Schweiz: Vier erste Online Casinos in den Startlöchern

Veröffentlicht am: 25. April 2019, 12:44 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Mai 2019, 08:01 Uhr.

Nachdem die Eidgenossen vor knapp einem Jahr das neue Schweizer Geldspielgeldsetz ratifizierten, scheint die Lizensierung der ersten offiziellen Schweizer Online Casinos kurz bevorzustehen. Die Spielbanken von Davos, Pfäffikon, Luzern und Baden könnten ihre Internetpräsenzen unter Umständen bereits am 01. Juli eröffnen.

Schweizer Flaggen, Geranien
Vier Schweizer Online Casinos könnten schon in wenigen Wochen an den Start gehen (Quelle:flickr.com/Frerk Meyer, licensed under CC BY-SA 2.0)

Keine Konkurrenz aus dem Ausland

Seit dem 1. Januar 2019 unterliegt das Glücksspiel in der Schweiz dem neuen Geldspielgesetz, für welches im Juni des Vorjahres mehr als 70 Prozent der Schweizer im Rahmen eines Referendums gestimmt hatten. Das neue Gesetz regelt unter anderem den Umgang der Schweiz mit dem Online Glücksspiel.

Die Volksabstimmung stellt in der Schweiz ein wichtiges Instrument der direkten Demokratie dar.

Sie kommt sowohl auf kommunaler, kantonaler als auch auf Bundesebene zum Tragen.

Abgestimmt wird über Gesetzesvorschläge, die von Volksinitiativen oder der Regierung eingebracht werden. Ausschlaggebend ist die einfache Mehrheit.

Nachdem Online Casinos zuvor, ähnlich wie in Deutschland, in einem rechtlichen Graubereich angesiedelt waren, vergibt die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) nun Lizenzen zum Betrieb des Glücksspiels im Internet.

Schweizer Berge
Schweizer sollen bei Schweizern spielen (Quelle:pixabay.com/pasja100)

Obwohl sich das Land damit der international fortschreitenden Regulierung des Onlinemarktes anschließt, wählt es gleichzeitig mit der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen einen Sonderweg:

Betriebserlaubnisse für Online Casinos werden ausschließlich an Betreiber von ortsgebundenen herkömmlichen Schweizer Spielbanken vergeben. Internationale Anbieter sind von der Konkurrenz ausgeschlossen.

Ein Problem für Kritiker und Beobachter:

Der Einfluss der Interessenvertreter der Schweizer Glücksspielindustrie auf die Politik sei nicht ausreichend nachzuvollziehen, findet zum Beispiel Transparency International Schweiz.

Erste rechtliche Hürde genommen

Erste Profiteure der neuen Regelungen werden nach den Angaben Schweizer Medien die Grand Casinos Luzern und Baden sowie die Casinos Pfäffikon und Davos sein.

Ihre „Gesuche für eine Erweiterung der Konzession um das Recht, Spielbankenspiele online durchzuführen“ erhielten von der ESBK einen positiven Bescheid.

Nachdem mit der Überprüfung der Konzepte durch die ESBK der erste wichtige Schritt getan ist, fehlt den Betreibern nur noch die Zustimmung der Politik.

Der Bundesrat wird voraussichtlich Ende Juni über die ihm von der Glücksspielbehörde vorgelegten Lizenzgesuche entscheiden.

Wolfgang Bliem, CEO des Grand Casino Luzern sieht dem Termin optimistisch entgegen:

Ich bin zuversichtlich, dass unser Konzessionsgesuch den Bundesrat überzeugen wird.

Vom Gratis- zum Geldspiel

Bliems Haus hat sich die Domain mycasino.ch gesichert. Details zum Konzept sind noch nicht bekannt.

Weniger bedeckt hält sich die Swiss Casino Holding. Sie plant, unter swisscasinos.ch über 100 Automaten- und Casinospiele anzubieten. Ein besonderes Highlight sollen dabei reale Tische in den Casinos Zürich und Pfäffikon darstellen, an denen sowohl vor Ort als auch online gespielt werden kann.

logo casino luzern
Das Casino Luzern erhält voraussichtlich einer der begehrten Lizenzen (Quelle:gradcasinoluzern.ch)

Einen gewissen Erfahrungsvorsprung in Bezug auf den Betrieb eines Online Casinos dürfte die Grand Casino Baden AG haben, die bereits seit einiger Zeit mit der Internetpräsenz jackpots.ch online ist.

Nach Angaben von Marketingleiter Beat Lehmann habe die Gratisspiel-Plattform bereits 15.000 registrierte Nutzer. Künftig soll hier auch um Geld gespielt werden.

Das ebenfalls unter Beteiligung der Stadtcasino Baden AG agierende Casino Davos wird mit der Seite casino777.ch an den Start gehen.

Zwei Bewerber müssen nachbessern

Während die vier Betreiber aus Luzern, Davos, Pfäffikon und Baden in den Startlöchern stehen, haben zwei weitere Bewerber zumindest vorerst das Nachsehen.

Die Online Pläne der Casinos der Kongress + Kursaal Bern AG in Neuenburg und Bern haben die Kontrolle durch die ESBK in dieser Runde nicht bestanden.

Die Spielbanken müssen in ihren Konzepten nachlegen, wie der Neuenburger Marketingleiter Patrick Cupelin gegenüber der Schweizer Tamedia-Gruppe erklärt:

Nur im formaljuristischen Bereich müssen wir kleine Anpassungen anbringen, weil die Interpretation einiger Verträge nicht ganz eindeutig war. Wir werden unser Gesuch überarbeiten und noch einmal einreichen. Danach hoffen wir auf eine möglichst schnelle Konzessionserteilung.

Umstellung für Schweizer Spieler

Sollten die Gesuche den Schweizer Bundesrat wie von den Verantwortlichen erhofft, passieren, bedeutet dies vermutlich ab Juli eine deutliche Umstellung für Online Spieler der Schweiz.

Bei den vier Internetpräsenzen der ansässigen Spielbanken wird es sich nämlich nicht um ein Zusatzangebot zum bislang unregulierten Markt handeln:

Ab dem 1. Juli, an dem die dann offiziell lizensierten Schweizer Online Casinos voraussichtlich an den Start gehen werden, sollen technische Maßnahmen wie Netzsperren und Geoblocking zusätzlich dafür sorgen, dass Alternativangebote aus dem Schweizer Netz nicht mehr abrufbar sind.