Aktienkauf statt Glücksspiel: US-Börsenexperten entdecken neues Anlegerverhalten

Veröffentlicht am: 2. Mai 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 30. April 2020, 12:39 Uhr.

Börsenexperten haben in dieser Woche von einem neuen Phänomen auf den US-Aktienmärkten berichtet. Sie gehen davon aus, dass Menschen, die sich sonst dem Glücksspiel widmen, als Ersatz auf den Aktienkauf zurückgreifen würden. Dies führe zu einem ungewohnten Anstieg risikoreicher Käufe an der Börse.

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US-Börsenexperten vermuten, dass Neueinsteiger Glücksspiel mit Aktienkäufen ersetzen. (Bild: Pixabay/272447)

Risikoreiche Aktien als Ersatz fürs Glücksspiel?

Volatile Aktienmärkte neigen aufgrund ihres Risikoreichtums dazu, Privatanleger abzuschrecken. Nun haben die Experten des Analyse-Dienstes DataTrek Research jedoch festgestellt, dass Aktien wie Aurora Cannabis und Ford sich plötzlich großer Beliebtheit erfreuen. Diese hätten zwei Dinge gemeinsam: ihre Kurse seien extrem schwankend und sie seien billig.

Volatile Aktien sind Aktien, deren Kurs großen Schwankungen unterworfen ist und somit innerhalb von wenigen Tagen ein ständiges Auf und Ab erlebt. Aktien mit hoher Volatilität gelten hinsichtlich ihrer Kursentwicklung als unberechenbar und risikoreich. Der volatile Aktienmarkt wird daher von Einsteigern und Privatanlegern in der Regel gemieden.

Jessica Rabe von DataTrek Research führt dieses Verhalten von Privatanlegern auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie zurück. Die plötzlich gestiegene Nachfrage nach volatilen Aktien:

„bringt uns zu einer seltsamen, aber wir denken nützlichen Schlussfolgerung. Der Ansturm von Privatanlegern auf US-Aktien ist zumindest teilweise eine Folge einer Welt ohne Casinos, ohne nennenswerte Sportwetten (abgesehen von Pferderennen und Ping-Pong), und wenig, was man außerhalb des Zuhauses tun kann.“

Das Gefühl, eine volatile Aktie zu haben, vergleicht Rabe mit dem „Dopaminrausch“, den Spieler empfänden, wenn sie ein Full House beim Poker haben.

Massiver Anstieg neuer Broker-Konten

Im ersten Quartal dieses Jahres seien nach Angaben der Analysten mehr neue Broker-Konten eröffnet worden als während des gesamten Vorjahres. Zu den Erstanlegern zählten nach Berichten des Wirtschaftsmagazins Bloomberg (Seite auf Englisch) beispielsweise Menschen wie die Verwaltungsangestellte Nicole Kelleher aus dem US-Bundesstaat Virginia.

Auch sie habe Ende März ihr erstes Nutzerkonto beim Broker Robinhood erstellt und kaufe seitdem zu kleinen Summen verschiedene Aktien. Sie sei ein absoluter Börsenneuling, aber das Gefühl beim Aktienkauf sei dasselbe wie beim Glücksspiel

Ein weiterer Faktor, den die Analysten für ihre Erklärung heranziehen, sind die Entwicklungen der Google Trends. Die derzeitigen Suchanfragen bei Google würden derzeit eine deutliche Beziehung zwischen der Suche nach „Casino“ und „Aktienkauf“ anzeigen.

Eine solche Entwicklung sei nach Ansicht der Börsenexperten einmalig. Sie sei weder während der Finanzkrise im Jahr 2008 noch in anderen turbulenten Zeiten auf dem Aktienmarkt zu beobachten gewesen.