Nordirland: Wohltätigkeitsorganisation fordert schärfere Glücksspiel-Regulierung

Veröffentlicht am: 18. Februar 2020, 12:21 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Februar 2020, 12:27 Uhr.

Mehrere Eltern, deren Kinder sich aufgrund der Folgen ihrer Glücksspielsucht das Leben genommen haben, engagieren sich in der Wohltätigkeitsorganisation Gambling with Lives [Seite auf Englisch]. Sie sprechen in dieser Woche im nordirischen Parlamentsgebäude Stormont über ihre Forderungen nach einer schärferen Glücksspiel-Regulierung.

Parlamentsgebäude Stormont, Nordirland
Die Wohltätigkeitsorganisation “Gambling with Lives” spricht im nordirischen Parlament über ihre Forderungen zum Spielerschutz. (Bild: Flickr/Jacobite52)

Gambling with Lives fordert im Rahmen der in Nordirland stattfindenden Veranstaltung ein proaktiveres Vorgehen der Gesundheitsbehörden gegen die Spielsucht. So sollten Ärzte Patienten künftig auf Glücksspielsucht untersuchen.

Neben regelmäßigen Screenings auf pathologisches Spielverhalten fordert die Organisation, dass Spezialisten für die Behandlung der Glücksspielsucht ausgebildet werden und Nordirland spezielle Suchtkliniken erhält.

Nach Schätzungen der UK Gambling Commission soll es in Großbritannien jährlich zwischen 250 und 650 Selbstmorde geben, die von den Folgen einer Glücksspielsucht verursacht werden. Damit ist die Gefahr, sich das Leben zu nehmen, bei britischen Spielsüchtigen 15 Mal höher als bei der allgemeinen Bevölkerung.

Forderungen nach stärkerer Regulierung des Glücksspiels

Nach Meinung der Aktivisten sind die Glücksspielgesetze angesichts des Booms des Online-Glücksspiels veraltet und müssten radikal verschärft werden. Laut Liz Richie, deren Sohn Jack sich 2017 im Alter von 24 Jahren das Leben nahm, sei das Glücksspiel mit harten Drogen gleichzusetzen:

„Wenn junge Menschen zum Glücksspiel verlockt werden, wissen sie nicht, dass sie das Äquivalent zu harten Drogen erhalten – die elektronischen Maschinen und Online-Spiele machen sehr süchtig. Sie und ihre Familien denken, dass sie sicher sind, weil es keine Warnung gibt. Ein Sechsjähriger weiß, dass das Rauchen tötet, wer weiß, dass Glücksspiel tötet?“

Da in Nordirland derzeit eine Reformierung der aus dem Jahr 1985 stammenden Glücksspiel-Gesetze diskutiert wird, will die Organisation die Versammlung im nordirischen Parlament nutzen, um die Politiker zu einer strikteren Gesetzgebung zu animieren. Sie fordert klare Gesundheitswarnungen zu den Risiken der Glücksspielsucht und Spezialbehandlungen durch das Gesundheitssystem.

Zudem wünsche sich die Organisation für Nordirland eine eigene Glücksspielkommission sowie ein Verbot aggressiver Glücksspiel-Werbung einschließlich der VIP-Programme und Gratiswetten.

Angesichts der scharfen Regulierung des Glücksspiels in ganz Großbritannien ist zu erwarten, dass auch in Nordirland einige der Vorschläge der Aktivisten künftig umgesetzt werden könnten.