EU-Kommission untersucht Ladbrokes wegen virtueller Wetten in Belgien

Veröffentlicht am: 3. September 2020, 12:53 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. September 2020, 06:50 Uhr.

Die Europäische Kommission hat eine Untersuchung gegen den britischen Sportwettenanbieter Ladbrokes eingeleitet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtet hat, überprüfe die EU-Kommission, ob Ladbrokes durch den Erhalt einer belgischen Lizenz für virtuelle Wetten einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Glücksspielanbietern genossen habe.

Ein Tennisstadion
Hat Ladbrokes Vorteile beim Angebot von virtuellen Sportwetten in Belgien genossen? (Quelle: Pixabay)

Laut der Kommission hätten sich im März 2019 zwei Konkurrenten von Ladbrokes mit einer entsprechenden Beschwerde an die EU gewandt. Die Unternehmen vermuteten darin, dass die belgischen Behörden gegen EU-Recht verstießen, indem sie Ladbrokes Exklusivrechte für virtuelle Wetten einräumten.

Bei virtuellen Wetten werden Sportereignisse simuliert. Ein Zufallsgenerator bestimmt demnach über den Ausgang eines fiktiven Wettbewerbs, der nicht ohne die Teilnahme echter Akteure stattfindet. Für Wettende werden die Spiele meist in Form von Animationen aufbereitet. Zu den beliebtesten Wettbewerben gehören unter anderem Hunderennen, Pferderennen und Fußballspiele.

Nach Informationen der EU-Kommission habe Ladbrokes im Jahre 2014 die Genehmigung für virtuelle Wetten an landbasierten Wett-Terminals erhalten. Im Internet habe die Firma das Wettangebot ab März 2015 anbieten dürfen.

Andere Anbieter, die sich in den Jahren 2015 und 2016 ebenfalls um eine Lizenz für virtuelle Wetten beworben hätten, seien von der belgischen Glücksspielkommission abgewiesen worden. Die Glücksspielbehörde habe dies mit fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen begründet. Die Genehmigungen von Ladbrokes seien im selben Zeitraum jedoch nicht aufgehoben worden.

EU-Kommission sieht Handlungsbedarf

Die vorliegenden Informationen über den Genehmigungsprozess und die Beschwerde der Konkurrenz rechtfertigten eine eingehende Untersuchung der Beziehung zwischen Ladbrokes und der belgischen Glücksspielaufsicht, so die EU-Kommission am Mittwoch:

Gegenwärtig hat die Kommission Bedenken, dass die an Ladbrokes erteilte Genehmigung dazu geführt haben könnte, dass das Wettunternehmen seit 2014 de facto das ausschließliche Recht hat, virtuelle Wetten in Belgien zu betreiben (…). Die Maßnahme hat möglicherweise den Wettbewerb verzerrt, und die Kommission hat Zweifel daran, dass sie den EU-Vorschriften für staatliche Beihilfen entspricht.

Die Kommission werde nun alle Anfangsverdachte überprüfen und entscheiden, ob sich die Vermutungen bestätigten. Dem belgischen Staat, den Beschwerdeführern sowie Drittparteien werde währenddessen die Chance eingeräumt, sich zum Sachverhalt zu äußern.