Das Problem der Stadt Wien mit der Glücksspiel-Mafia

Veröffentlicht am: 8. März 2021, 04:12 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. März 2021, 04:12 Uhr.

Im Kampf gegen illegale Untergrund-Casinos hatte die Wiener Polizei in den vergangenen Wochen viel zu tun. Laut einem am Sonntag veröffentlichten Bericht der österreichischen Zeitung Heute sei das illegale Glücksspiel in der Landeshauptstadt zu einer „Plage“ geworden.

Stadt Wien bei Nacht
Behörden vermuten unzählige Untergrund-Casinos in der Stadt Wien (Bild: Pixabay)

Um das Ausmaß des Problems zu verstehen, habe das Blatt mit einem Insider gesprochen. Laut diesem betreibe die Glücksspiel-Mafia in Wien ein riesiges Untergrund-Netzwerk. Oftmals würden leerstehende Häuser genutzt.

Man müsse nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen und schon erspähe man unzählige Standorte für potenzielle Keller-Casinos. Vier davon habe die Wiener Polizei in den letzten Wochen ausgehoben.

Für Schlagzeilen sorgte Mitte Februar ein professionell betriebenes Untergrund-Casino in einem Wohnhaus im Stadtteil Favoriten. Die Polizei stieß bei ihrer Razzia auf fünf Glücksspielautomaten und drei Pokertische. Neben den illegalen Glücksspiel-Aktivitäten sollen die Kriminellen auch Strom und Gas illegal bezogen haben. Gegen 29 Personen sei Anzeige erstattet worden.

Doch auch in bewohnten Häuser betreibe die Glücksspiel-Mafia ihre illegalen Spielstätten. Die Anwohner würden oft mit Drohungen zum Schweigen gebracht. Dies sei auch in Favoriten der Fall gewesen, wo die einzige Bewohnerin des Hauses, eine ältere Dame, gegenüber den Behörden beteuert hätte, von den Aktivitäten nichts gewusst zu haben.

Laut dem Insider sei es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Frau und keiner der Anwohner der benachbarten Häuser bemerkt haben wollten, wie die Spielgeräte und Spieltische in das Haus getragen worden seien.

Politik sagt der Glücksspiel-Mafia den Kampf an

Der gelungene Schlag gegen die Betreiber des illegalen Casinos sei jedoch nur ein kleiner Teil einer großangelegten Operation gegen die Wiener Glücksspiel-Mafia. Was die Presse bisher über das Problem berichtet habe, sei nur „die Spitze des Eisberges“.

Auch aus der Politik folgen inzwischen vermehrt Reaktionen auf die illegalen Geschäfte, die laut Heute insbesondere während des Lockdowns deutlich angewachsen seien. Zuletzt meldete sich Finanzminister Gernot Blümel, gegen den im Zusammenhang mit der Causa Casinos ermittelt wird, zu Wort. Der Politiker sagt:

In Wien haben sich zuletzt wieder neue kriminelle Strukturen im Bereich des illegalen Glücksspiels angesiedelt. Die konsequente Arbeit der Finanzpolizei bringt diese mafiösen Banden aus dem Südosten massiv unter Druck […] Wir werden auch weiterhin hart und konsequent gegen diese Kriminellen vorgehen und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Polizei fortsetzen.

Das illegale Glücksspiel in Wiener Hinterzimmern sei eine große Gefahr für Spielsüchtige, da es anders als in den legalen Spielstätten Österreichs keinerlei Einsatz- oder Verlustlimits gebe. Besonders fatal sei jedoch die Vermischung von illegalem Glücksspiel und Drogenkonsum. Politik und Strafverfolgung müssten dem Phänomen somit dringend den Riegel vorschieben, so Blümel.