Sportwetten vor und nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie

Veröffentlicht am: 13. Juni 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. Juni 2020, 12:02 Uhr.

In nahezu allen europäischen Ländern öffnen die Glücksspielbetreiber nach monatelangem, Corona-bedingten Lockdown wieder ihre Geschäfte. Währenddessen stellen sich Forscher die Frage, inwiefern die Corona-Pandemie das Verhalten der Spieler geändert haben könnte. Eine in diesem Monat erschienene Studie untersucht daher erstmalig, ob Kunden der Sportwetten-Anbieter ihre Tätigkeiten ins Internet verlagert haben.

Tennisball, Tastatur, Geld
Laut einer aktuellen Studie haben Sportwettende während des Lockdowns nicht öfter in Online-Casinos gespielt. (Bild: Pixabay.de)

Vielerorts haben Suchtforscher und Politiker davor gewarnt, dass gerade das Online-Glücksspiel während des Corona-Lockdowns zunehmen würde [Seite auf Englisch].

Aufgrund der vermuteten höheren Suchtgefahr während des Corona-Lockdowns haben Aufsichtsbehörden und Regierungen das Online-Glücksspiel in einigen Ländern eingeschränkt. So hat zum Beispiel Spanien während des Corona-bedingten Alarmzustandes die Werbung für das Online-Glücksspiel weitgehend verboten. Finnland hat das Online-Glücksspiel eingeschränkt, indem die Regierung Obergrenzen für monatliche Verluste festgelegt hat.

Dr. Michael Auer, Mitglied der wissenschaftlichen Leitung der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, und sein Team haben daraufhin in einer aktuellen Studie untersucht, ob sich die Einsätze von Sportwettenden während COVID-19 tatsächlich ins Internet verschoben haben.

Weniger Sportwetten und weniger Online-Casino-Besuche

Die Studie „Gambling before and during the COVID-19 pandemic among European regular sports bettors: An Empirical Study Using Behavioral Tracking Data” hat das Spielverhalten von deutschen, finnischen, schwedischen und norwegischen Sportwettern analysiert und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht wie erwartet mehr als vor dem Corona-Lockdown im Online-Casino spielen.

Entgegen der vielfach erwarteten Verlagerung ins Online-Casino sei das Gegenteil der Fall gewesen. Die Ergebnisse der Studie, so die Autoren, hätten klar gezeigt, dass die Aktivität der Sportwetten nach dem 10. März allgemein massiv abgenommen hätte.

Ein großer Teil der Sportwettenden habe bereits vor COVID-19 am Glücksspiel in Online-Casinos teilgenommen. Nach dem 7. März jedoch habe sich der Anteil der Sportwettenden, die im Online-Casino spielten, maßgeblich verringert. So heißt es in der Studie:

Dies bedeutet, dass die Spieler nicht nur weniger auf Sportereignisse gewettet haben (…), sondern sie setzen auch weniger auf Online-Casinospiele. Dies weist darauf hin, dass keine Verlagerung der Ausgaben für Sportwetten hin zum Online-Casino stattgefunden hat.

Abzuwarten bleibt nun, ob sich mit der Öffnung der Wettbüros nun auch wieder die Einsätze der Sportwettenden in den Online-Casinos erhöhen werden.