012champ in Erscheinung getreten.

Im Februar 2017 hatte Katz die Madden Bills Championship für sich entschieden.

Das Haus, in dem Katz mit seinem Vater in Baltimore lebte, wurde am Sonntagabend (Ortszeit) durchsucht, wie ein FBI-Sprecher bestätigte.

Schießerei als Reaktion aufs Ausscheiden?

Laut Augenzeugen sei er am Sonntag während des Turniers ausgeschieden und hätte daraufhin gegen 13:30 Uhr (Ortszeit) das Feuer eröffnet.

Laut Polizeiangaben habe Katz eine großkalibrige Feuerwaffe genutzt. Mit dieser habe er um sich geschossen und dabei zwei Menschen getötet. Neun Personen erlitten Schussverletzungen, zwei weitere verletzten sich bei der Flucht und wurden ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert.

Zeugen erinnern sich: David Katz – seltsamer Einzelgänger

Javaris Long, ein weitere Spieler, der im GLHF anwesend war, sagte der Tampa Bay Times, der Verdächtige sein ein „Nerd“ gewesen. Nach seinem Aus bei der Qualifikation sei er wütend zum Auto gestürmt und mit einer Waffe zurückgekehrt. Dann habe er begonnen, „alles wegzuballern“.

Im Bundesstaat Florida kam es im Februar 2018 an einer Schule in Parkland zu einer großen Massenschießerei. Der 19-jährige Nikolas Cruz hatte an seiner ehemaligen Schule, der Marjory Stoneman Douglas Highschool, 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen. Im Anschluss kam es US-weit zu den größten Anti-Waffen-Kundgebungen und Demonstrationen der Geschichte der USA.

Der „March for our lives“ (dt. „Marsch für unsere Leben“) bildete am 24.März den Höhepunkt der vor allem von Schülern und Studenten ins Leben gerufenen Proteste. Bei der Hauptveranstaltung in Washington D.C. kamen mehrere Hunderttausend Menschen zusammen, um gegen die Waffenpolitik der Regierung und die Waffenvereinigung der USA (NRA) zu protestieren.

Ein weiterer Augenzeuge erklärte im Interview mit dem Sender CBS, Katz habe sich das gesamte Wochenende über seltsam verhalten. So habe er mit niemandem gesprochen und dem Zeugen, nachdem er von ihm geschlagen worden sei, den Handschlag verweigert.

Der Zeuge führte weiter aus, Katz habe gewirkt, als habe er sich seine Opfer gezielt ausgesucht. Der Zeuge selbst und ein weiterer Spieler, gegen den Katz verloren habe, seien aber nicht in sein Visier geraten.

Schreie und Schüsse im Livestream

Das Turnier wurde über die Gaming Plattform Twitch live im Internet übertragen: Als zwei Spieler sich über einen Touchdown unterhalten, erklingen ploppende Geräusche. Als weitere Schüsse zu hören sind, hört man Controller auf den Boden fallen und Menschen in Panik schreien und davonlaufen.

Auf den letzten unbewegten Bildern des Turniers ist ein Laserstrahl zu erkennen, der mutmaßlich von einer Zielhilfe herrührt.

Ob der Attentäter die Tat geplant habe und welche Motive er hatte, ist zurzeit noch völlig unklar. Auch ob er seine Opfer persönlich kannte oder die Waffe legal besessen habe, müsse noch geprüft werden, gaben die Behörden gegenüber Pressevertretern an.

Trump schweigt zu Vorfall in Jacksonville

Der bereits wegen seiner Haltung zu Fragen der Waffengesetzgebung in den USA in der Kritik stehende US-Präsident Donald Trump wurde über die Schießerei informiert, hat sich aber bisher nicht zu den Ereignissen geäußert.

Seine Tochter Ivanka Trump veröffentlichte einen Tweet, in dem sie ihr Beileid bekundete.

This is a horrible situation, and our deepest sympathies go out to all involved.

Der Veranstalter EA-Sports veröffentlichte umgehend nach Bekanntwerden der Fakten eine Beileidsbekundung: “Dies ist eine schreckliche Situation und unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen”, hieß es auf Twitter.