Schweden: Politiker drängen auf Verlängerung der Restriktionen für Online-Casinos

Veröffentlicht am: 12. April 2021, 02:11 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. April 2021, 02:11 Uhr.

Seit Juli 2020 sehen sich die in Schweden lizenzierten Online-Casinos mit scharfen Einschränkungen in Bezug auf Einsatz- und Bonuslimits konfrontiert. Am Freitag hat das schwedische Finanzministerium den Vorschlag unterbreitet [Seite auf Schwedisch], die geltenden Regelungen um weitere viereinhalb Monate zu verlängern.

Ardalan Shekarabi
Schwedens Sozialversicherungsminister Ardalan Shekarabi fordert Verlängerung der Online-Casino-Restriktionen (Bild: Kristian Pohl/ Regeringskansliet

Ursprünglich sollten die temporären Online-Casino-Limits bis Ende Juni 2021 und damit für insgesamt ein Jahr in Kraft bleiben. Doch nun visiert das Ministerium den 14. November als frühestes Datum zur Aufhebung der Sonderregeln an. Grund sei der anhaltende Corona-Ausnahmezustand.

Schwedische Verbraucher müssten daher auch weiterhin vor den Risiken des Online-Glücksspiels geschützt werden. Einzahlungslimits von 5.000 SEK (490 Euro) pro Woche, Bonuslimits von 100 SEK (9,80 Euro) pro Neukunden und ein vor Spielbeginn festzulegendes Zeitlimit sollen zum Spielerschutz beitragen.

Im Statement des Ministeriums erläutert Schwedens Sozialversicherungsminister Ardalan Shekarabi:

Wir sehen, dass die Verbreitung von COVID-19 in Schweden noch immer hoch ist. Die aktuelle Situation birgt deshalb große Risiken für die Verbraucher auf dem Glücksspielmarkt. Wir müssen daher etwas tun, um die Risiken für die am stärksten gefährdeten Konsumenten zu mindern.

Der dringliche Aufruf des Ministers an die Regierung, die Restriktionen aufrecht zu erhalten, sei zur Konsultation ans Parlament geschickt worden. Das Finanzministerium erwarte bis spätestens 3. Mai eine Reaktion der Regierung.

Branchenverband zeigt sich frustriert

Der schwedische Branchenverband für Online-Glücksspiel (BOS) reagierte mit großem Unverständnis auf die potenzielle Verlängerung der Restriktionen. Sollte die Regierung dem Vorschlag zustimmen, wäre es bereits das zweite Mal, dass die Regierung die vermeintlich „temporären“ Regelungen ohne stichhaltige Begründung um eine willkürliche Zeitspanne verlängere, so der Verband.

Verbandschef Gustaf Hoffstedt kommentierte:

Ich habe schon einmal festgestellt, dass nichts so dauerhaft ist wie ein politisches Versprechen, dass etwas zeitlich begrenzt ist. Die Regierung scheint nicht zu wissen, dass ihre eigenen Experten, die Staatskasse, vor knapp einer Woche festgestellt hat, dass die Abwanderung vom schwedischen Glücksspielmarkt auf den unregulierten Markt alarmierend hoch ist.

Bereits jede vierte schwedische Krone fließe aktuell am Lizenzsystem vorbei auf den Schwarzmarkt. Je länger die Restriktionen aufrechterhalten würden, umso mehr würde dem Ziel des Spielerschutzes entgegengearbeitet.

Es sei geradezu „provokativ“, dass die Regierung immer wieder von Spieler- und Verbraucherschutz spreche, diesem gleichzeitig aber aktiv schade.