SBC Summit: Schweden für Spielerschutz-Maßnahmen in der Kritik

Veröffentlicht am: 14. September 2020, 01:03 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. September 2020, 01:03 Uhr.

Vertreter der Glücksspielbranche haben auf einem Panel des virtuellen SBC Summit 2020 [Seite auf Englisch] in der vergangenen Woche die jüngsten Spielerschutzmaßnahmen der schwedischen Regierung kritisiert. Zuvor hatte die schwedische Regierung im Juni Maßnahmen zur vorübergehenden Beschränkung von Online-Casinos beschlossen, die zu Verunsicherung von Anbietern und Spielern geführt hatten.

Laptop, Chips, Karten, Roulette
Online-Glücksspiel in Schweden unterliegt seit Juli besonderen Beschränkungen (pixabay.com, AidanHowe)

Politische Interessen vor Spielerschutz?

In einem Panel zur Situation auf dem schwedischen Glücksspiel-Markt seien demnach wenige positive Worte gefallen. So habe Fintan Costello, Chef von BonusFinder, der schwedischen Regierung vorgeworfen, die Einsatzlimits vom Juni aufgrund von politischen Interessen eingeführt zu haben:

Schwedische Limits dienen nicht dem Schutz der Spieler, sie sind reine Politik.

Tatsächlich könnten die Einsatzlimits von Spielern umgangen werden, indem mehrere Konten bei verschiedenen Anbietern angelegt werden. Außerdem würden Spieler nicht daran gehindert, ausländische Anbieter zu nutzen. Ende August hatte die schwedische Glücksspielbehörde eingeräumt, dass eine effektive Überwachung der Regelungen derzeit nicht möglich sei.

Seit dem 2. Juli gelten in Schweden neue Regelungen zu Einsatzlimits, Zeitlimits und Bonusangeboten auf Glücksspiel-Webseiten. Die Beschränkungen waren eingeführt worden, um den Spielerschutz während der Corona-Krise zu erhöhen. So war das Einsatzlimit auf 5.000 SEK (rund 460 Euro) gesenkt worden. Bonusangebote müssen seither auf 100 SEK (rund 9 Euro) begrenzt werden. Jeder Spieler muss vor Spielbeginn zudem ein Zeitlimit festlegen.

Gustaf Hoffstedt, Generalsekretär des schwedischen Branchenverbands für Online-Glücksspiel, habe sich Costellos Sichtweise angeschlossen. Er glaube, dass hinter den Maßnahmen der Versuch stecke, den staatlichen Anbieter Svenska Spel zu schützen. Hoffstedts Auffassung nach solle sich die Regierung auf die Überwachung des Glücksspiels konzentrieren und sich als Anbieter vom Markt zurückziehen.

Spieler schützen, statt Anbieter zu bestrafen

Die derzeitige schwedische Vorgehensweise sei ungerecht und „schlecht für das Geschäft“, so Costello. Während lizenzierte Anbieter bestraft würden, hätten internationale Anbieter quasi freie Hand. Mehrere Online-Casinobetreiber hätten daher bereits das Interesse am schwedischen Markt verloren, so Costello.

Eine sinnvolle Alternative seien hingegen Einkommensüberprüfungen, so die Panel-Teilnehmer. Die derzeitigen Einsatzlimits berücksichtigten nicht die individuelle Einkommenssituation eines Spielers und seien daher ohnehin nicht zielführend, so Panel-Moderator und Kreativdirektor bei Green Jade Games, Jesper Kärrbrink.

Die Umsetzung solcher Prüfungen sei jedoch schwierig. Es liege nun in der Hand der Glücksspiel-Branche, machbare und sinnvolle Lösungen hierfür zu finden, so Costello.