Großbritannien: Reform des Glücksspiel­gesetzes erneut verschoben?

Veröffentlicht am: 8. February 2022, 11:29 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. February 2022, 11:30 Uhr.

Die im Jahre 2020 angekündigte Reform der britischen Glücksspielgesetzgebung könnte erneut verschoben werden. Nach Angaben der britischen Tageszeitung The Guardian [Seite auf Englisch] vom Sonntag soll die Überarbeitung der Glücksspielregulierung nicht vor Mai 2022 erfolgen können.

London, Bus
Die Reform der britischen Glücksspielgesetzgebung könnte sich erneut verzögern. (Bild: unsplash.com, Aron van de Pol)

Grund für die Verzögerung sei die sich derzeit vertiefende Krise innerhalb der regierenden Tory-Partei wegen der „Partygate“-Affäre. Die Daily Mail schrieb am Montag, die Reformpläne könnten sogar noch weiter zurückgeworfen werden, sollte Boris Johnson zum Rücktritt gezwungen werden.

Die Abteilung für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) hat im Dezember 2020 angesichts der wachsenden Besorgnis über Sucht und die Exposition von Kindern durch Werbung und Fußballsponsoring eine Überprüfung der Glücksspielgesetze eingeleitet.

Ein Whitepaper hierzu sollte ursprünglich vor Ende 2021 veröffentlicht werden. Allerdings wurde es nach einer Kabinettsumbildung, bei der Glücksspielminister John Whittingdale durch Chris Philp ersetzt wurde, auf Anfang 2022 verschoben. Nun könnten sich die Reformierungspläne noch weiter verzögern. Das DCMS soll eine Stellungnahme gegenüber den Medien abgelehnt haben.

Spielsucht-Aktivisten laufen Sturm

Die Berichte um die Verzögerung des Reformierungsprozesses schürten erneute Besorgnis in den Reihen der Spielsucht-Aktivisten. Sie fordern bereits seit längerem eine Überarbeitung der Glücksspielgesetzgebung.

Carolyn Harris, Leiterin einer parteiübergreifenden Gruppe von Abgeordneten, die sich der Untersuchung glücksspielbedingter Schäden verschrieben hat, äußerte sich besorgt über die derzeitigen Vorkommnisse an der Regierungsspitze.

Die Ungewissheit über die Zukunft von Boris Johnson, von dem angenommen werde, dass er die Reformpläne unterstütze, könne dem gesamten Regulierungsprozess schaden. Und dieser sei bereits vor zwei Jahren angekündigt worden.

Harris sagte weiter:

Jeder Tag der Verzögerung führt zu weiteren glücksspielbedingten Schäden, während die Branche Gewinne einstreicht. Die Regierung darf nicht zulassen, dass ihre eigenen internen Probleme dringend notwendigen Reformen für dieses Land im Wege stehen – es ist Zeit zu handeln.

Die möglichen Verzögerungen könnten allerdings auch einen weiteren Grund haben. Laut Berichten des Public Accounts Committee und des National Audit Office sei die Regulierungsbehörde derzeit unterbesetzt.

Aktuell sei die Behörde damit beschäftigt, die Entscheidung darüber zu überwachen, welches Unternehmen die nächste 10-Jahres-Lizenz zum Betrieb der National Lottery erhalten werde, so die Daily Mail. Eine Resolution diesbezüglich werde in diesem Monat oder Anfang März erwartet.