Spanien spricht Werbeverbot für das Online-Glücksspiel während des Notstands aus

Veröffentlicht am: 4. April 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. April 2020, 12:11 Uhr.

In dieser Woche hat die spanische Regierung beschlossen, während des aufgrund der Coronakrise ausgerufenen Notstands ein Glückspiel-Werbeverbot zu verhängen. Dieses gilt für das Online-Glücksspiel und mit Ausnahme der Zeit zwischen 1:00 Uhr und 5:00 Uhr morgens.

Alberto Garzón, spanischer Verbraucherschutzminister, spanischer Politiker
Verbraucherschutzminister Alberto Grazón zeigte sich über die Zunahme des Online-Glücksspiels während der Ausgangssperre besorgt. (Bild: Flickr/En Comu Podem)

Online-Glücksspiel in Spanien erfährt Zunahme während des Notstandes

Seitdem die spanische Regierung vor nahezu drei Wochen eine Ausgangssperre verhängt hat, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, habe das Online-Glücksspiel laut Verbraucherschutzminister Alberto Garzón zugenommen.

Das Online-Glücksspiel in Spanien erfährt seit Jahren einen rasanten Zuwachs. Im Jahr 2018 kam es auf einen Bruttoumsatz von 699 Mio. Euro mit einem Anstieg von mehr als 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2017. Nach Angaben der spanischen Glücksspielbehörde Dirección General de Ordenación del Juego (DGOJ) (Seite auf Spanisch) habe der Bruttoumsatz 2019 rund 749 Mio. Euro betragen.

Da derzeit keine Sportveranstaltungen stattfänden, hätten sich die Online-Sportwetten laut Garzón „außerordentlich“ reduziert. Gleichwohl sei die Nutzung anderer Online-Glücksspiele, darunter Online-Casinospiele und Poker, angestiegen.

Daraus ergebe sich nach Aussage des Verbraucherschutzministers

„eine explosive Situation, die zum pathologischen Problem für bestimmte soziale Gruppen werden kann.“

Daher habe sich die Regierung dazu entschlossen, die Werbung für das Online-Glücksspiels während des Notstandes zu verbieten. Eine Ausnahme bilde hierbei eine vierstündige Zeitspanne in der Nacht. Damit werden bereits jetzt Maßnahmen umgesetzt, die die Regierung im Laufe dieses Jahres in einem neuen Gesetz zur Glücksspielwerbung regeln wollte.

Scharfe Kritik am Werbeverbot

Der spanische Medienverband, die Asociación de Medios de Información (AMI), hat das Werbeverbot für das Online-Glücksspiel scharf kritisiert. Es sei „unverhältnismäßig“ und gefährde die Sportmedien in Spanien, da das Werbeverbot die ohnehin raren Einkünfte nach Absage der Sportevents noch weiter schmälere.

Die AMI führte weiter aus, dass das Glücksspiel in Spanien keine illegale Aktivität sei und es deshalb keinen Anlass dafür gebe, die Werbung hierfür zu verbieten. Die Medien hätten schon immer eine große Sensibilität im Kampf gegen die Glücksspielsucht gezeigt und in jedem Augenblick mit den Behörden zusammengearbeitet, um jegliche schädliche Auswirkungen zu vermeiden.

Zugleich, so versicherte der mehr als 80 spanische Medien umfassende Medienverband, sei die Anzahl der minderjährigen Nutzer ihrer digitalen Plattformen minimal und es sei vollkommen ausreichend, nach Mitteln und Werkzeugen zu suchen, die ausschließen, das Glücksspielwerbung von Minderjährigen gesehen werden könne.

Sportmedien seien dagegen Medien, die generell positive Werte vermittelten und deren Aufgabe, Informationen zu vermitteln, durch die aktuelle Situation bedroht sei.