Australischer Whistleblower von Glücksspiel-Verband verklagt

Veröffentlicht am: 24. April 2020, 02:01 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. April 2020, 02:06 Uhr.

Anfang dieses Jahres deckte der australischer Whistleblower Troy Stolz ein alarmierendes Geldwäsche-Problem in den sogenannten Pokie-Clubs auf, in denen Spielautomaten aufgestellt sind. Nun wird er von einem der größten Glücksspiel-Verbände des Landes, ClubsNSW, verklagt.

Gesetz, Hand, Waage, Justiz
Ein Whistleblower, der auf Geldwäsche-Probleme in der Glücksspielindustrie aufmerksam gemacht hat, muss sich nun vor Gericht verantworten. (Bild: Pixabay/herbinisaac)

Anfang des Jahres erläuterte der Abgeordnete Andrew Wilkie in einer Rede vor dem australischen Parlament, dass bis zu 95 Prozent der in New South Wales registrierten Clubs, in denen Glücksspielautomaten (in Australien auch als „Pokies“ bezeichnet) aufgestellt seien, nicht den Regularien zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entsprächen. Diese Information habe er einem internen Dokument entnommen, das im Mai 2019 von einer Führungskraft des Glücksspiel-Verbandes ClubsNSW verfasst worden und ihm von Troy Stolz zugeführt worden sei.

ClubsNSW vertritt mehr als 1.200 Clubs der Glücksspielbranche. Nach eigenen Angaben leiste die Organisation einen wichtigen Betrag zur staatlichen und nationalen Politik sowie zur Entwicklung der Rechtsvorschriften in Bezug auf das Glücksspiel. Ziel des Verbandes sei unter anderem, die Bedingungen der Beschäftigten in der Branche zu verbessern.

Stolz soll diese internen Informationen nicht nur dem Abgeordneten, sondern auch mehreren Medien, darunter der Sydney Morning Herald (Seite auf Englisch), zugespielt haben.

Vorwurf der Verletzung einer Vertraulichkeitsvereinbarung

Stolz, der von 2014 bis 2019 bei ClubsNSW für die Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verantwortlich gewesen sei, werde nun von seinem ehemaligen Arbeitgeber verklagt, weil er eine Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt habe. Diese habe er unterzeichnet, als er begonnen habe, für den Verband zu arbeiten.

Nach Ansicht des Finanzexperten Jeff Morris sei dieses Vorgehen typisch für die Branche:

„Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie Unternehmen mit prall gefüllten Geldbeuteln das Gerichtssystem als stumpfes Instrument benutzen, um Whistleblower gewaltsam zu verdrängen.“

Stolz wiederum gehe gegen den Verband vor, weil dieser ihn seiner Ansicht nach diffamiere und seinen Ruf in der Branche so geschädigt habe, dass er keine Arbeit mehr erhalten. Zudem soll sein ehemaliger Arbeitgeber während der Zeit, in der er bei Clubs NSW beschäftigt gewesen sei, gegen mehrere Arbeitsschutzgesetze verstoßen haben.

Wie die Gerichte in diesem Fall entscheiden und ob sich Stolz auf den Schutz, den parlamentarische Gesetze in Australien für Whistleblower vorsehen, berufen kann, werden die Gerichtsentscheidungen zeigen. Diese dürften zukunftsweisend sein.