Sunderlands neue Spielsuchtklinik könnte tausenden Spielsüchtigen helfen

Veröffentlicht am: 11. Januar 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. Januar 2020, 12:32 Uhr.

Seit Mittwoch ist in der nordenglischen Stadt Sunderland die dritte britische Spielsuchtklinik geöffnet. In der „Beacon of Light Clinic“ sollen Spielsüchtige ab sofort wirksame psychologische und psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen können.

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Tausende Spielsüchtige könnten von klinischen Hilfsangeboten profitieren (Bild: Piqsels)

Ein ehemaliger Spielsüchtiger, dessen krankhaftes Spielverhalten in einer Gefängnisstrafe gipfelte, erklärt im Interview mit dem Sunderland Echo, wie wichtig klinische Hilfsangebote sein könnten und schildert seine eigene Erfahrung mit der Abhängigkeit vom Glücksspiel.

Therapie als einziger Ausweg

Immer mehr Briten benötigen professionelle Hilfe, um der Spirale des exzessiven Glücksspiels zu entkommen.

Das englische Gesundheitssystem (NHS England) hat daher angekündigt, innerhalb der nächsten Jahre mindestens 14 neue Spielsuchtkliniken zu eröffnen. Für viele Spielsüchtige kann dies der entscheidende Ausweg aus der Krankheit sein.

Laut Schätzungen des NHS leiden zirka 400.000 Briten an einer ausgeprägten Spielsucht. Mindestens weitere zwei Millionen zählten hingegen zu sogenannten „Risikospielern“, deren Spielverhalten ausarten könnte. Auch sollen mindestens 55.000 Minderjährige von problematischem Glücksspiel betroffen sein.

Für Steve Ramsey (53), einen ehemaligen Mitarbeiter einer städtischen Finanzverwaltung in Nordengland, wäre die Hilfe beinahe zu spät gekommen.

Was vor zehn Jahren mit einer harmlosen Sportwette begann, brachte ihn in den finanziellen Ruin und ins Gefängnis.

Spielsucht, Diebstahl und Haft

Ramsey hatte im Rahmen seiner Tätigkeit als Finanzangestellter die Stadtverwaltung um insgesamt 192.000 GBP (226.120 Euro) betrogen.

Statt auf Zahlungserinnerungen und Rechnungen die Kontodaten der Stadt anzugeben, übermittelte er seine eigenen Kontodaten. Das gesamte gestohlene Geld gab er dann für Online Sportwetten aus.

Seine Tat blieb über Jahre unbemerkt, bis er sich schließlich aus eigenem Antrieb seinem Arbeitgeber und der Polizei stellte. Ein Gericht verurteilte ihn zu 27 Monaten Haft. Nach 10 Monaten wurde er jedoch bereits entlassen.

Ramsey spricht heute offen über seine Geschichte [Seite auf Englisch]. Er sagt, dass er pro Tag bis zu 500 verschiedene Online Wetten platziert habe und schätze seine Gesamteinsätze auf gut 1 Million Pfund.

Er hoffe, dass die Klinik in Sunderland künftig andere Menschen vor einem ähnlichen Schicksal bewahren könne. Über die Klinik sagt er:

Ich freue mich sehr darüber, dass sie jetzt geöffnet ist und es noch weitere geben wird. Wenn sie auch nur eine Person davor bewahren können, das zu durchleben, was mir passiert ist, ist das in meinen Augen ein Erfolg.

Ob die neuen Kliniken dabei helfen werden, die Zahl der Spielsüchtigen zu reduzieren, bleibt abzuwarten.