Slowakische Glücksspielfirma Tipos unter Geldwäscheverdacht

Veröffentlicht am: 29. November 2019, 12:04 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. November 2019, 12:37 Uhr.

Das slowakische Glücksspielunternehmen Tipos steht unter dem Verdacht der Geldwäsche. Wie das slowakische Nachrichten-Portal Aktuality.sk berichtet, habe eine Eliteeinheit der Strafverfolgungsbehörde NAKA am Dienstag eine Razzia in der Tipos-Firmenzentrale in Bratislava durchgeführt.

Ein Mann in Handschellen
Am Dienstag klickten in Bratislava bei Razzien die Handschellen. (Quelle: Pixabay)

Dabei seien die Büroräume des staatlichen Glücksspielbetreibers durchsucht und zwei Personen wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen worden. Bei den Festgenommenen soll es sich um den TIPOS-Chef Ján Barczi und IT-Abteilungsleiter Miloš Prelec handeln.

Ein Schlag gegen das staatliche Glücksspiel

Die Festnahme ranghoher Tipos-Beschäftigter könnte ein schwerer Schlag gegen das Ansehen des staatlichen Glücksspiels in der Slowakei sein.

Schließlich wurde Tipos im Jahre 1993 als nationaler Konzern mit der Aufgabe der sicheren und vertrauensvollen Durchführung der National Lotterie des Landes beauftragt. Heute organisiert das Staatsunternehmen, welches im Jahr mehr als 400 Millionen Euro umsetzt, auch einen Großteil des Online Glücksspiels in der Slowakei und untersteht der direkten Kontrolle des Finanzministeriums.

In der Slowakei gilt die Glücksspielfirma deshalb als besonders verlässlich. Dieser gute Ruf könnte durch die gegenwärtigen Untersuchungen Schaden nehmen.

Wurden Tipos-Nutzerkonten zur Geldwäsche verwendet?

Kern der Anschuldigungen gegen Tipos ist der Verdacht der Geldwäsche. Bereits im letzten Jahr waren 140 Konten des staatlichen Online Casinos im Zusammenhang mit Ermittlungen des Finanzamtes geschlossen worden.

Der Vorwurf: Die Nutzer hätten ohne Prüfung hohe Geldsummen auf ihre User-Accounts eingezahlt, allerdings nie damit gespielt. Das Geld habe lediglich auf den Nutzerkonten gelegen und sei nach kurzer Zeit auf private Bankkonten ausgezahlt worden.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Geldbeträge aus kriminellen Machenschaften gestammt haben könnten und nach der Auszahlung durch Tipos als legaler Glücksspielgewinn deklariert werden sollten.

Tipos-Verantwortliche waren deshalb kontrolliert, jedoch nicht zur Verantwortung gezogen worden. Dies könnte sich nach den ersten Festnahmen ändern. Firmen-Insider gehen derzeit davon aus, dass über Tipos-Konten zwischen 20 und 27 Millionen Euro illegal transferiert wurden. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen nun genau überprüfen, ob Tipos-Funktionäre von dem Geldwäsche- und Steuerbetrug wussten oder vorsätzlich daran beteiligt gewesen sind.

Tipos hatte sich bereits im Jahre 2018 für Versäumnisse innerhalb des Unternehmens entschuldigt. Ján Barczi, der mittlerweile festgenommene Chef von Tipos, musste seinen Hut jedoch nicht nehmen.

Finanzministerium will Ermittlungen abwarten

Das Finanzministerium, welches für die Aufsicht des Staatsbetriebs und seiner Verantwortlichen zuständig ist, sei über die aktuellen Entwicklungen beunruhigt, wie es am Dienstag aus der Pressestelle des Finanzministers Ladislav Kamenický hieß:

„Das Finanzministerium der Slowakischen Republik verfolgt die Situation bei Tipos, der nationalen Lotteriegesellschaft, mit Sorge, während der Finanzminister auf das Ergebnis der Untersuchung wartet. In Bezug auf den Untersuchungsverlauf wird er sich derzeit nicht zu diesem Thema äußern.“

Über Details des laufenden Verfahrens wollte sich auch die Polizei in dieser Woche nicht weiter äußern. Die Ermittlungen befänden sich noch in der Anfangsphase.

Ein dubioser Assistent

Ob allein die Geldwäschevorwürfe mit den spektakulären Festnahmen zu tun haben, ist offen. Fakt ist, dass Tipos-Boss Ján Barczi bislang nicht nur wegen verdächtiger Online-Nutzerkonten in den Fokus von Ermittlern und kritischen Medien geraten ist. Auch Barczis intransparente Unternehmensführung wirft seit Jahren Fragen auf. So soll der Tipos-Direktor seit April 2017 einen Berater engagiert haben, dessen tatsächliche Existenz nie ausreichend belegt werden konnte.

Milan Cuba, so der Name des angeblichen Angestellten, soll über zweieinhalb Jahre 3.100 Euro Gehalt pro Monat bezogen haben, ohne dass Inspektoren einen Beweis für die Beschäftigung des Mannes finden konnten. Lokale Medien fragten deshalb, wohin der Lohn des vermeintlichen Beraters wirklich geflossen sei. Eine Antwort blieb sowohl Ján Barczi als auch der Konzern schuldig.

Im Zuge des Verfahrens könnte sich zeigen, ob der Phantom-Mitarbeiter wirklich existierte. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte eine Anklage wegen Betruges folgen.