Ein schlechter Scherz? Glücksspiel-Firma verbannt Komiker

Veröffentlicht am: 22. Juli 2019, 12:56 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 22. Juli 2019, 01:07 Uhr.

Das US-amerikanische Unterhaltungsunternehmen Caesars Entertainment hat den bekannten US-Komiker Doug Stanhope aus all seinen Casinos und Hotels verbannt. Wie Stanhope am Samstag via Twitter mitteilte, seien von ihm geschriebene Rezensionen auf den Bewertungsportalen Yelp und TripAdvisor womöglich der Grund für den Ausschluss.

Doug Stanhope mit Mikro auf der Bühne
Doug Stanhope ist für seinen rauen Humor bekannt. (Quelle: YouTube)

Stanhope verfasste im Februar 2019 zwei negative Bewertungen über das zur Caesars-Gruppe gehörende Rio All-Suite Hotel & Casino, welches seit 2005 auch die World Series of Poker ausrichtet.

In der Yelp-Bewertungen heißt es unter anderem (Link auf Englisch):

„Im Rio fühlt man sich wie im Jahr 1986. Ich meine, es ist, als würde man 33 Jahre später noch seinen Ford Tempo 1986 fahren, der mit Isolierband und chirurgischem Netz zusammengehalten wird und auf verrosteten Felgen fährt. Vegas ist nicht mehr das, was es früher war und jeder, der in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten hergekommen ist, kann dies bestätigen. Das Rio ist nicht einmal mehr das, was es war, als sie ihre Expedia-Seite zuletzt aktualisiert haben.“

 

Caesars versteht keinen Spaß

 

Bei den Verantwortlichen von Caesars Entertainment scheint die öffentliche Kritik am Hotelstandard des „Rio“ nicht für kitzelnde Zwerchfelle gesorgt zu haben.

Laut einem angeblich an Stanhope gerichteten Brief des Caesars-Managements, den der Komiker am Wochenende auf seiner Twitter-Seite teilte, sei dieser nicht länger in den Hotels und Casinos des Konzerns willkommen.

Wer ist Doug Stanhope?

Doug Stanhope ist ein US-Komiker, der vor allem für seinen schwarzen Humor bekannt ist. Das Spektrum seiner Themen ist breit. So spricht Stanhope auf der Bühne sowohl über die Unausweichlichkeit des Todes also auch über die Sinnlosigkeit des Seins. Neben mehreren Stand-up-Specials und Gastauftritten in TV-Serien wie „Roseanne“ und „Louie“, ist Stanhope auch als Autor tätig. Das Vorwort zu seinem autobiografischen Bestseller „Digging Up Mother: A Love Story“ schrieb niemand Geringeres als Schauspiel-Star Johnny Depp, der seit Jahren mit Stanhope befreundet ist.

In Europa wurde Stanhope als satirischer US-Korrespondent der BBC-Show „Charlie Brookers Weekly Wipe“ bekannt.

Der Ausschluss gelte überdies für alle Tochterunternehmen und deren Einrichtungen, zu denen unter anderem das Planet Hollywood Resort & Casino, das Rio All-Suite Hotel & Casino, das Flamingo und das Caesars Hotel gehörten.

Weiter heißt es in dem Dokument, dass Caesars Entertainment alle nötigen Schritte ergreifen werde, um Stanhope davon abzuhalten, zukünftig irgendeines der Casinos oder Hotels zu betreten. Nötigenfalls werde die Firma sogar rechtliche Schritte ergreifen. Zudem wird in dem nicht verifizierten Brief mit der Einbehaltung etwaiger Spielgewinne gedroht.

 

Komiker und Las Vegas: eine Hass-Liebe

 

Als Mekka für Glücksspiel war Las Vegas stets ein Anziehungspunkt für Komiker. Kein Wunder, musste die Stadt doch auch abseits der Spieltische Unterhaltung bieten, um Touristen bei Laune zu halten.

Dafür engagierten die Casinos und Hotels nicht nur Sänger, Magier und Tänzer, sondern auch Komiker. Häufig fanden diese in Las Vegas ein sicheres Einkommen und eine Abwechslung zum unsteten Leben auf Tour.

Doch das scheinbare Glamour-Leben von Las Vegas und die Verbindung von Kunst und Geschäft endeten nicht immer erfolgreich. So performte der legendäre Komiker George Carlin über Jahre als Star im MGM Grand Hotel.

Eine Tatsache, die sich allerdings im Jahre 2004 ändern sollte. Nach einem erfolglosen Auftritt stellte Carlin den Intellekt der anwesenden Show-Besucher infrage und äußerte sich abschätzig über die Casino-Industrie, die es nur auf das Geld der Touristen abgesehen habe.

Die Folge: Nach der missglückten Darbietung entließ MGM Grand Carlin, der sich nur zwei Wochen später zur Behandlung in eine Suchtklinik einliefern ließ.

Ein ähnliches Schicksal erlitt Richard Pryor, der noch heute als Inspiration für viele junge Komiker gilt. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Las Vegas trat der Komiker im Jahre 1967 ein letztes Mal auf die Bühne des Aladdin Hotel, warf einen Blick auf den ausverkauften Saal und verließ ihn mit den Worten: „Was zur Hölle mache ich hier!?“