Online-Casino-Boom in Schweden – Spielbanken in Gefahr?

Veröffentlicht am: 2. September 2021, 01:34 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. September 2021, 01:34 Uhr.

Seit der Legalisierung von Online-Casinos in Schweden im Januar 2019 ist der regulierte Online-Glücksspiel-Markt rasant und stetig gewachsen. Den am Mittwoch von der Glücksspiel-Behörde Spelinspektionen veröffentlichten Zahlen zufolge hat sich dieser Trend auch im zweiten Quartal 2021 fortgesetzt [Seite auf Schwedisch].

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Schwedens Online-Glücksspiel-Anbieter verzeichneten in Q2 ein erneutes Umsatzwachstum (Bild: Flickr/BagoGames/CC BY 2.0)

In ihrer Gesamtheit hätten die lizenzierten Glücksspiel-Anbieter in Q2 knapp 6,5 Mrd. SEK (umgerechnet 637 Mio. Euro) Nettoumsatz generiert. Dies sei ein Anstieg um 4,2 % im Vergleich zu Q1 2021 und ein Anstieg um 10 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Das erneute Gesamtwachstum des Marktes sei dabei fast allein dem Online-Glücksspiel-Sektor geschuldet, der mittlerweile knapp zwei Drittel der Gesamtumsätze generiere.

In Q2 2021 hätten die rund 100 lizenzierten Online-Casinos und Online-Buchmacher insgesamt 4,11 Mrd. SEK (umgerechnet 402 Mio. Euro) Umsatz erzeugt. Dieser liege zwar knapp 2 % unter den Umsätzen des Rekord-Quartals Q4 2020, aber 4,4 % über den Umsätzen aus Q2 2021.

Für schwedische Online-Casinos gelten seit Juli 2020 verschärfte Regeln in Bezug auf Einsatzhöhen und Boni. Um einem zu starken Anstieg der Online-Glücksspiel-Beteiligung während der Corona-Krise vorzubeugen, hatte Sozialversicherungsminister Ardalan Shekerabi wöchentliche Einzahlungslimits von 5.000 SEK (490 Euro) und eine Bonusbegrenzung von 100 SEK (9,80 Euro) eingeführt. Diese sollen noch mindestens bis zum Jahresende gelten. Ausgenommen sind Buchmacher für Sport- und Pferdewetten.

Neben dem Online-Glücksspiel-Sektor konnten auch die Lotterien erneut gestiegene Umsätze verbuchen. Die von der Nationallotterie betriebenen Lottospiele und sogenannten „Värdeautomater“ [Spielautomaten, die Gewinne in Form von Gutscheinen und ähnlichem auszahlen] hätten insgesamt 1,4 Mrd. SEK (137 Mio. Euro) Nettoumsatz generiert. Dies stelle einen Anstieg von 0,57 % im Vergleich zu Q1 dar.

Die Nullen der Casinos Cosmopol

Die Wirtschaftslage im landbasierten Glücksspiel-Sektor Schwedens hingegen scheint deutlich schlechter auszusehen. So seien die Nettoumsätze der Bingo-Hallen sowie der Betreiber von Spielautomaten im Gastgewerbe mit 44 Mio. respektive 5 Mio. SEK (4,31 Mio. bzw. 490.000 Euro) in Q2 gänzlich unverändert geblieben.

Keine Veränderung habe es auch bei den staatlichen Casinos Cosmopol gegeben, die aufgrund fortwährender Schließungen erneut ein umsatzloses Quartal hätten erleiden müssen. Für eines der vier Casinos, das Casino Cosmopol in Sundsvall, hatte dies bereits letztes Jahr das Aus bedeutet. Für das Casino, welches schon seit Jahren sinkende Umsätze verbucht habe, habe sich eine Wiedereröffnung nach den ersten Corona-bedingten Schließungen nicht mehr gelohnt. Auf der Webseite des Casinos ist zu lesen:

Aufgrund der konstant kleiner werdenden Kundschaft ist das Casino in Sundsvall nicht länger profitabel und es ist daher nicht mehr wirtschaftlich zu rechtfertigen, das Geschäft weiterhin zu betreiben.

Ob sich die verbleibenden drei Casinos in Stockholm, Malmö und Göteborg von der anhaltenden Krise erholen werden, bleibt zunächst abzuwarten. Mit der Legalisierung des Online-Glücksspiels haben auch diese Casinos zum Teil kein neues Wachstum mehr verzeichnen können.