And the Winner is: Die Oscar-Favoriten der Buchmacher

Veröffentlicht am: 24. Februar 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. Februar 2019, 10:32 Uhr.

Heute Abend richten sich die Blicke von Millionen Fernsehzuschauern und Filmfans auf Hollywoods Dolby Theatre, wo die begehrten Oscars verliehen werden. Wenn es nach den Wettbüros geht, dürften zwei US-Filme bei der Preisverleihung groß abräumen. Dazu hat auch ein deutscher Beitrag Chancen auf den begehrten Preis

Oscar-Verleihung, roter Teppich
Heute Abend werden in Hollywood die Oscars verliehen (Bild: Wikipedia)

Im Rennen um die großen Gewinner des Abends sehen Experten und Buchmacher die beiden Filme “Roma” und “The Favourite” weit vorne: Sie sind jeweils zehnfach nominiert. An den niedrigen Wettquoten für diese Streifen zeigt sich, dass auch die Wettanbieter diesen Favoriten große Gewinnchancen geben.

Wer darf jubeln?

Bei der Bestimmung des Topfavoriten setzen die Buchmacher auf “Roma”, der bei ihnen in den meisten Kategorien in Führung liegt. So bekommt das Werk in den besonders wichtigen Bereichen

  • “Bester Film” (1:1,42)
  • “Beste Regie” (1:1,05)
  • “Beste Kamera” (1:1,05)
  • “Bester fremdsprachiger Film” (1:1,05)

die mit Abstand niedrigsten Quoten. “The Favourite” liegt hingegen nur bei der Wahl zum “Besten Drehbuch” (1:1,53) vorne.

Debatte um “Roma”-Nominierung
Seit Bekanntgabe der Nominierungen im Januar hat es in der Branche heftige Diskussionen um die Auswahl gegeben. Stein des Anstoßes ist die Nominierung des Films “Roma”, der von dem Streamingdienst Netflix produziert wurde. Nach Ansicht der Kinobetreiber und vieler Filmschaffender handelt es sich bei dem Werk um keinen Kinofilm im eigentlichen Sinne.

“Roma” wurde nur in wenigen Kinos gezeigt und scheint damit nicht die Zugangskriterien für die Aufnahme ins Oscar-Rennen zu erfüllen. Die Oscar Academy ließ sich von den Bedenken jedoch nicht beeindrucken und nominierte das Werk gleich zehnfach für den Preis.

Auch wenn es darum geht, die besten weiblichen und männlichen Hauptdarsteller zu küren, haben die Buchmacher eindeutige Favoriten: Bei den Frauen liegen

  • Glenn Close (“The Wife”, 1:1,15)
  • Olivia Coleman (“The Favourite”, 1:6,00)
  • Lady Gaga (“A Star is Born”, 1:21,0)

für ihre Darbietungen vorne, wobei Letzterer nur sehr geringe Chancen eingeräumt werden.

Bei den Männern darf sich Freddy Mercury-Darsteller Rami Malek durchaus berechtigte Hoffnungen auf den Gewinn der goldenen Statue machen:

  • Rami Malek (“Bohemian Rhapsody”, 1:1,18)
  • Christian Bale (“Vice”, 1:5,00)
  • Bradley Cooper (“A Star is Born”, 1:21,0)

Wie treffsicher die Buchmacher mit ihren Voraussagen sind, zeigte sich im letzten Jahr, als sie in vielen Kategorien die späteren Sieger sicher prognostizierten. In wenigen Stunden wird sich zeigen, ob dies auch 2019 der Fall sein wird.

Show ohne Moderator
2019 kommt es zu einem Novum in der jüngeren Geschichte der Oscar-Verleihung, denn die Veranstaltung wird erstmals seit mehr als 30 Jahren von keinem Moderator begleitet.

Ursprünglich war der Comedian Kevin Hart für die 91. Verleihung vorgesehen. Nachdem eine Reihe homophober Tweets aus den Jahren 2009 und 20011 veröffentlicht wurden, hagelte es Kritik an dem Vorhaben. Hart trat deshalb von sich aus zurück und die Organisatoren verzichteten darauf, einen Ersatz zu bestimmen.

Vielleicht lenkt das Musikprogramm von dem fehlenden Moderator ab. Dabei zollen die Veranstalter dem Favoriten für die beste männliche Hauptrolle indirekt Respekt, denn sie luden die verbleibenden Mitglieder der Band Queen ein, im Rahmen der Oscar-Show aufzutreten.

Deutscher Film mit Außenseiterchancen

Plakat "Werk ohne Autor"
Geht ein Oscar nach Detuschland? (Bild: Walt Disney Studios)

In diesem Jahr ist erstmals seit einigen Jahren wieder ein deutscher Beitrag im Rennen um die wichtigsten Preise: Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck ist mit dem Film “Werk ohne Autor” gleich zweifach nominiert. So darf er sich Chancen darauf ausrechnen, in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” erneut einen Oscar zu gewinnen.

Dieses Kunststück war ihm bereits 2007 gelungen, als sein Stasi-Drama “Das Leben der Anderen” überraschend mit dem Preis ausgezeichnet worden war. Er wäre der erste Regisseur, der die Trophäe in dieser Kategorie zweimal gewinnt. Seine Chancen werden allerdings nicht sehr hoch eingeschätzt: Die Buchmacher geben dem Film nur eine Quote von 1:51.

Allerdings hätte die Crew des Regisseurs nachher gleich zweifach Gelegenheit, als Preisträger auf die Bühne gebeten zu werden. Die Academy nominierte ihn nämlich ebenfalls in der Kategorie “Beste Kamera”. Wie bei der Wahl zum “Besten fremdsprachigen Film” hat das Werk jedoch auch bei der Kameraführung nur Außenseiterchancen: Die Quote liegt ebenfalls lediglich bei 1:51.

Doch keine Verkündung von Gewinnern während der Werbepausen

In den USA überträgt der Sender ABC wieder die Veranstaltung. Über die Live-Übertragung hatte es im Vorfeld Streit gegeben, denn die Oscar-Academy hatte ursprünglich vorgehabt, in diesem Jahr erstmals auch während der Werbepausen Trophäen zu vergeben.

Angesichts der massiven Kritik an den Plänen, die Gewinner von immerhin vier Kategorien (“Beste Kamera”, “Bester Kurzfilm”, “Bester Schnitt” und “Bestes Kostüm”) auszuschließen, ruderte die Academy jedoch zurück. Sie versprach, dass sämtliche Preisträger live im TV zu sehen sein werden.

Damit war der öffentlich geäußerte Unmut von Star-Regisseuren wie Quentin Tarantino und Martin Scorsese von Erfolg gekrönt. Zu den Profiteuren der revidierten Entscheidung könnte unter anderem Florian Henckel von Donnersmarck in der Kategorie “Beste Kamera” gehören.

Deutsche Filmfans können sich am Sonntagabend bei Pro7 mit dem mehrfach Oscar-prämierten Film “La La Land” auf die Verleihung einstimmen, ehe um 22.55 der “Oscar-Countdown” bei dem Sender beginnt. Um 2.00 Uhr wird dann live nach Los Angeles geschaltet, wo Steven Gätjen, Annemarie Carpendale und Viviane Geppert den Zuschauern einen optimalen Blick auf das Geschehen am roten Teppich geben.