Großbritannien: Kritiker fordern mit Stadion-Rundgängen ein Ende der Sportwetten-Werbung

Veröffentlicht am: 9. März 2021, 11:31 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. März 2021, 12:47 Uhr.

In Großbritannien haben an diesem Wochenende rund 300 Menschen an Stadion-Rundgängen teilgenommen, um gegen Werbung für Sportwetten zu protestieren. Die Aktion fand im Rahmen der Initiative „The Big Step“ statt, die von einem ehemaligen Spielsüchtigen und der Wohltätigkeitsaktion Gambling with Lives ins Leben gerufen wurde.

The Big Step, Spielerschutzprojekt
Im Rahmen des Spielerschutz-Projektes The Big Step fanden Prostestmärsche statt. (Bild: the-bigstep.com)

Das Projekt The Big Step [Seite auf Englisch] besteht seit dem Jahr 2019 und hat seitdem insgesamt vier Protestmärsche organisiert. Diesjähriger Plan war, am Wochenende insgesamt eine Strecke von 1.137 Meilen (rund 1.800 km) zurückzulegen. Um das gemeinsame Ziel zu erreichen und zu der angestrebten Meilenzahl beizutragen, haben sich viele Unterstützer und lokale Abgeordnete zu Spaziergängen zu den Fußballstadien an ihren Heimatorten aufgemacht.

James Grimes, Gründer von The Big Step, erklärte, ihn habe seine eigene Spielsuchtgeschichte zu den Protesten bewegt. Er selbst habe seit drei Jahren nicht mehr gewettet, nachdem ihn die Spielsucht nahezu in den Selbstmord getrieben hätte. Er sagte gegenüber den Medien:

Es gibt viele andere, die an diesem Wochenende laufen, die ebenfalls versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Ich habe niemanden getroffen, der während der Spielsucht-Behandlung keine Selbstmordgedanken gehegt hätte, sie [die Spielsucht; Anm. d. Red.] bringt dich dazu.

Der Zeitpunkt der diesjährigen Protestmärsche wurde so gewählt, dass er mit der Überprüfung der Glückspielgesetze durch die britische Regierung zusammenfällt. Im Rahmen dieser prüft die Regierung unter anderem, das Sportsponsoring und die Werbung durch Glücksspielanbieter zu untersagen. Diese Forderung unterstützt sowohl die Initiative The Big Step als auch die Spielerschutzorganisation Gambling with Lives.

Petition für das Verbot der Sportwetten-Werbung

Gemeinsam haben die Organisatoren daher nicht nur zu den Stadion-Rundgängen aufgerufen, sondern wollen auch mit einer Petition auf das Problem aufmerksam machen. Bislang haben sich hierbei mehr als 7.700 Menschen (Stand: 09.03.2021) für ein Sponsoring-Verbot und ein Verbot der Werbung für Sportwetten ausgesprochen.

Die Überprüfung der Glücksspielgesetze beinhaltet auch die Überlegung, verpflichtende Bonitäts-Checks der Spieler einzuführen. Wie eine aktuelle Umfrage des Betting and Gaming Council (BGC), des Fachverbandes der Glücksspielbranche Großbritanniens zeigt, sollen diese Pläne jedoch nicht auf die Unterstützung der breiten Mehrheit treffen.

Der Betting and Gaming Council beauftragte das Meinschungsforschungsinstitut YouGov mit einer Umfrage zu Bonitäts-Checks und Limits für Verluste beim Glücksspiel in Höhe von 100 GBP. An der Umfrage nahmen insgesamt 1.683 erwachsene Briten teil. Mit einem Anteil von 51 % sprach sich knapp mehr als die Hälfte gegen die Pläne der Regierung aus, während sie von 27 % befürwortet wurden.

Ob die Regierung dennoch an den geplanten Bonitätschecks festhalten und die Werbung für Sportwetten verbieten könnte, wird sich voraussichtlich innerhalb der nächsten Wochen zeigen.