Prinz Harry fordert Fortnite-Verbot

Veröffentlicht am: 6. April 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 5. April 2019, 01:04 Uhr.

Ginge es nach Prinz Harry (35), sollte das Koop-Survival-Spiel Fortnite verboten werden. Bei einem vom YMCA organisierten Treffen zur mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in West London kritisierte der Duke von Sussex eine suchterzeugende Wirkung des Bestsellers und warnte vor negativen Langzeitfolgen für Kinder und Familien.

Prinz Harry
Prinz Harry übte harsche Kritik am Spiel Fortnite (DoD photo by EJ Hersom)

Diskussion ist nicht neu

Der Effekt von Spiel- und Glücksspielangeboten bewegt die britische Öffentlichkeit bereits seit langem und führt immer wieder zu hitzigen Debatten.

Im deutschen Einzelhandel ist Fortnite mit einer USK-Freigabe ab 12 Jahren gekennzeichnet.

Die deutlich populärere, weil meist kostenfreie Onlineversion des Spiels wurde nicht von der USK kategorisiert, da auf den Internetvertrieb nicht das Jugendschutzgesetz, sondern der Jugendschutzmedienvertrag angewendet wird.

Je nach Onlinestore wird das Spiel ohne Altershinweis oder mit einer Empfehlung von „ab 16 Jahren“ angeboten.

Nun hat sich auch Prinz Harry, Nummer sechs der britischen Thronfolge, in die Diskussion eingeschaltet und seinen Standpunkt mit deutlichen Worten klargemacht.

Macht Fortnite süchtig?

Insbesondere Fortnite, das mit über 200 Millionen Usern das beliebteste Spiel bei Gamern unter 18 ist, scheint dem Prinzen ein Dorn im Auge zu sein.

Seiner Meinung nach wurde das Spiel vorsätzlich designed, um gerade junge Spieler in eine Spielsucht zu führen, wie er vor den Anwesenden ausführte:

Dieses Spiel sollte nicht erlaubt sein. Welchen Vorteil hat es, es im Haus zu haben? Es wurde entwickelt, um abhängig zu machen, eine Abhängigkeit, die einen so lang wie möglich vor dem Computer halten soll. Das ist so unverantwortlich.

Es ist, als würde man nur darauf warten, dass der Schaden eintritt, dass Kinder auf eurer Türschwelle (der des YMCA, Anm. d. Verf.) auftauchen und Familien auseinanderbrechen.

Mit seiner Kritik ist der königliche Spross nicht allein. Nur wenige Tage zuvor hatte ein Allgemeinmediziner aus Leeds für Furore gesorgt, als er per Tweet bekanntgegeben hatte, einem 11-jährigen Patienten ein zweiwöchiges Fortnite-Verbot „verschrieben“ zu haben.

Arzt verschreibt Gaming-Stopp

Dr. Amir Khan, der sich im Krankenhaus-Reality-Format „GPs Behind Closed Doors“ (dt. Ärzte hinter verschlossenen Türen) bei Patientengesprächen von Fernsehkameras begleiten lässt, erklärte sein Rezept mit den negativen Auswirkungen von suchterzeugenden Spielen auf das Leben des Jungen. Und erntete viel Beifall: Rund 3.200 Twitternutzer klickten „Gefällt mir“.

Tweet Dr. Khan Fortnite
Dr. Khans “Rezept” wurde zum Twitter-Hit (Quelle:twitter.com/@Dr.AmirKhanGP)

Demgegenüber äußern Experten immer wieder Zweifel, wenn das Gaming als Ursache von problematischen Entwicklungen herangezogen wird.

So würden regelmäßig sogenannte „Ballerspiele“ als Grund für reale Gewaltakte, wie Schoolshootings, herangezogen, ohne dass es wissenschaftliche Belege für eine erhöhte Gewaltbereitschaft von Spielern von Counter-Strike und Co gäbe.

Wissenschaftler warnen vor Stigmatisierung

Auch die Kategorisierung von Fortnite als „suchterzeugend“, trifft nicht überall auf Zustimmung.

So stimmt der schottische Wissenschaftler Andrew Reid der Aussage, es könne schwierig sein, das Spiel zu unterbrechen, zwar prinzipiell zu, fordert aber, die Gründe für einen intensiven Konsum des Spiels zu erforschen, ohne die Spieler als „Süchtige“ zu bezeichnen:

Ansonsten wird das Medium als Übel für unsere Gesellschaft stigmatisiert, ungeachtet des wachsenden Angebots von Videospielen und einer Entwicklung, die die positiven Merkmale von Spiel und Interaktivität verstärkt.

Ob und inwieweit Fortnite suchterzeugend sein könnte, prüft derzeit auch das Komitee für Digitales, Kultur, Medien und Sport (Link auf Englisch) des britischen Parlaments. Man habe Fortnite-Entwickler Epic Sports eingeladen, die Untersuchung zu den Auswirkungen des Spiels zu unterstützen, sagte Komitee-Vorsitzender Damian Collins der BBC.

Bislang hat sich Epic-Games weder öffentlich zu den Untersuchungen noch zu dem Vorstoß Prinz Harrys geäußert.

Social Media gefährlicher als Drogen?

Er hatte bei der Veranstaltung des YMCA übrigens nicht nur Fortnite, sondern auch die sozialen Medien ins Visier genommen. Diese böten ein größeres Suchtrisiko als Alkohol und Drogen, so der 35-Jährige.

Böse Zungen behaupten, er müsse es ja wissen: Erst einen Tag vor seinem Statement hatten er und Ehefrau Meghan erstmals Bilder auf einem eigenen Instagram-Account gepostet. Binnen weniger als sechs Stunden hatte das Profil @SussexRoyal mehr als eine Million Follower gesammelt. Neuer Rekord auf der Plattform.