Facebook prüft rechtliche Schritte gegen Glücksspielwerbung

Veröffentlicht am: 16. Oktober 2019, 02:56 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. Oktober 2019, 10:42 Uhr.

Facebook hat am Montag in Deutschland eine neue Kampagne gestartet, um sein Ansehen zu verbessern. Dazu gehört auch ein hartes Durchgreifen bei Verstößen gegen die geltenden Werberichtlinien. Facebook möchte in diesem Zusammenhang rechtliche Schritte gegen Glücksspielwerbung von The Spinner prüfen. Gestern wurde bereits die Seite des britischen Start-Ups auf Facebook gesperrt.

Facebook-Marketing
Glücksspielwerbung der Firma The Spinner verstößt gegen Facebook-Richtlinien (Bild:www.pixabay.com)

The Spinner bietet seinen Kunden Dienstleistungen an, die die Methoden des sogenannten „sniper marketing“ nutzen, um Menschen für bestimmte Themen empfänglich zu machen. Auf Social Media Webseiten, die die Zielperson häufig nutze, würden zahlreiche Titel mit entsprechenden Inhalten platziert, die von den Kunden in Auftrag gegeben würden.

Auch Privatpersonen können diese Dienste nutzen, um Verwandte und Familienangehörige unbewusst zu beeinflussen, sei es, um sie vom Rauchen abzubringen, oder von ihren Partnern mehr sexuelle Interaktionen zu bekommen.

Im vorliegenden Fall soll das britische Start-Up seine Unternehmensseite auf Facebook dazu genutzt haben, Menschen auf manipulative Art zum Spielen zu animieren.

Dazu wurde der Feed von gezielt ausgewählten Nutzern mit seriösen Nachrichtenartikeln geflutet, um ihr Verhalten zugunsten der Glücksspielbetreiber zu beeinflussen. Insbesondere Slot-Spieler sollten so dazu gebracht werden, sich häufiger auf den Online-Seiten anzumelden und um echtes Geld zu spielen.

Funktionierende Tricks manipulierender Werbung

Elliot Shefler, Pressesprecher der Firma The Spinner, sprach in einem Interview mit dem Forbes-Magazin (Seite auf Englisch) ganz offen darüber, wie die Dienste seines Unternehmens für diese Art der manipulativen Werbung genutzt werden. Moralische Bedenken habe er nicht, denn The Spinner biete nur das Marketing an. Die Online-Casinos würden die Spieler auswählen und seien für den Spielerschutz verantwortlich.

Sniper Approach Marketing

Beim Sniper Targeting wird eine Werbung für eine Zielperson oder eine bestimmte Zielgruppe erstellt.

Der größte Vorteil ist, dass der Erfolg gezielt nachverfolgt werden kann. Nicht nur kann man online genau verfolgen, wie oft die Werbung gesehen wurde, es lässt sich auch ersehen, wer das Angebot angenommen hat.

Zusätzlich können Firmen anhand von Cookies Personen, die zwar Interesse gezeigt haben, aber sich nicht für das angebotene Produkt oder den angebotenen Service entschieden haben, erneut mit Werbung locken.

Dieses Marketing scheint zu funktionieren. Die Spieler der so beworbenen Casinobetreiber würden sich laut Angaben von Elliot Shefler häufiger auf den Seiten anmelden und länger online bleiben, was den Betreibern höhere durchschnittliche Einnahmen pro Nutzer einbringe.

Strenge Richtlinien hinsichtlich Werbung bei Facebook umgangen

Facebook hat strenge Marketing-Richtlinien. Wer Werbeanzeigen auf Facebook oder Instagram schalten möchte, muss diese genau befolgen. Jede Werbung wird dabei von Facebook vor Freischaltung überprüft.

So ist es zum Beispiel nicht gestattet, einzelne Personen im sozialen Netzwerk anzusprechen oder personenbezogene Merkmale zu verwenden. Werbeanzeigen für Glücksspiel um echtes Geld bedürfen einer vorherigen schriftlichen Genehmigung und dürfen nicht an Personen unter 18 Jahren gerichtet sein.

The Spinner ist diesem Verfahren dadurch ausgewichen, dass es keine Werbeanzeigen geschaltet, sondern Nachrichtenartikel an Nutzer geschickt hat. Dazu sagte ein Facebook-Sprecher:

„Wir dulden keine unerwünschten Akteure, die versuchen, unsere Richtlinien zu umgehen, und negative Erfahrungen für die Menschen auf Facebook zu schaffen.“

Besonders Kinder und Jugendliche gefährdet

Facebook App auf Smartphone
Facebook kämpft um ein besseres Image (Bild: www.pixabay.com)

Erst letzte Woche war Facebook wieder in die Schlagzeilen geraten wegen des Umgangs mit Nutzerdaten. Durch die automatischen „Interesse“-Tags, die von Facebook mithilfe der Aktivitäten der Nutzer generiert werden, waren in Europa 740.000 Konten von Nutzern unter 18 Jahren wegen ihres Interesses am Glücksspiel markiert worden.

Obwohl das Social-Media-Unternehmen an Minderjährige gerichtete Glücksspiel-Werbung verbietet, könnte diese Klassifizierung durchaus von Firmen verwendet werden, um genau auf diese Gruppen abzuzielen. Nicht alle hätten aber negative Beweggründe. Auch Suchthilfe-Organisationen würden dies dafür nutzen, um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen.

Ein kürzlich von der British Advertising Standards Authority durchgeführtes Experiment ergab allerdings auch,

dass Kinder unter 13 Jahren online häufiger Glücksspielwerbung ausgesetzt seien als erwachsene Spieler mit bekannten Suchtproblemen. Zahlreiche Studien belegen, dass Personen unter 18 Jahren ein höheres Risiko für Glücksspielstörungen haben.

Seit Jahren bemüht sich Facebook, sein negatives Image abzulegen und seinen Nutzern mehr Transparenz zu bieten. Daher hat das Unternehmen auch nicht gezögert, in dem vorliegenden Fall eine Null-Toleranz-Politik zu wählen. Inwieweit weitere rechtliche Schritte Erfolg haben könnten, bleibt abzuwarten.