Spielsucht und weitere Abhängigkeiten: Tiroler Suchtkonzept 2022-2032 vorgestellt

Veröffentlicht am: 24. February 2022, 02:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. February 2022, 04:29 Uhr.

Das österreichische Bundesland Tirol plant neue Wege im Umgang mit Suchterkrankungen. Gestern stellten die Verantwortlichen in Innsbruck ihr auf zehn Jahre angelegtes Tiroler Suchtkonzept 2022-2032 vor. Für effektive Prävention und Hilfe bei Problemen wie Glücksspiel- oder Alkoholsucht müsse insbesondere die Stigmatisierung der Thematik und Betroffenen überwunden werden, so die Experten aus Politik und Wissenschaft.

Blick auf Innsbruck und Berge
Auch in Innsbruck soll das Tiroler Suchtkonzept 2022-2032 Anwendung finden (Quelle:flickr.com/barnyz, licensed under CC BY-NC-ND 2.0)

„Stigmatisierung überwinden“

Wie das Land Tirol in seiner Pressemeldung mitteilt, beschäftige sich das neue Tiroler Suchtkonzept auf 150 Seiten mit dem künftigen Umgang des Bundeslandes mit Suchterkrankungen. Auf Basis seines Vorgängers aus dem Jahr 2012 seien Empfehlungen für die drei Interventionsfelder Suchtprävention, Suchthilfe und Sicherheit erarbeitet worden.

Als Querschnittsthema, das diverse politische Bereiche und fachliche Disziplinen betreffe, benötige die Sucht besondere Aufmerksamkeit. Hierzu gehöre auch ein offener Umgang mit der Thematik. Die Tiroler Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) erklärt dazu im Statement:

Sucht ist eine schwere Erkrankung, die behandelbar ist. Wir müssen die mit einer Suchterkrankung oft einhergehende Stigmatisierung überwinden – denn diese schadet den betroffenen Menschen, verstärkt Suchtprobleme und behindert die Hilfsmaßnahmen (…) Menschen mit Suchterkrankungen befinden sich in einer Notlage – ihnen muss rasch geholfen werden. Es ist unsere gesellschaftliche Pflicht, diese Personen nicht alleine zu lassen, sondern sie zu begleiten und sie in unsere Mitte zu holen.

Konkret gehe es darum, präventive Maßnahmen zielgerichtet zu steuern und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Anlaufstellen für Betroffene zu installieren. Hierzu gehörten sowohl stationäre als auch ambulante Hilfsangebote. Zudem sollten sich Beratungs- und Hilfsleistungen an den Bedürfnissen spezifischer Altersgruppen ausrichten.

Niedrigschwellige Hilfe auch bei Glücksspielsucht

Das Konzept wurde vom Land Tirol in Zusammenarbeit mit dem nationalen Forschungs- und Planungsinstitut Gesundheit Österreich GmbH erstellt. Es widmet sich neben stoffgebundenen Süchten, wie beispielsweise den Abhängigkeiten von Alkohol und illegalen Drogen, auch explizit der Glücksspielsucht.

Dabei zitieren die Macher eine Studie aus dem Jahr 2015, nach der rund ein Prozent der österreichischen Bevölkerung über 15 Jahren unter problematischem oder pathologischem Spielverhalten litten. Drei Viertel der Erkrankten, die sich in Behandlung befänden, seien Männer.

Das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz geht von 40.000 bis 60.000 Spielsüchtigen in der Alpenrepublik aus, die vom Spiel am Automaten und/oder im Casino abhängig sind.

Beim Online-Glücksspiel beliefen sich Schätzungen auf ca. 60.000 Österreicher, die suchtgefährdet oder bereits erkrankt seien.

Landesrätin Fischer bezeichnete das nun vorgelegte Suchtkonzept als „Meilenstein für die nächsten zehn Jahre“. Sie sei davon überzeugt, dass sich Suchtprobleme nur durch gemeinsame Anstrengungen aller bewältigen ließen. Diesem Credo trügen die geplanten breiten und niedrigschwelligen Hilfsangebote Rechnung.