Nach Prozess-Marathon: Frau erhält Anteil an Lotto­gewinn ihres ermordeten Vaters

Veröffentlicht am: 20. November 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. November 2021, 05:00 Uhr.

In Brasilien hat eine Frau nach einem 14-jährigen Prozess die Hälfte des Lotto-Vermögens ihres Vaters zugesprochen bekommen. Renné Senna hatte im Jahr 2005 umgerechnet 8,3 Mio. Euro im Lotto gewonnen. Zwei Jahre später war er aufgrund der millionenschweren Erbschaft im Auftrag seiner Frau ermordet worden. Nun erstritt sich Tochter Renata Senna die Hälfte seines Vermögens.

Renné Senna mit Freundin
Renné Senna mit seiner damaligen Freundin Adriana de Almeida. (Bild: playcrazygame.com)

Der Mord an ihrem Vater hatte 2007 tagelang die Titelseiten der brasilianischen Zeitungen bestimmt. Der von den Medien als Mega-Senna titulierte Renné hatte zwei Jahre zuvor den Jackpot der Mega-Sena-Lotterie geknackt. 2006 lernte er die Friseurin Adriana de Almeida [Seite auf Englisch] kennen und ging kurz darauf eine Beziehung mit ihr ein.

Zeugen zufolge begann es jedoch schon nach kurzer Zeit heftig zu kriseln, als Senna erfuhr, dass seine Freundin ihn um Geld betrogen habe. Daraufhin habe er seine Bank angewiesen, das gemeinsame Konto aufzulösen.

Für den zum Zeitpunkt seines Todes 52-jährigen Senna war der Lottogewinn ein wahrlich lebensveränderndes Ereignis. Geboren in ärmlichen Verhältnissen, verbrachte er einen Großteil seines Lebens als Farmer. Nachdem er an Diabetes erkrankte, wurden ihm beide Unterschenkel amputiert. Daraufhin begann der Mann mit Behinderung, seinen Lebensunterhalt als Straßenverkäufer zu verdienen, bis ihm der unverhoffte Reichtum zuteilwurde.

Zusätzlich angeheizt worden sei der Konflikt nach Aussage von Tochter Renata durch Sennas Wunsch, de Almeida aus seinem Testament zu streichen. Nur wenige Wochen später wurde der Mann in seinem Heimatort Rio Bonito erschossen: Im Januar 2007 eröffneten zwei maskierte Männer in einer Bar in der 80 Kilometer von Rio de Janeiro entfernten Stadt das Feuer auf Senna. Dieser erlag später seinen Schussverletzungen.

20 Jahre Haft für die Freundin

Die Ermittler sahen es damals als erwiesen an, dass Sennas Freundin den Mordauftrag erteilt habe, um ihr Erbe zu sichern. Obwohl de Almeida die Tat abstritt, verurteilte sie ein Gericht nach mehreren Revisionen zu einer 20-jährigen Haftstrafe.

Für Renata Senna begann danach der Prozess-Marathon um die Erbschaft. Obwohl ein Gericht im Jahr 2016 alle Rechtsansprüche der ehemaligen Freundin annullierte, musste die Tochter lange um ihr Recht kämpfen. Grund dafür waren neben einem Einspruch von de Almeida weitere Klagen der neun Brüder des Toten. Auch sie pochten auf ihren Anteil an dem Vermögen, welches mittlerweile auf knapp 14 Mio. Euro angewachsen war.

Nachdem ein weiteres Gericht den Brüdern bescheinigte, dass Renatas Anspruch nicht rechtsgültig sei, kam es im vergangenen Herbst zur endgültigen Entscheidung. Ende Oktober fällten die Richter das Urteil, dass der Tochter 50 % des Erbes zustehen.

Um die andere Hälfte streiten sich weiterhin die Brüder und die in Haft sitzende Ex-Frau. Ein Ausgang dieses Konfliktes ist derzeit nicht abzusehen. Tochter Renata darf sich Medienangaben zufolge jedoch nach Zahlung der fälligen Steuern auf eine bevorstehende Millionenüberweisung freuen.