Diskriminierung bei Riot Games? Kalifornische Behörde zieht vor Gericht

Veröffentlicht am: 15. Juni 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. Juni 2019, 02:36 Uhr.

League of Legends Entwickler Riot Games Inc. soll weibliche Angestellte systematisch diskriminiert und schlechter bezahlt haben als ihre männlichen Kollegen. Nun will das kalifornische Department of Fair Employment and Housing (DEFH) den Spieleentwickler per Gerichtsbeschluss dazu zwingen lassen, seine Gehaltslisten offenzulegen. Der Konzern fühlt sich ungerecht behandelt.

Riot Games Hauptquartier
Riot-Hauptsitz in Los Angeles: Schlechtere Bezahlung für Frauen? (Quelle:Chris Yunker, licensed under CC BY-SA 2.0)

Verweigerte Kooperation

Das DEFH hat am Donnerstag Vollstreckungsklage gegen den Spieleentwickler Riot Games Inc. eingereicht. Der in Los Angeles ansässige League of Legends-Macher habe sich geweigert, dringend benötigte Unterlagen zur Verfügung zu stellen, so das Ministerium in einer Pressemeldung.

Das DEFH ermittelt gegen den Milliardenkonzern wegen des Verdachts auf ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz, Vergeltungsschläge und geschlechtsbezogener Diskriminierung.

Dass die Behörde nun juristische Schritte einleite, sei die logische Konsequenz aus der mangelnden Kooperation des Konzerns bei den Ermittlungen, erklärt Kevin Kish, Direktor des DFEH:

Das DFEH hat weitreichende Befugnis, potenzielle Verstöße gegen die kalifornischen Bürgerrechtsgesetze zu untersuchen. Diese ähneln dem Verfahren vor einer Grand Jury. Wenn Unternehmen es versäumen, bei unseren Ermittlungen, zu denen auch investigative Vorgänge gehören, freiwillig zu kooperieren, wird das DEFH sein Recht nutzen, die Unterstützung der Gerichte zu suchen. Hiermit stellen wir sicher, dass unseren Ermittlungen relevante Beweise zugrunde liegen und sie ohne unnötige Verzögerung abgeschlossen werden.

Artikel deckt Diskriminierung bei Riot Games auf

In den laufenden Ermittlungen untersucht das DFEH den Verdacht, die Unternehmenskultur von Riot Games sei von Sexismus und Diskriminierung geprägt. Erstmals in den Blick der Öffentlichkeit gerieten die Vorwürfe im August 2018.

Damals erschien auf der auf Gaming-Berichterstattung spezialisierten Webseite kotaku.com ein ausführlicher Bericht, der die Situation im Unternehmen beleuchtete.

Die Bilanz: Bei Riot Games herrsche eine sogenannte „Bro-Kultur“, die Frauen systematisch diskriminiere und es ihnen nahezu unmöglich mache, in Führungspositionen aufzusteigen. Explizite sexuelle Anspielungen stünden ebenso auf der Tagesordnung, wie das systematische Übergehen von Vorstößen weiblicher Angestellter.

Nachdem der Artikel öffentlich hohe Wellen geschlagen hatte, bat Riot um Entschuldigung und gelobte Besserung.

Klagen und Streik wegen Diskriminierung bei Riot Games

Im November 2018 reichten zwei ehemalige Riot-Mitarbeiterinnen Klage gegen den Spieleentwickler ein. Aufgrund ihres Geschlechts seien ihnen Beförderungen und gleiche Bezahlung vorenthalten worden, so der Vorwurf. Zudem sei die Unternehmenskultur von Macho-Attitüden und Frauenfeindlichkeit durchsetzt gewesen.

Riot Games wurde im Jahr 2006 in Los Angeles von Marc „Tryndamere“ Merrill und Brandon „Ryze“ Beck gegründet und wurde 2015 vom chinesischen Konzern Tencent übernommen.

Riot Games Logo
Riot Games wurde mit League of Legends erfolgreich (Quelle:Riot Games, licensed under CC BY-SA 4.0)

2009 brachte das damalige Indie-Label Riot die Multiplayer online battle arena (MOBA) League of Legends heraus. Der Umsatz des Spiels, das durch Mikrozahlungen unterstützt wird, lag im Jahr 2018 bei rund 2,1 Milliarden US-Dollar. Damit ist League of Legends das derzeit kommerziell erfolgreichste Free-to-play-Game der Branche.

Einen weiteren Höhepunkt erfuhr die Causa Riot dann Anfang Mai 2019. Der Konzern hatte versucht, das laufende Verfahren mit Hinweis auf eine Klausel im Arbeitsvertrag der Klägerinnen zu unterbinden.

Der betreffende Passus verpflichtet den Arbeitnehmer, sich bei Problemen an eine außergerichtliche Schlichtungsstelle zu wenden. Faktisch soll es Riot-Mitarbeitern somit untersagt sein, den Spielentwickler juristisch zu belangen.

Nach Bekanntwerden der Strategie des Unternehmens im anhängigen Verfahren protestierten 150 Riot-Mitarbeiter vor dem Hauptsitz des Konzerns in Los Angeles gegen die vertragliche Zwangsschlichtungsklausel. Es soll der erste Streik der Gaming-Brache überhaupt gewesen sein.

Riot Games „enttäuscht“ über DEFH

Logo DFEH
Riot Games fühlt sich von der DFEH ungerecht behandelt (Quelle:dfeh.ca.gov)

Mit der nun eingereichten Vollstreckungsklage der DEFH geraten Riot und seine Unternehmenskultur erneut unter Druck und in den Fokus der Öffentlichkeit.

In einem ersten Statement der Seite Dot Esports gegenüber äußerte der Spieleentwickler seine „Enttäuschung“ bezüglich des aktuellen Vorgehens der Behörde:

Man habe bei den Ermittlungen stets aktiv kooperiert und in regem Austausch mit der DEFH gestanden. Demgegenüber seien Gesprächsangebote unbeantwortet geblieben. Man sehe aber positiv in die Zukunft, da man grundlegende Fortschritte in Sachen Diversität gemacht habe. Diese stelle man dem DEFH gegenüber gern unter Beweis.

Unruhige Zeiten für Riot Games

Vorwürfe von Diskriminierung und Ungleichbehandlung sind oft nur schwer zu belegen, da sie sich meist im zwischenmenschlichen Bereich abspielen und somit von Interpretationen abhängig sind.

Lohnlisten beispielsweise erlauben hingegen objektive Analysen und den direkten Vergleich zwischen der Bezahlung männlicher und weiblicher Angestellter.

Wann genau das zuständige Gericht eine Entscheidung bezüglich der Klage der DEFH zur Herausgabe der zurückgehaltenen Dokumente fällen wird, ist bislang nicht bekannt. Es spricht allerdings einiges dafür, dass Riot Games weiterhin unruhige Zeiten bevorstehen könnten.