Türkei: Leak offenbart Geldwäsche im Millionen­wert auf Gaming-Plattform Twitch

Veröffentlicht am: 6. November 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 5. November 2021, 03:02 Uhr.

Die Gaming- und Streaming-Plattform Twitch wurde in der Türkei im großen Stil zur Geldwäsche genutzt. Dies brachte der Leak zutage, der Anfang Oktober die Einnahmen von Twitch-Streamern weltweit offengelegt hatte. So war deutlich geworden, dass diverse türkische Streamer mit teils nur zweistelliger Zuschauerzahl Tageseinnahmen von umgerechnet über 2.000 Euro generierten. Offenbar habe es sich bei den Zahlungen um einen Teil von Geldwäsche-Aktivitäten gehandelt, die über Jahre auf der Plattform gewachsen seien.

Türkische Lira Geldscheine
Über die Plattform Twitch sollen in der Türkei Gelder im Millionenwert gewaschen worden sein. (Quelle: pixabay.com/PublicDomainPictures)

Geldwäsche: Lukratives Nebengeschäft für Streamer

Lokalen Medien zufolge [Seite auf Englisch] sollen in den vergangenen zwei Jahren in der Türkei knapp 10 Mio. USD über die Streaming-Plattform Twitch gewaschen worden sein. Das Prinzip sei so simpel wie erfolgreich gewesen.

Vor rund einem Monat sorgte die Veröffentlichung interner Daten der Gaming- und Streaming-Plattform Twitch weltweit für Aufsehen. Unbekannte hatten die Einnahmen hunderter Streamer der letzten 26 Monate zugänglich gemacht. Unter den Betroffenen waren auch deutsche Größen wie MontanaBlack, der von August 2019 bis Oktober 2021 2,4 Mio. Euro über die Plattform generiert haben soll.

So hätten Kriminelle zumeist gestohlene Kreditkartendaten genutzt, um Streamern „Geldgeschenke“ in Form der Twitch-Währung Bit zukommen zu lassen. Die Streamer wiederum hätten die erhaltenen Beträge, abzüglich der Twitch-Abgaben und einer zuvor festgelegten Provision, als Echtgeld an die Initiatoren zurücktransferiert. Bei Überweisungen habe die Regelung meist 20 % für die Streamer vorgesehen. Krypto-Zahlungen seien mit 50/50 einträglicher gewesen.

Insgesamt sollen sich Hunderte Inhaber von Twitch-Kanälen auf die Anwerbungsversuche eingelassen haben. Diverse weitere Streamer teilten via Social Media Screenshots von Nachrichten, in denen auch sie für die Geldwäsche hatten akquiriert werden sollen. Welche Akteure hinter der Geldwäsche stehen, ist bislang öffentlich nicht bekannt.

Ruf nach Aufarbeitung

Ahmet “Jahrein” Sonuç ist mit rund 1,7 Followern einer der größten Twitch-Streamer der Türkei. Er weist darauf hin, dass die Twitch-Geldwäsche offenbar kein neues Thema sei:

Einige Streamer haben E-Mails geteilt, die sie bereits vor zwei Jahren von diesen Personen erhalten haben … Ich kann sagen, dass Twitch darüber informiert wurde.

Mittlerweile hat Sonuç die Kampagne „Clean Twitch“ ins Leben gerufen, die die lückenlose Aufklärung der Geldwäsche-Aktivitäten fordert. Diverse Streamer haben sich der Aktion angeschlossen.

Auch aus der Politik wird der Ruf nach einer Aufarbeitung lauter. So hat beispielsweise Gürsel Tekin, Abgeordneter der oppositionellen CHP, eine parlamentarische Anfrage zum Thema eingereicht.

Er gehe davon aus, dass organsierte Strukturen hinter den Geldwäsche-Aktivitäten auf Twitch steckten. Entsprechend müssten Finanzministerium und der Untersuchungsausschuss für Finanzkriminalität MASAK umgehend tätig werden.

Twitch selbst hält sich in Bezug auf die Vorwürfe bedeckt. So teilte ein Sprecher der Amazon-Tochter Medien gegenüber mit, dass der Missbrauch von Monetarisierungs-Tools verfolgt werde. Das Unternehmen zögere nicht, Schritte gegen Accounts einzuleiten, die gegen die Regeln verstießen. Zu künftigen Schritten zur Verhinderung von Geldwäsche via Twitch äußerte sich der Sprecher nicht.