Schockierendes Geständnis: Profi-Boxer Ted Cheeseman über seine Spielsucht

Veröffentlicht am: 28. April 2020, 03:20 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. April 2020, 03:20 Uhr.

Der britische Box-Champion im Super-Weltergewicht Ted Cheeseman (24) hat gegenüber BBC Sport zum ersten Mal öffentlich über seine jahrelange Spielsucht gesprochen. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht schildert er [Seite auf Englisch], wie er vor über einem Jahr den absoluten Tiefpunkt seiner Sucht erreicht habe, bevor er mithilfe von Spielsucht-Hilfsorganisationen wie GamblersAnonymous einen Ausweg gefunden habe.

Boxer mit Boxhandschuh am Boxring
Boxer Ted Cheeseman spricht offen über seine Spielsucht (Bild: PxFuel/CC0 Commen Creative)

Cheeseman erklärt, dass er bereits als Teenager mit dem Glücksspiel angefangen habe. Später sei sein Spielverhalten derart exzessiv gewesen, dass er vor und nach jedem Boxtraining ins Wettbüro gegangen sei, um Sportwetten abzugeben oder an Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBTs) zu spielen.

Ted Cheesemans professionelle Box-Karriere begann im Jahr 2015. In der Gewichtsklasse Super-Weltergewicht erzielte er bislang 15 Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden. Von 2018 bis 2019 war er Titelträger der British super-welterweight Championship.

Der junge Boxer hoffe, anderen Betroffenen mit einer offenen und ehrlichen Darlegung seiner persönlichen Geschichte helfen zu können. Er vermute, dass Spielsüchtige in Zeiten der Corona-Krise deutlich mehr mit ihrem Problem zu kämpfen hätten als je zuvor.

Den Tiefpunkt im Ring erlebt

Er selbst habe sein problematisches Spielverhalten über Jahre vor Familie, Freunden und seinem Trainer geheim gehalten. Nach einer brutalen Niederlage gegen den spanischen Box-Champion Sergio Garcia am 2. Februar 2019 habe er seinem Trainer, Tony Sims, schließlich seine Spielsucht gestanden.

Während des Kampfes, der als der wichtigste seiner bisherigen Karriere gegolten habe, seien seine Gedanken allein um Geld und Glücksspiel gekreist. Cheeseman beschreibt:

Meine Hände waren unten und ich habe ihn mich schlagen lassen. In meinem Kopf sah ich es als meine Bestrafung an. Beim größten Kampf der Karriere hat man Millionen Gedanken im Kopf, aber meine drehten sich nur ums Geld. Da habe ich kapiert, dass ich all meine Chancen weggeschmissen hatte.

Cheeseman wolle nicht zusammenrechnen, wie viel Geld er bis dahin insgesamt verspielt habe. Er gesteht jedoch ein, dass seine gesamten Preisgelder aus Boxkämpfen sowie ein persönliches Erbe seiner Spielsucht zum Opfer gefallen seien.

Das letzte Mal gespielt habe er am 6. April 2019. An jenem Tag habe er 20 GBP für eine Pferdewette während des Grand Nationals ausgegeben. Seither habe er jeder Versuchung widerstanden.

Heute fokussiere er darauf, seine Spielsucht-Vergangenheit zu akzeptieren und keine Reue und Selbstverachtung zu empfinden. Er müsse lernen, dem verlorenen Geld nicht nachzutrauern, denn genau das sei für ihn stets der Auslöser zum Weiterspielen gewesen.