Belgien: Werden nach Lootboxen bald auch Pokemonkarten verboten?

Veröffentlicht am: 1. August 2019, 02:58 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. August 2019, 02:58 Uhr.

Am Donnerstag beschäftigten sich die belgischen Medien mit der Frage, ob die belgische Glücksspielkommission nach Lootboxen künftig auch physische Sammelkarten verbieten solle.

Pokemon Sammelkarten Pikachu
Pokemonkarten in Belgien bald illegales Glücksspiel? (Bild: Flickr)

Anlass gab nicht nur der Umstand, dass die Behörde in diesem Jahr bereits alle Lootboxen aus Videospielen für illegal erklärte und vom belgischen Markt verbannte, sondern auch ein Kommentar von Glücksspielkommissionschef Marique, in welchem er Sammelkarten als eindeutiges Glücksspiel bezeichnete.

 

Glück + Spiel = Glücksspiel?

Mit Sammelkarten und Tauschbildern spielen Kinder und Jugendliche schon seit Generationen. Egal ob Beatles-Sammelkarten, Panini-Fußballkarten oder später Pokemonkarten, in Abwesenheit von Videokonsolen und Online Spielen investierten Kinder gern ihre Pfennige in ein mysteriöses Überraschungspack.

Mit den Karten wird auch noch heute vielerorts gespielt, getauscht und gehandelt. Wer Glück hat, ersteht im Überraschungspack eine sehr „wertvolle“ Karte, wer Pech hat, erhält Karten mit geringem Wert doppelt und dreifach. Doch ist alles, wo Geld und Glück gemeinsam im Spiel sind, automatisch Glücksspiel?

Wie die belgischen Zeitungen L’avenir [Seite auf Französisch] und LeSoir am Donnerstag berichteten, scheint die belgische Glücksspielkommission „Commission des jeux de hasard“ auf diese Frage eine eindeutige Antwort zu haben.

Entsprechend der in Belgien geltenden Definition von Glücksspiel erfülle der Kauf eines Sammelkartenpacks mit unbekanntem Inhalt wichtige Kriterien des Glücksspiels. Ètienne Marique, der Vorsitzender der Kommission, sagte dazu:

Ja, diese Spiele erfüllen unsere Kriterien. Sie sind daher potentiell illegal. Also könnten wir auch einen entsprechenden Bann veranlassen. Ebenso könnten wir eine Intervention seitens der Politiker fordern. Insgesamt haben wir also durchaus Möglichkeiten, einzuschreiten. Allerdings müssen wir mit unseren Mitteln haushalten.

Obwohl er beispielsweise Panini-Bilder ohne Zweifel für eine Form des Glücksspiels halte, müsse die Behörde ihre Prioritäten derzeit anders setzen. Eine tatsächliche Gesetzesänderung über die Legalität von Sammelkarten sei daher zunächst nicht zu erwarten.

 

Suchtgefahr für Kinder?

Doch Belgiens Glücksspielbehörde zählt heute zu den strengsten Aufsichtsbehörden Europas und vor allem, wenn es um den Schutz von Minderjährigen geht, greift die Kommission rigoros durch, wie zuletzt der Rechtsstreit mit EA zeigte.

FIFA 19 auf Bildschirmen
FIFA Spiele wegen Lootboxen in Belgien verboten (Bild: Flickr)

So bezog die Behörde zum Thema Lootboxen die klare Position, dass diese ohne Zweifel eine Form des illegalen Glücksspiels seien. Spieler und Spielhersteller brachten immer wieder entgegen, dass die virtuellen Überraschungsboxen doch nicht anderes seien als Sammelkarten.

Jetzt scheint die Kommission diesen Spieß jedoch umgedreht zu haben. Lootboxen bleiben illegal und Sammelkarten könnten es in ferner Zukunft ebenfalls werden.

Auch die britische Glücksspielkommission beschäftigte sich kürzlich mit dem Thema. Das Urteil lautete jedoch, dass in Großbritannien weder Lootboxen noch Sammelkarten die Kriterien echten Glücksspiels erfüllen.

Doch auch der britischen Behörde ist die potentielle Schattenseite von Lootboxen und Sammelspielen bekannt. So passiere es immer häufiger, dass Kinder und Jugendliche Hunderte von Pfund in ihr Spiel investierten, ohne einen Mehrwert zu erhalten.

Laut Suchtexperten könne diese wiederholte Kaufhandlung, in deren Mittelpunkt ein Überraschungsinhalt stehe, bei Kindern ein Suchtverhalten erzeugen und daher auch eine spätere Spielsucht begünstigen.

 

Ein Streitthema aus den 90er Jahren

Dank der schnellen Microtransaktionen innerhalb der Spiele können Kinder in der Tat heute in kurzer Zeit große Geldsummen einzahlen. Im Fall von physischen Sammelkarten ist dieses potentielle Problem jedoch etwas abstrakter.

Ninento of America Inc Schild im Grünen
Eltern klagten gegen Nintendo wegen Sammelkarten (Bild: Wikimedia)

Dennoch gab es in der Vergangenheit tatsächlich Fälle, in denen Eltern sogar gegen die Hersteller der Karten vor Gericht zogen, da ihre Kinder zu viel Geld dafür ausgegeben hätten und süchtig geworden seien.

In den USA gab es in den 90er Jahren beispielsweise mehrere Klagen gegen Pokemonkarten-Hersteller Nintendo of America Inc. Eltern beklagten, dass ihre Kinder von den Pokemonkarten besessen gewesen seien und auf der Jagd nach den wertvollsten Karten gar kriminell oder gewalttätig geworden seien.

Auch damals wurde öffentlich diskutiert, ob die Sammelbilder unter den Begriff Glücksspiel fallen sollten. Mit dem Vormarsch digitalisierter Spiele wurde das Thema aber in den USA schnell ad acta gelegt. Auch die Klagen gegen die Hersteller blieben allesamt fruchtlos.

Sollte Belgien die Streifrage tatsächlich zu einem Thema machen, könnte es erneut interessante Konflikte geben. Im Zusammenhang mit dem Thema Lootboxen und Spielsucht könnte die Frage nach der Legalität von Sammelkarten heute jedoch etwas komplexer ausfallen.