Crown-Skandal: Gab Packer geheime Informationen an Melco weiter?

Veröffentlicht am: 25. September 2020, 04:12 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. September 2020, 04:13 Uhr.

Die Geldwäsche-Ermittlungen gegen den australischen Glücksspielkonzern Crown Resorts haben einen weiteren Skandal hervorgebracht. Im Rahmen seiner Verkaufsverhandlungen mit Melco soll Crown-Mehrheitseigner James Packer vertrauliche Finanzinformationen, die er selbst nicht hätte haben dürfen, weitergegeben haben.

Melco Resorts Studio City Casino
James Packer soll geheime Informationen an das Hongkonger Glücksspiel-Unternehmen Melco gegeben haben. (Bild: PxHere/CC0)

Wie die australische Zeitung The Sydney Morning Herald heute berichtet [Seite auf Englisch], stamme diese Information von Michael Johnston, dem Geschäftsführer von Packers Unternehmen Consolidated Press Holdings (CPH). Dieser habe gestern vor dem Ermittlungsgremium ausgesagt.

Im Mai 2019 soll Packer Crown-Chef Ken Barton, der zu jener Zeit der Finanzdirektor des Konzerns gewesen sei, um detaillierte Finanzprognosen gebeten haben, die ihm normalweise nicht zugestanden hätten. Johnston soll Barton daraufhin ermutigt haben, die Prognosen etwas „aufzubessern“.

Er habe zwar gewusst, dass die Informationen als „vertraulich“ gegolten hätten, sei aber nicht davon ausgegangen, dass sie Einfluss auf die Preissensitivität Melcos gehabt haben könnten.

Interessenskonflikte ignoriert?

Adam Bell, einer der Ermittler des Gremiums, habe Johnston gefragt, ob er den „potenziellen Interessenskonflikt“ nicht habe erkennen können. Schließlich habe er vor dem Hintergrund von Verkaufsgesprächen um die „optimistischere Prognose“ gebeten. Johnston habe erwidert:

Aufgrund dessen, dass ich nicht zu den Preisdiskussionen beigetragen habe, nein, habe ich nicht. Ich habe einfach nur in derselben Art und Weise kommentiert, wie ich es bei jedem anderen Budgetprozess tun würde.

Johnston habe zudem behauptet, überhaupt nichts von den laufenden Verhandlungen mit Melco gewusst zu haben. Laut dem Gremium jedoch sei dies wenig glaubhaft, da alle Details darüber in Rechtsdokumenten gestanden hätten, die in Johnstons Besitz gewesen seien.

Nichts gewusst haben will angeblich auch Barton. Dieser habe vor dem Gremium gesagt, dass er es sich zweimal überlegt hätte, die besagten Informationen weiterzugeben, wenn er gewusst hätte, dass diese schlussendlich für Melco bestimmt gewesen seien.

Packers Verbindungen zu chinesischen Triaden

Packer scheint 2019 zudem nicht nur mit Melco Resorts in Verhandlungen gestanden zu haben. Laut The Sydney Morning Herald soll er einige Monate zuvor erwägt haben, einen großen Anteil seiner Crown-Anteile an den chinesischen Junket Operator Suncity zu veräußern. Die Rede sei von bis zu 46 %.

Zwischen Crown Resorts und Suncity bestand über mehrere Jahre eine enge Partnerschaft. Als Junket Operator vermittelte das chinesische Unternehmen VIP-Kunden an die australischen Casinos. Der Inhaber von Suncity, Alvin Chau, wird jedoch mit chinesischen Triaden in Verbindung gebracht. Ihm wurde ein offizielles Einreiseverbot nach Australien ausgesprochen.

Packer selbst solle nächste Woche vor den Ermittlern aussagen. Die Zukunft von Crown Resorts könnte somit auch von seiner Aussage abhängen.