Künstliche Intelligenz: Verzö­gerungen bei KI-Casino in Singapur

Veröffentlicht am: 4. December 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. December 2021, 10:43 Uhr.

In Singapur soll das weltweit erste KI-Casino entstehen, in dem künstliche Intelligenz einen Großteil der Arbeit und Sicherheitsservices übernimmt. Nun hat der Initiator SenseTime aus China einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge eingestanden, dass es bei dem Projekt aufgrund von Problemen zu größeren Verzögerungen kommt.

Symbolbild künstliche Intelligenz
Die künstliche Intelligenz scheint noch nicht ausgereift. (Bild: Pixabay)

Laut Zeitungsbericht seien die Probleme vielschichtig, mit denen SenseTime bei seinen KI-Plänen konfrontiert werde. Zum einen gehe es um den Einsatz von mit KI-Technologie ausgestatteten Robotern, die an Spieltischen die Aufgaben von Dealern übernehmen sollen.

Diese hatten ursprünglich zumindest teilweise an die Stelle der menschlichen Angestellten rücken sollen, um den Gästen ein “KI-Feeling” im Casino zu geben. Allerdings hätten die Roboter im Testbetrieb zu fehlerhaft agiert. Im Praxisgeschäft hätten sie somit nicht eingesetzt werden können.

Bei dem KI-Projekt geht es nicht um einen Casino-Neubau, sondern um die Modernisierung des Genting Resorts World Sentosa. Das im Januar 2010 eröffnete Casino ist eines von nur zwei Glücksspieltempeln in dem asiatischen Stadtstaat. Das für knapp 5 Mrd. USD realisierte Resort befindet sich auf der künstlichen Insel Sentosa und bietet neben einem 15,000 m² großen Casino-Floor über 1.500 Hotelzimmer und -suiten.

Die Probleme reichten laut FT jedoch weiter. So gebe es ebenfalls größere Schwierigkeiten bei Umsetzung der ambitionierten Sicherheits- und Überwachungstechnik.

Fehlerhafte KI-Kameras

Die Technik sollte eingesetzt werden, um Betrug auf Seiten von Angestellten und Spielern zu unterbinden. So sollten die hochauflösenden KI-Kameras das Verhalten der Kartendealer analysieren, um mögliche Manipulationen anhand von verdächtigen Bewegungen am Tisch oder bei der Kommunikation mit Spielern aufzudecken.

Allerdings seien die Kameras laut Casino-Mitarbeitern nicht in der Lage, die Angestellten zweifelsfrei zu identifizieren, schreibt die FT. Es habe sich gezeigt, dass die Uniformen das KI-System derart verwirrten, dass es keine belastbaren Aussagen habe treffen können.

Die zuverlässige Identifikation von Spielern oder die Nachverfolgung einzelner Personen durch die Räume des Casinos sei ebenfalls an der mangelnden Auflösung der Kameras gescheitert. Rechtlich spreche in Singapur grundsätzlich nichts gegen diese Art der Überwachung, so der Rechtsanwalt Shaun Leong:

Theoretisch könnten Kasinos Gesichtserkennungstechnologien oder maschinelle Lernfunktionen einsetzen, um Gäste zu überwachen und zu kontrollieren, die auf dem Parkett spielen, um betrügerisches Verhalten zu erkennen.

Ursprünglich hatten mit der Technik beispielsweise Spieler, die mit einer Sperre belegt sind, entdeckt werden sollen. Für SenseTime bedeutet die Verzögerung nun einen herben Rückschlag.

Das 2014 gegründete Unternehmen, das in Chinas als einer der KI-Vorreiter gilt, wollte mit dem Prestigeprojekt beweisen, wie weit die Umsetzung der auf Algorithmen basierenden Intelligenz bereits ist. Derzeit sieht es jedoch eher danach aus, als ob zumindest mittelfristig weiterhin echte Dealer und Croupiers an den Spieltischen sitzen.