ICE London: Britische Glücksspiel-Aufsicht berichtet von Heraus­forderungen neuer Glücksspiele

Veröffentlicht am: 13. April 2022, 02:45 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. April 2022, 02:45 Uhr.

Die Geschäftsführung der britischen Glücksspiel-Behörde UKGC ist auf der diesjährigen Glücksspiel-Messe ICE London präsent gewesen. In umfangreichen Reden haben der CEO Andrew Rhodes sowie die Vize-CEO Sarah Gardner am Dienstag und Mittwoch über die aktuellen Herausforderungen ihrer Behörde berichtet. Beide gingen dabei insbesondere auf den starken Boom des Online-Glücksspiels sowie die Risiken unregulierter Glücksspiel-ähnlicher Produkte ein.

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Die UKGC betrachtet Glücksspiel-ähnliche Produkte wie Krypto-Handel mit wachsender Sorge (Bild: Piqsels)

Wie Gardner erklärte, habe die Behörde insbesondere seit Beginn der Corona-Krise einen starken und rasanten Wandel der britischen Glücksspiel-Landschaft beobachtet. Als Regulierungsbehörde müsse die UKGC die Veränderungen wachsam im Auge behalten.

Der Online-Glücksspiel-Markt erfahre seit zwei Jahren nicht nur ein immenses Wachstum, sondern sei auch eines der besten Beispiele der Globalisierung. Viele der Branchengrößen heutzutage seien global operierende Tech-Konzerne statt traditionelle Glücksspiel-Firmen.

Um den Überblick zu behalten und die Spieler vor möglichen Schäden schützen zu können, setze die UKGC ihrerseits auf moderne Technologien zur Datenerfassung und -auswertung.

Durch bessere Daten erhalten wir ein klareres Bild von dem Markt, den wir regulieren, und von den Verbrauchern, die wir schützen. Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, unsere Daten zu verbessern. Zum Beispiel streben wir an, ein realitätsnäheres Bild des Verhaltens der Verbraucher zu erlangen. Wo nötig, können wir dadurch unsere Regulierung anpassen.

Aktuell arbeite die UKGC daran, eine umfangreiche repräsentative Studie durchzuführen. Diese solle zum neuen „Goldstandard“ für Glücksspiel-Umfragen in Großbritannien werden.

Ein weiteres Vorhaben der Glücksspiel-Behörde sei die Durchführung von zirka 130 regulatorischen und strafrechtlichen Ermittlungen. Wie die UKGC in den letzten Jahren bewiesen habe, schrecke sie nicht davor zurück, auch Marktführer hart zu bestrafen. Allein in diesem Jahr habe die Behörde bereits an sieben Konzerne Strafen in Höhe von mehr als 20 Mio. GBP ausgestellt.

Warnung vor unregulierten Glücksspiel-ähnlichen Angeboten

Sowohl Gardner als auch Rhodes gingen in ihren Reden darüber hinaus auf das Thema der „Glücksspiel-ähnlichen Produkte“ ein. Diese umfassten beispielsweise den Handel mit Kryptowährung, NFTs oder synthetische Aktien. Diese Märkte seien bislang weitgehend unreguliert und fielen per gesetzlicher Definition auch nicht in den Aufgabenbereich der UKGC.

Dennoch beobachte die Behörde die Entwicklung dieser Märkte mit Sorge, so Rhodes. Die Produkte hätten gemäß ihrer Funktionsweise starke Gemeinsamkeiten mit dem Glücksspiel.

Wir sind dabei, die Art und Weise zu ändern, wie wir mit neuartigen Produkten umgehen und diese regulieren. Viele der Produkte sind nach rechtlicher Definition kein Glücksspiel und ich schlage nicht vor, dass wir sie regulieren sollten. Aber ich erwarte, dass wir dieses Muster vermehrt feststellen werden und wir mehr als je zuvor vor die Frage gestellt werden, was Glücksspiel ist und was nicht.

Auch Gardner betont, dass dem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Ob Krypto oder Derivate, viele Menschen seien sich der Parallelen zum Glücksspiel nicht bewusst. Ihrer Meinung nach würden zahlreiche Personen davor zurückschrecken, „lebensverändernde Geldsummen“ in derartige Produkte zu investieren, würden sie diese als Glücksspiel betrachten.