Australien: Glücksspiel-Anbieter Sportsbet muss Verluste eines Problemspielers zurückerstatten

Veröffentlicht am: 16. Juni 2020, 12:40 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. Juni 2020, 12:42 Uhr.

Der australische Glücksspiel-Anbieter Sportsbet muss einem Spieler rund 93.000 AUD (ca. 57.000 Euro) zurückerstatten. Dies hat die Regulierungsbehörde Northern Territory Racing Commission in der vergangenen Woche entschieden.

Wie der australische TV- und Radiosender ABC News [Seite auf Englisch] gestern berichtet hat, hätte sich der Spieler zuvor bei Sportsbet selbst vom Glücksspiel ausgeschlossen und demnach für die Angebote des Anbieters blockiert sein müssen.

Tastatur, Kette, Schloss
Der betroffene Spieler hatte sich vom Glücksspiel ausgeschlossen. (Quelle: pexels.com)

Anbieter soll Lizenz-Vorgaben verletzt haben

Der Mann habe trotz seiner Blockierung einen Account bei dem Anbieter eröffnen und 150.000 AUD (rund 92.000 Euro) verspielen können. Der Entscheidung der Behörde zufolge sei Sportsbet demnach nicht seiner Verpflichtung nachgegangen, den Hintergrund des Spielers zu überprüfen:

Aufgrund der vorliegenden Beweise ist die Kommission davon überzeugt, dass Sportsbet zu diesem Zeitpunkt nicht über geeignete Selbstausschlussmöglichkeiten und -verfahren verfügte, um Personen den Selbstausschluss zu ermöglichen.

Der Anbieter habe damit gegen die Vorgaben seiner Lizenz verstoßen. Die Einsätze seien daher rechtswidrig, und die Verluste in Höhe von 93.082,04 AUD müssten zurückerstattet werden, so die Behörde.

Der betroffene Spieler zeigte sich erleichtert über die Entscheidung. Er habe lange Zeit gespielt und hohe Geldbeträge verloren. Sein Spielverhalten habe enorme negative Folgen für ihn und seine Familie gehabt.

Für die Anwältin Lauren Levin der Non-Profit-Organisation Financial Counselling Australia, die den Fall begleitet hatte, sei die Rückerstattung jedoch nicht genug. Nur eine Strafzahlung hätte eine abschreckende Wirkung für andere Betreiber.

Regierung arbeitet an Selbstausschluss-Register

Um effektiver gegen problematisches Spielverhalten vorgehen zu können, sei darüber hinaus ein funktionstüchtiges Selbstausschluss-Register erforderlich, so Levin.

In Australien gibt es jedoch aktuell kein staatliches Angebot, mit dem sich Problemspieler für Glücksspiel sperren lassen können. Für die betroffenen Spieler sei der Selbstausschluss daher schwierig, so die Anwältin.

Um sich selbst vom Glücksspiel auszuschließen, muss sich ein Spieler auf jeder Anbieter-Webseite und in jedem landbasierten Casino einzeln blockieren lassen. Zum Ausblenden von Glücksspielwerbung muss auf einen Adblocker zurückgegriffen werden.

Die Regierung arbeite bereits seit fünf Jahren daran, ein solches Register zu entwickeln. Erst im letzten Jahr sei der notwendige gesetzliche Rahmen geschaffen worden. Es sei zu erwarten, dass noch ein weiteres Jahr vergehen werde, bevor das Angebot genutzt werden könne.