In dieser Woche vermeldete die Casino Association of South Afrika (CASA) ein beachtliches Wachstum des inländischen Glücksspielsektors. Im international-afrikanischen Vergleich ist das Land mit großen Abstand die Avantgarde, doch auch andere Nationen erlauben Einwohnern und Touristen ausgiebige Glücksspiel-Aktivitäten.

Sun City Casino, North West, Südafrika

Glücksspiel in Afrika sehr weit verbreitet (Bild: Wikimedia)

Starkes Wachstum in Südafrika

Wenn man an schillernde landbasierte Casinos oder modernste Online Spielbanken denkt, ist Afrika nicht unbedingt die erste Erdregion, an die Spieler denken. Doch das Glücksspiel in Afrika ist sehr weit verbreitet und einige Länder schmücken sich mit prunkvollen Casinobauten und verfügen über eine gründlich strukturierte Gesetzgebung.

Ein sehr moderner Vorreiter ist Südafrika. Spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft 2010 konnte sich das Land der breiten internationalen Masse gegenüber im positiven Sinne von einer Seite präsentieren, die viele nicht erwartet hatten. Doch auch der Glücksspielmarkt in dem Land an der Südspitze des Kontinents boomt.

So berichtete die Casino Association of South Africa (CASA) am Dienstag, dass die Gesamteinnahmen des Glücksspielsektors im Vorjahr um ganze 3,5 % gestiegen seien. Insgesamt handele es sich dabei um Bruttoeinnahmen von umgerechnet 1,2 Milliarden Euro (18,5 Milliarden Südafrikanische Rand). Von ein Einnahmen gingen 370.000 Euro in Form von Steuern an den Staat.

Südafrikas offizielle Glücksspiel-Geschichte reicht dabei nur knapp mehr als 20 Jahre zurück, denn erstmals wurde im Jahr 1996 ein Glücksspielgesetz (Gambling Act) verabschiedet, also nur zwei Jahre nach dem Ende der Apartheid.

So positiv die Zahlen auch sind, kämpft das Land jedoch gleichzeitig vermehrt mit illegalen Glücksspiel-Aktivitäten. CASA Vorsitzender Themba Ngobese äußerte sich mit Besorgnis zum Thema:

Das illegale Glücksspiel ist ein alarmierend häufig auftretendes Phänomen und die Casino Industrie muss sich schon lange mit unsichtbaren Konkurrenten messen und plädiert daher für ein härteres Durchgreifen der Exekutivorgane. Illegale Einrichtungen wachsen indes weiterhin an und verkleiden sich heutzutage als Entertainment Zentren.

Gesetzeslage auf dem Prüfstand

Um genau diesem Wachstum illegaler Glücksspielbetreiber entgegenzuwirken, wurden kürzlich einige Gesetzesänderungen vorgeschlagen, welche das Glücksspiel im Allgemeinen einschränken könnten.

Insbesondere für die Provinz Gauteng werden Steuererhöhungen auf Glücksspieleinnahmen in Betracht gezogen. Gauteng ist die Provinz mit der den meisten Spielbanken.

Ein großer Teil der Gesamteinnahmen (43 %) des südafrikanischen Glücksspielsektors ist auf die sieben dort ansässigen Casinos zurückzuführen. Sollten die Einnahmen in Gauteng selbst aufgrund von potentiellen Gesetzesänderungen zurückgehen, könne das gesamte Land darunter leiden, wie die CASA [Seite auf Englisch] bemerkte.

Im gesamten Land gibt es derzeit 59 Spielbanken, von denen einige zu luxuriösen Resorts gehören und insbesondere Touristen anziehen. An der gesamten inländischen Casinobranche hängen laut Angaben der CASA mehr als 64.000 Arbeitsplätze.

Zu den größten und beliebtesten Casinos zählt beispielsweise das GrandWest Casino & Entertainment World in Kapstadt. Auf mehr als 36.500 Quadratmetern erwarten Gäste mehr als 2.500 Spielautomaten, knapp 80 Tische und 10 Pokerräume.

Rein flächenmäßig mehr als doppelt so groß wie das beliebte Casino in Kapstadt ist das berühmte Montecasino in Johannesburg, welches eine Fläche von fast 85.000 Quadratmetern umfasst. Neben 70 Tischen und 8 Pokerräumen gibt es in dieser Spielbank auch 1.860 Spielautomaten.

Auch die Legalität bzw. Illegalität des Online Glücksspiels wird derzeit intensiv thematisiert. Gemäß der aktuellen Gesetzeslage sind sämtliche Online Casinos im gesamten Land verboten. Das heißt, dass es im Gegensatz zum landbasierten Glücksspiel keinerlei Regelwerk für inländische oder internationale Anbieter gibt, welches diesen gestattet, Online Glücksspiel in Südafrika anzubieten.

Ngobese sieht das Fehlen einer offiziellen Regulierung als äußerst problematisch an, da dies die Türen zum illegalen Glücksspiel noch weiter öffne. Der unregulierte Online Markt beeinträchtige bereits jetzt die Einnahmen lizenzierter Casinos.

Seiner Einschätzung nach stehe die südafrikanische Regierung vor einer wichtigen Entscheidung. Sollte der Staat weiterhin festlegen, dass jedwedes Online Glücksspiel illegal ist, dann müsse man dringend in die Strafverfolgung unregulierter Anbieter gehen.

Alternativ könne die Regierung jedoch das Online Glücksspiel für legal erklären und ein glaubwürdiges und realistisches Regelwerk verfassen, welches sämtliche Anbieter prüfen und entsprechend lizenzieren oder als iillegal erkären würde.

Casinos in beliebten Küstenregionen  

Während Südafrika südlich der Sahara über 90 % der gesamten Glücksspielindustrie ausmacht, gibt es noch weitere Staaten, in welchen Casinos nicht nur legal, sondern auch sehr erfolgreich sind. Insbesondere die beliebten Safari-Länder Kenia und Nigeria stechen hierbei hervor.

Association of Gaming Operators Kenya

Association of Gaming Operators Kenya (Bild: agok Twitter)

Das Glücksspiel in Kenia ist bereits seit 1969 weit verbreitet, doch erst im Jahr 2003 kamen die verschiedenen Anbieter zusammen, um eine gemeinsame Industrie aufzubauen. In dem Zusammengang wurde der Verein „Association of Gaming Operators Kenya“ (AGOK) [Seite auf Englisch] gegründet, welcher sich mit den Bereichen legale Repräsentation, Finanzen und Public Relations auseinandersetzt.

Gemäß der kenianischen Gesetzgebung (Kapitel 131) ist jede Form von Glücksspiel als legal angesehen und Casinos, Sportwetten und Lotterien werden durch die entsprechenden Paragraphen reguliert. Zu den berühmtesten landbasierten Spielbanken zählen das Finix Casino in Nairobi und das Golden Key Casino in Mombasa.

Südlich der Sahara überrascht auch Nigeria mit einer klaren Gesetzgebung in Bezug auf Glücksspiel. Während die Landeshauptstadt Abuja nicht viele Gelegenheiten zum Glücksspiel bietet, beeindruckt Lagos mit zwei relativ großen Casinos. Besonders bekannt unter Touristen ist das Federal Palace Hotel & Casino, welches 106 Automaten und 10 Spieltische anbietet.

Nordafrikas Religionen schränken Glücksspiel ein

Die nordafrikanischen Länder mit ihren schönen Mittelmeer-Urlaubsorten locken jedes Jahr Tausende von Touristen an, doch wer das Glücksspiel sucht, wird hier nicht überall auf Anhieb fündig.

Während der Islam das Glücksspiel grundsätzlich verbietet, gibt es durchaus einige Schlupflöcher, welche die Regierungen und die Tourismusbranche nutzen. Ägypten ist ein interessantes Beispiel.

Während die rund 90 Millionen Einwohner des Landes keinerlei Glücksspiel nachgehen dürfen, können Touristen in insgesamt 30 lizenzierten Spielbanken des Landes genau das tun.

Um den Ägyptern selbst den Zugang zu erschweren, werden in der Regel nur US-Dollar akzeptiert, ganz abgesehen von Identitätsprüfungen bei Eintritt. Online Casinos sind jedoch in jedem Fall illegal.

Casino Caraibe, Sousse, Tunesien

Casino Caraibe in Sousse, Tunesien (Bild: Wikimedia)

Tunesien ist ein weiteres Beispiel für ein weitgehend muslimisches Land, in welchem das Glücksspiel von religiöser Seite her verboten wird. Doch als beliebte Touristendestination macht auch diese Nation gern eine Ausnahme für Reisende. Die fünf offiziellen Casinos befinden sich daher in beliebten Küstenstädten wie Sousse oder Mezraia auf der Insel Djerba.

Auch Marokko setzt vermehrt auf seinen Casino-Tourismus. Das Land blickt sogar auf eine recht lange Glücksspiel-Geschichte zurück und trotz des vorherrschenden Islams wurde die Industrie nie gesetzlich verboten. Derzeit gibt es sieben landbasierte Casinos, welche sich auf Touristenstädte wie Agadir oder Marrakesch konzentrieren.

Afrikas Zukunft im Glücksspiel

In Europa wird Glücksspiel immer mehr zum Inbegriff der freien Entfaltung und der Markt boomt derzeit wie nie zuvor. Ob es darum geht, ein paar Münzen in eine Slot Machine zu werfen oder Wetttipps auf ein erfolgreiches Fußballteam abzuschließen, Spieler in Europa können dank einer immer besseren Regulierung von den Angeboten zahlreicher seriöser Online und Offline Anbieter profitieren.

Afrika hat diesbezüglich zum Teil noch einen weiten Weg vor sich und ohne Zweifel haben einige Länder größere Sorgen als die Legalität von Glücksspiel. Doch bereits jetzt ist die Casino-Branche des Kontinents sehr breit aufgestellt und mit Erfolg in verschiedenen Ländern vertreten.

Gerade weil die Casinos so sehr auf den Tourismus setzen, ist mit einem generellen Rückgang nicht zu rechnen. Ganz im Gegenteil ist zu erwarten, dass die Branche weiterhin aufblühen wird und mehr Länder das Glücksspiel per Gesetzgebung für legal erklären werden.