Deutsche Fußball­nationalmannschaft verliert auch gegen Frankreich

Veröffentlicht am: 17. Oktober 2018, 11:08 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Oktober 2018, 10:24 Uhr.

Das deutsche Team kann in der Nations League einfach nicht gewinnen. Nach der Niederlage gegen Holland am vergangenen Samstag verlor die Mannschaft am Dienstagabend gegen Frankreich – dieses Mal mit 1:2.

Stadion (Bild: Wikipedia)
Auch in Paris setzte es für die Nationalmannschaft eine Niederlage (Bild: Wikipedia)

Die auf vier Positionen veränderte deutsche Mannschaft spielte besonders in der ersten Hälfte mutig nach vorne und stand dabei hinten sicher. Die Deutschen kamen besonders zu Beginn zu zahlreichen Chancen, die jedoch nicht in Tore umgemünzt werden konnten, ehe Toni Kross einen Handelfmeter mit etwas Glück in der 14. Minute erfolgreich verwandelte.

Nach dem frühen Rückstand wachten die Franzosen auf und übernahmen zunehmend die Regie. Doch es dauerte bis weit in die zweite Hälfte, ehe Griezmann mit einem Kopfballtor der Ausgleich gelang.

Danach war die Partie offen, mit guten Chancen auf beiden Seiten. Doch es oblag schließlich den Franzosen, den Führungstreffer zu erzielen. Wieder hieß der Torschütze Griezmann, der einen umstrittenen Foulelfmeter in der 80. Minute verwandelte und damit den Sieg des Weltmeisters perfekt machte.

Löw verschafft sich trotz des 1:2 vorerst Luft

Trotz der Niederlage dürfte Jogi Löw vorerst gestärkt aus der aufgeflammten Trainerdiskussion hervorgehen. Grund dafür sind die zahlreichen Umstellungen, die er nach der Niederlage gegen Holland in der Mannschaft vornahm, und die sofort positive Impulse setzten. Löw sagte nach dem Spiel in der ARD:

“Ich bin über das Ergebnis enttäuscht. Das 1:2 hätte nicht sein müssen. (…) Wir sind für das sehr gute Spiel nicht belohnt worden. Nach dem 0:3 gegen die Niederlande war klar, dass wir Veränderungen vornehmen müssen. Diese Entscheidungen habe ich aus voller Überzeugung getroffen.”

Mit Thilo Kehrer, Nico Schulz und dem nachnominierten Serge Gnabry waren gleich drei Spieler auf dem Platz, die ihren ersten oder zweiten Startelf-Einsatz feierten. Damit führte Löw endlich die von ihm nach der missratenen Weltmeisterschaft angekündigten “tiefgreifenden Veränderungen” durch.

Die Neuen brachten die schon lange ersehnte Dynamik in das deutsche Spiel. Zudem brillierte der bei der WM nicht berücksichtigte Leroy Sané gemeinsam mit Timo Werner und Serge Gnabry in der Offensive, was dem deutschen Angriff neue Kraft verlieh.

2018 – die schlechteste Bilanz aller Zeiten
Für den Bundestrainer, die Mannschaft und Millionen von Fans ist 2018 ein Jahr zum Abgewöhnen. Mit bereits sechs verlorenen Matches hagelte es so viele Niederlagen wie noch nie. Vergleichbar schlechte Zeiten liegen über 30 Jahre zurück: 1985 gab es fünf Niederlagen. Bisher stehen im Jahr 2018 bei elf Spielen den sechs Pleiten zwei Unentschieden und lediglich drei Siege gegenüber. Letztere wurden dabei mit jeweils nur einem Tor Vorsprung gegen die eher zweitklassigen Teams aus Saudi-Arabien, Schweden und Peru erzielt.

In der Tabelle steht das Team von Jogi Löw nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden mit nur einem Punkt aus drei Spielen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Für die erfolgsverwöhnten Deutschen ist das eine ungewohnte Position, zumal nun der direkte Abstieg aus der Eliteklasse der Nations League droht.

Wenn die Nationalelf am letzten Spieltag am 19.11. in Gelsenkirchen nicht gegen die Niederlande gewinnen, steigt die Mannschaft ab – vorausgesetzt, dass die Holländer drei Tage zuvor nicht gegen Frankreich gewinnen oder unentschieden spielen. Angesichts des bedeutend besseren Torverhältnisses der Oranjes stünde der Abstieg bereits dann so gut wie fest.

Schlechte Chancenverwertung auf deutscher Seite

Ein Hauptgrund für den Niedergang ist die schlechte Torausbeute der deutschen Nationalmannschaft. In drei Matches kam das Team nicht über ein Tor hinaus; und dieses wurde von Toni Kroos per Elfmeter erzielt.

Trotz guter Chancen gelingt es den Spielern nicht, erfolgreich zu treffen. Sowohl bei den Partien gegen Frankreich als auch im Match gegen die Niederlande hatte sich die Mannschaft zahlreiche hervorragende Chancen herausgearbeitet, diese jedoch nicht ein einziges Mal verwerten können.

Nun rächt sich vielleicht, dass das Team schon seit Jahren über keinen “echten” Mittelstürmer mehr verfügt, der über direkten Zug zum Tor und Durchsetzungsvermögen im Strafraum verfügt. Da zudem frühere Torgaranten wie Thomas Müller zurzeit keine große Gefahr vor dem gegnerischen Tor darstellen, ist die magere Ausbeute nicht verwunderlich.

Standards und Defensive weitere Schwachpunkte

Jogi Löw
Bundestrainer Jogi Löw (Bild: Wikipedia)

Es wäre jedoch falsch, den fehlenden Erfolg allein der Offensive der Deutschen anzulasten. Auch in der Defensive wackeln die Spieler mitunter beträchtlich. Insbesondere bei schnellen Gegenzügen und Kontern ist die deutsche Mannschaft anfällig; was maßgeblich zum frühen Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland beitrug.

Da die Innenverteidigung mit den WM-Helden von 2014, Jerome Boateng und Mats Hummels, in die Jahre gekommenen ist, sind hier dringend Alternativen gefragt. Mit über 30 Jahren fehlt es ihnen inzwischen an der nötigen Spritzigkeit, um gegen pfeilschnelle Spieler wie Kylian Mbappé zu bestehen.

Zudem werden gegen das deutsche Team immer wieder Tore nach Standardsituationen erzielt. Im Gegenzug gelingt dies den Mannen um Kroos und Neuer immer seltener. Dabei zeigen Teams wie England, Kroatien oder Frankreich ganz deutlich, wie wertvoll Situationen mit dem ruhenden Ball in des Gegners Hälfte sind. England brachte nicht zuletzt die Top-Verwertung von Standards wie Ecken und Freistößen bei der WM bis ins Halbfinale.

Ob nun Jogi Löw oder gegebenenfalls sein Nachfolger, es wird am Trainer liegen, neben neuen Spielern die aktuell bestimmenden Trends der erfolgreichen Teams im Weltfußball auch in der deutschen Nationalmannschaft fest zu verankern, damit ihr ein weiteres rabenschwarzes Jahr in Zukunft erspart bleibt.

Der gestrige couragierte Auftritt der Deutschen dürfte dafür sprechen, dass es vorerst Jogi Löw zufallen wird, das Team entsprechend aufzustellen.