Kehrtwende in Brasilien – Präsident Bolsonaro stellt sich gegen Legalisierung von Casinos

Veröffentlicht am: 29. März 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 27. März 2020, 02:22 Uhr.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro soll sich Berichten zufolge Mitte der Woche erneut gegen die Legalisierung von Casinos im Land ausgesprochen haben. Bei einem Interview in der beliebten TV-Show Progama Do Ratinho habe er erklärt, dass die Regierungsspitze sich dem landbasierten Glückspiel aufgrund der potentiellen Gefahren von Geldwäsche entgegenstelle.

Jair Bolsonaro
Brasiliens Präsident Bolsonaro erneut gegen Casinos (Bild: Governo do Estado de São Paulo)

Die Aussagen des Präsidenten scheinen eine radikale Kehrtwende seiner persönlichen Ansichten darzustellen. Erst wenige Wochen zuvor hatte er angemerkt, dass Brasilien, ebenso wie andere Länder, von einem gut regulierten Glücksspiel-Sektor nachhaltig wirtschaftlich profitieren könnte.

Journalisten zufolge liege der Verdacht nahe, dass der plötzliche Meinungsumschwung persönliche politische Hintergründe haben könnte. So erhalte der Präsident derzeit große Unterstützung der evangelischen Gemeinden des Landes. Diese seien bekennende Gegner des Glücksspiels.

Das Glücksspiel ist in Brasilien nur stark eingeschränkt legal. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die damals regierende sozialdemokratische Partei sämtliche Formen des Glücksspiels verboten. Die einzigen Ausnahmen stellten die staatliche Lotterie und Pferdewetten dar. Später kamen auch Sportwetten durch den staatlichen Monopolisten CAIXA hinzu. Da das Online-Glücksspiel im damals verabschiedeten Anti-Glücksspiel-Gesetz nicht berücksichtigt werden konnte, gilt dies heute weder als legal noch illegal.

Große Uneinigkeit über den Glücksspiel-Sektor

Andere Politiker des Landes befürworten die Legalisierung von Casinos dennoch weiterhin. Dazu zählen Vizepräsident Hamilton Mourão und der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Rodrigo Maia.

Beide hätten sich in jüngster Vergangenheit verstärkt dafür ausgesprochen, dass zwei oder drei Casino-Resorts an strategischen Standorten des Landes gebaut werden sollten, um die regionale sowie gesamtwirtschaftliche Situation aufzubessern.

Dem Vorsitzenden des Brasilianischen Institutes für Legales Glücksspiel (IJL) hingegen geht die Legalisierung der Casinos nicht weit genug. Im Februar sagte er der Presse gegenüber [Seite auf Englisch]:

Die Abgeordnetenkammer liegt völlig falsch in Bezug auf ihr Konzept für die Legalisierung des Glückspiels. Wenn man lediglich Integrated-Casino-Resorts legalisiert, wird die Kontrolle nicht einfacher, es wird nicht die Anzahl ausländischer Touristen steigern, es werden nicht so viele Arbeitsplätze geschaffen und keine Steuereinnahmen von 20 Mio. Real erreicht.

Das Errichten von nur zwei Integrated-Casino-Resorts könne maximal für Steuereinnahmen in Höhe von 2 Mio. Real (umgerechnet 359.800 Euro) sorgen. Das Potential des Landes jedoch sei viel höher, wenn auch andere Formen des Glücksspiels landesweit legalisiert würden.

Angesichts der aktuellen Ablehnung des Präsidenten, scheint die Aussicht darauf jedoch weiter zu schwinden. Ob es zumindest ein oder zwei Casinos im Land geben wird, bleibt vorerst abzuwarten.