Großbritannien: Glücksspiel-Skandal um The Masked Singer

Veröffentlicht am: 4. Januar 2021, 02:23 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. Januar 2021, 02:24 Uhr.

Ein Werbe-Deal zwischen den Produzenten des TV-Gesangswettbewerbs „The Masked Singer“ und dem Online-Casino PlayOJO hat in Großbritannien einen Skandal ausgelöst. Wie der Daily Star [Link auf Englisch] am Samstag berichtet hat, gewähre die Produktionsfirma Bandicoot dem Glücksspielkonzern die Rechte, Motive der Sendung für neue Glücksspielformate zu nutzen.

Haltestelle mit Werbeplakat
Werbung für “The Masked Singer” findet sich auch in Deutschland vielerorts. (Quelle: The Masked Singer by Like The Grand Canyon, licensed under CC BY-NC 2.0)

Spielerschützer befürchteten, dass dadurch vor allem junge Fans der Sendung zum Online-Glücksspiel verleitet werden könnten.

Bei der Sendung „The Masked Singer“ treten Prominente in Kostümen bei einem Gesangswettbewerb gegeneinander an. Ohne die Identität der Beteiligten zu kennen, kann das Publikum allein anhand von Gesang und Performance über Niederlage oder Weiterkommen eines Kandidaten abstimmen. Erst am Ende jeder Staffel wird enthüllt, welcher Promi sich unter der Maske befindet.

Jugendliche durch Glücksspiel-Werbung gefährdet?

Medienberichten zufolge werde PlayOJO seinen britischen Kunden ab sofort digitale Rubbellose, virtuelle Spielautomaten und Bingo-Spiele mit dem „Masked Singer“-Thema zur Verfügung stellen. Die Spiele böten dabei Preise von bis zu 200.000 GBP.

Ein Problem stelle der Lizenz-Deal jedoch für die jungen Fans dar, so Marc Etches von der Spielerschutzorganisation GambleAware. Er befürchte eine „Normalisierung des Glücksspiels für Kinder“ durch Werbung mit Familienprogrammen, sagte er dem Daily Star.

Auch Matt Zarb-Cousin von der Initiative „Clean Up Gambling“ teile diese Befürchtung:

Es gibt weder Grenzen, wie viel Sie online bei süchtig machenden Slots setzen können, noch werden angemessene Vermögensprüfungen von Online-Glücksspielunternehmen durchgeführt. Bandicoot TV sollte nochmal darüber nachdenken, ob sie die The Masked Singer-Marke mit Produkten verbinden, die solch große Glücksspielschäden hervorbringen.

Bei Bandicoot berufe man sich derweil auf die strengen Standards der Glücksspielindustrie. Gegenüber dem Daily Mirror habe das Unternehmen erklärt, dass alle „Masked Singer“-Spiele ausschließlich von Volljährigen genutzt werden dürften.

Die einzige TV-Show, die auf Glücksspielseiten präsent ist, ist „The Masked Singer“ gegenwärtig nicht. So bietet der Spiele-Entwickler Big Time Gaming seinen Partner-Casinos unter anderem den virtuellen Spielautomaten zur Quiz-Sendung „Wer wird Millionär“ an.