Glücksspiel: Sind Pokémon-Karten mit Lootboxen vergleichbar?

Veröffentlicht am: 14. September 2020, 01:58 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. September 2020, 01:58 Uhr.

Die Diskussion darüber, ob auch Pokémon-Karten als Lootboxen und somit als eine Form des Glücksspiels eingestuft werden könnten, ist wieder entbrannt. Nachdem ein versiegeltes Pokémon-Box-Set bei der Comics & Comic Art-Auktion von Heritage Auctions am 10. September 2020 für eine Rekordsumme von 198.000 USD verkauft worden ist, scheint dieses Thema aktueller denn je.

Pokémon-Karten
Haben Pokémon-Karten Glücksspiel-Charakter und sind sie mit Lootboxen vergleichbar? (Bild: casino.org)

Lootboxen in Videospielen gelten in einigen Ländern als eine Form des Glücksspiels. In Belgien hat die belgische Glücksspielkommission „Commission des jeux de hasard“ diese Mechanismen bereits verboten. Doch auch ein Verbot der Sammelkarten soll die Behörde in Betracht ziehen.

Karten zu Videospielen, die gesammelt werden, gibt es bereits seit Ende der 90er Jahre. Neben Pokémon-Karten gibt es auch Sammelkarten zu Dragon Ball, My Little Pony, Star Wars, World of Warcraft, The Elder Scrolls und vielen anderen bekannten Spielen.

Die Karten sind in sogenannten Booster-Packs in Spielhandlungen oder am Kiosk erhältlich. Sie sind jedoch nicht nur begehrte Sammelobjekte, sondern dienen auch dazu, bei Turnieren gegen andere Spieler anzutreten.

Jede Karte hat einen Wert und auch eine bestimmte Kraft, die Schaden beim Gegner anrichten kann. Der unterlegene Spieler muss an seinen Gegner Preiskarten abgeben. Wer alle Preiskarten des Gegners ergattern konnte, gewinnt das Spiel.

Pokémon-Karten haben Glücksspiel-Charakter

Genau wie bei Lootboxen in Videospielen und bei allen anderen Sammelkartenspielen garantierten die Pokémon-Booster-Packs nicht, dass ein Spieler beim Kauf eines Pakets bestimmte Karten erhält.

Da der Spieler nicht weiß, welche Karten in den Packs enthalten sind, sollten auch Pokémon-Karten nach Meinung einiger Experten als eine Form des Glücksspiels klassifiziert werden.

Das britische Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport [Seite auf Englisch] hat dazu eine klare Meinung und fokussiert sich nicht allein auf die Lootboxen, sondern bezieht sich auf alle zufallsbedingten und suchtfördernden Mechanismen:

Wir betrachten Lootboxen, die mit echtem Geld gekauft werden können und deren Inhalt nicht im Voraus preisgegeben wird, als Glücksspiele, bei denen mit einem Geldwert gespielt wird.

Die Grenze zwischen Spiel und Glücksspiel

Es scheint nicht leicht, die Grenze zu ziehen, bei der das Spiel aufhört und das Glücksspiel beginnt. So haben YouTuber, die auf der Streaming-Plattform sogenannte „Mystery-Boxen“ vorstellen, die Diskussion auch wieder angeheizt.

Die Idee, die sich hinter den Mystery-Boxen verbirgt, ist ähnlich wie bei den Booster-Packs für Sammelkartenspiele oder Lootboxen in Videospielen. Es wird Geld für eine Kiste bezahlt, deren Inhalt unbekannt ist. Die Käufer hoffen darauf, hochpreisige Gewinne zu ergattern. Mitunter können die Boxen mehrere hundert Euro kosten.

Doch gelten die klassischen „Wundertüten“ oder Überraschungseier für Kinder ebenfalls schon als Lootboxen und Glücksspiel? Ist der Preis ausschlaggebend oder spielen noch andere Faktoren eine Rolle?

Zu diesen Fragen werden die Gesetzgeber in Bezug auf ihre Glücksspielgesetze eine Antwort finden müssen.