Zur landeseigenen Westspiel GmbH in NRW gehören vier Casinos in Bad Oeynhausen, Aachen, Duisburg und Dortmund-Hohensyburg. Jetzt soll die Westspiel Gruppe privatisiert werden.

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Die Spielbanken der Westspiel GmbH sollen bald privatisiert werden. Gauselmann Gruppe ist erster Interessent. (Bildquelle: Westspiel.de)

Bereits seit Jahren generieren die Spielbanken der Westspiel Gruppe, die 1.026 Mitarbeiter beschäftigt, hohe Verluste. Mehrmals musste das Unternehmen Defizite im täglichen Geschäft ausgleichen.

2014 wurde die Gruppe heftig kritisiert, als zwei wertvolle Gemälde von Andy Warhol, die sich im Besitz des Unternehmens befanden, verkauft werden mussten. Der Verkauf brachte einen Erlös von 120 Millionen Euro ein.

Die Bilder wurden in den 70er Jahren als Wanddekoration für die Casinos erworben. Dazu gehören unter anderem Werke von Salvador Dali, Günther Uecker und George Segal.

Ein weiterer Aspekt, für den Westspiel heftige Kritik erntete, waren die hohen Boni für die Manager, die sich in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Situation befanden.

Verkauf der Westspiel GmbH ist jetzt offiziell

Die Regierung in NRW sowie die staatliche Förderbank des Landes, der ebenfalls Teile der Westspiel Gruppe gehören, möchten sich nun von den Spielbanken trennen.

Der endgültige Beschluss wird in der kommenden Sitzung des Landeskabinetts am 8. Mai gefasst, die der Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) führen wird. Die Zustimmung des Kabinetts soll bereits jetzt sicher sein.

Das Finanzministerium des Landes sagt dazu:

“In einem im Umbruch begriffenen Glücksspielumfeld steht auch der Betrieb von Casinos durch die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen zur Diskussion. Im Vergleich der Länder zeigt sich, dass weder der Staat noch eine staatliche Förderbank Casinos betreiben müssen. Deshalb schlägt das Ministerium der Finanzen dem Landeskabinett vor, einen Prozess zu starten, der zukünftig die Casinos in Nordrhein-Westfalen in private Eigentümerschaft überführt.“

Bedingungen, die der neue Besitzer erfüllen muss

Zu den Bedingungen, die an den Erwerb der Spielbanken geknüpft sind, gehört unter anderem die Erfüllung der hohen Standards und strengen Auflagen. Weiterhin sollen auch künftig Teile der Einnahmen der Stiftung Wohlfahrtspflege zukommen.

Eine weitere Bedingung, die der neue Besitzer zu erfüllen hat, ist die Zusicherung, dass die Kunstwerke, die sich in Besitz von Westspiel befinden, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus muss der potentielle Käufer der Spielbanken Perspektiven bieten, die den Erfolg der Casinos in NRW gewährleisten. Dafür enthält das Verkaufspaket die Lizenz für die neue Kölner Spielbank.

Privatisierung der Spielbanken ist Teil des Koalitionsvertrags

Ein Jahr nach der Landtagswahl will die schwarz-gelbe Regierung nun eine Vereinbarung, die im Koalitionsvertrag festgelegt worden ist, umsetzen. Doch der Verkauf der Westspiel GmbH ist nicht die einzige Privatisierungsoffensive.

Seitens der Landesregierung heißt es:

“Wir prüfen das Beteiligungsportfolio des Landes auf Privatisierungsmöglichkeiten.”

Die Unternehmen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), die Duisburger Hafen AG sowie die Kölner und Duisburger Messe sollen ebenfalls bald zum Verkauf stehen.

Es habe sich im Vergleich der Länder gezeigt, dass Casinos, die sich in privater Eigentümerschaft befinden, bereits sehr erfolgreich seien, sagt das Finanzministerium. Weder der Staat noch eine staatliche Förderbank müsse Spielbanken betreiben.

Gauselmann Gruppe möglicher Interessent?

Möglicherweise kommt man mit der Gauselmann Gruppe ins Gespräch. Bereits 2013 hat das Tochterunternehmen Merkur Spielbanken die Ausschreibung für den Betrieb zweier Casinos in Sachsen-Anhalt gewonnen.

2014 wurde der Standort Leuna-Günthersdorf eröffnet, 2016 folgte die Eröffnung des Casinos in Magdeburg. Auch in der Hauptstadt Berlin wird eine Spielbank von Gauselmann in Kooperation mit der österreichischen Novomatic Gruppe betrieben.

Mario Hofmeister, der Sprecher der Gauselmann Gruppe, sagt dazu, dass man grundsätzlich an Westspiel interessiert sei, sich aber erst zu Details äußern könne, wenn ein entsprechendes Angebot vorliege.

Noch zahlreiche Aspekte bedürfen der Klärung

Zu den zahlreichen Aspekten, die einer Klärung bedürfen, gehöre auch die Frage, ob für die 2022 auslaufenden Lizenzen Verlängerungen vorgesehen seien. Bis dato habe es noch keinen Kontakt zur Landesregierung gegeben.

Experten der Branche sind der Meinung, dass nur sehr wenige Unternehmen in Frage kämen, den größten öffentlich-rechtlichen Spielbanken Betreiber Westspiel GmbH zu erwerben. Dazu gehören neben Gauselmann und Novomatic noch Schweizer Gesellschaften sowie Casino Austria International.