Macau vor Legalisierung des Online-Glücksspiels?

Veröffentlicht am: 16. November 2020, 12:49 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. November 2020, 02:19 Uhr.

Macaus Glücksspielaufsicht Gaming Inspection and Coordination Bureau (DICJ) erwägt derzeit, das bisher strikt verbotene Online-Glücksspiel künftig zu legalisieren. Dies haben lokale Medien am Wochenende berichtet. Ursache der Überlegungen seien die massiv gesunkenen Steuereinnahmen der Stadt.

Macau Skyline Nacht
Macaus Casinos leiden unter einer Umsatzflaute. (Bild: Pixabay/ jw232523)

Wie das Wirtschaftsportal Macau Business [Seite auf Englisch] am Wochenende berichtete, wurden dahingehende Überlegungen durch die Antwort auf ein Schreiben des Abgeordneten Jose Pereira Coutinho an die DICJ bekannt. Coutinho hatte den DICJ-Vorsitzenden Adriano Ho im September gefragt, ob die Behörde zur Unterstützung der in Bedrängnis geratenen Glücksspielunternehmen eine Zulassung des Online-Glücksspiels in Erwägung ziehe.

Kein klares Nein zum Online-Glücksspiel

Entgegen vorheriger Verlautbarungen von offizieller Seite lehnte Ho das Ansinnen dieses Mal nicht rundheraus ab. Stattdessen erklärte er, dass die Behörde gegenwärtig die Bedingungen für einen solchen Schritt eingehend prüfe.

In seiner Antwort an Coutinho betonte Ho:

Deshalb wird die Regierung vor Einführung des Online-Glücksspiels gewissenhafte Studien durchführen, die derzeit noch laufen.

Gleichzeitig gab Ho zu verstehen, dass frühere Argumente gegen eine Legalisierung an Bedeutung verloren hätten. So sei die Anzahl von Beschwerden gegen illegales Online-Glücksspiel in letzter Zeit gesunken. Darüber hinaus habe die Regierung ihre Schutzmaßnahmen für Spieler intensiviert.

Ursache für den Stimmungswechsel dürfte die erheblich verschlechterte Finanzlage der staatlichen Kassen sein. Dies ist auf die Corona-bedingte zwischenzeitliche Schließung der Casinos sowie von Macaus Stadtgrenzen zurückzuführen, welche die Umsätze im Glücksspielsektor um über 80 % einbrechen ließ.

Da die Casino-Wirtschaft und der damit verbundene Tourismus mittlerweile über 75 % zum Staatshaushalt Macaus beitragen, herrscht in den Kassen der Finanzämter Flaute, während gleichzeitig Zahlungen für die Unterstützung lokaler Betriebe sprunghaft zugenommen haben.

Allerdings müsse die DICJ die negativen Effekte einer Legalisierung ebenso in Betracht ziehen, so Ho. Es bestünde die Möglichkeit, dass im Zuge des Online-Glücksspiels Delikte wie Geldwäsche oder die Spielsuchtgefahr zunähmen.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Glücksspielaufsicht vor einer etwaigen Legalisierung mit chinesischen Behörden eingehend beraten wird. Ohne eine Bestätigung des mächtigen Nachbarn dürften die Online-Casinos deshalb kaum eine Betriebserlaubnis erhalten.

Solange dies nicht geschehen ist, dürften Macaus und Chinas Behörden jede Art des Online-Glücksspiels weiterhin konsequent verfolgen.